In der Mittags-„ZiB“ hat kürzlich ein junger jüdischer Österreicher über seine Empfindungen in diesen Tagen des Terrors gesprochen. Dass es besser sei, in der Öffentlichkeit nicht mehr Hebräisch zu sprechen und keine Kippa zu tragen, sich also als „jüdisch“ zu deklarieren. Wir leben in einem Land, in dem der muslimische Bevölkerungsanteil in den vergangenen Jahrzehnten rasant angestiegen ist, was sich auch im Straßenbild bemerkbar macht. Vom Bregenzerwald bis zum Seewinkel wird Kopftuch getragen, in der Wiener U-Bahn erregt ein Dirndl mittlerweile mehr Aufsehen als ein Hijab. Die Ansichten, die mit dieser Migration in unsere Gesellschaft eingesickert sind, wurden weitgehend toleriert. Die extreme Religiosität – während die Macht der Kirche hierzulande endlich bröckelt. Die Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Der Antisemitismus. Wer Besorgnis über diese Entwicklung zu äußern wagte, der wurde ins rechte Eck verbannt. Statt antiquierte Denkweisen einzudämmen, wurden sie befeuert. Unvergessen die Empfehlung unseres Bundespräsidenten zum Kopftuchtragen aus Solidarität. Wäre es nicht – angesichts der unsäglichen Morde an jungen Frauen; z. B. im Iran – viel mehr angebracht, zum Ablegen dieses Kleidungsstückes aufzurufen? Und sich dafür eine Kippa aufzusetzen, wenigstens einmal, beim Spaziergang durch die Parkanlagen der Hofburg? Fakt ist: Wer sich muslimisch kleidet, ist nicht verantwortlich für die Gräuel der Hamas. Wer eine Kippa trägt, ist nicht verantwortlich für die Gräuel von Gaza. Aber Tatsache ist auch, dass Muslime und sehr selbstbewusste Musliminnen mittlerweile unser Straßenbild prägen, zumindest in den Städten, während Juden offenbar wieder Angst haben müssen, sich als solche im öffentlichen Raum zu deklarieren. Helfen wird da auch nicht die Heuchelei, die gerade einsetzt. All die Reportagen à la „Huch, wo kommt der viele Antisemitismus her? Ganz besonders an unseren Schulen?“ Tja, woher? Vielleicht hätte man hinhören sollen, wenn Lehrer(inn)en und Direktor(inn)en von ihren Erfahrungen berichten wollten, statt sie mit der moralischen Keule mundtot zu machen. 80 Jahre nach dem Holocaust müssen wir die Frage stellen, wie sich unsere jüdischen Mitbürger fühlen, in diesem Herbst 2023 hier in Österreich. Zu Hause? Beschützt? In Sicherheit? Die Antwort betrifft uns alle.
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