Dass die Wortwahl von einigen Gewerkschaftern über das Ziel hinausschießt, ist nicht in Ordnung, aber es geht um sehr viel in diesen Zeiten. Die Gesprächskultur muss immer in einem gewissen Rahmen bleiben und darf nicht beleidigend werden. Doch ist es auch provozierend, wenn sich die Arbeitgeber hinstellen und sagen, das gibt es und fertig! Ältere Generationen wissen noch, wie früher Verhandlungen unter Benya und Sallinger gelaufen sind. Die beiden haben sich an einen Tisch gesetzt, die Möglichkeiten ausgelotet und der Wirtschaft und den Arbeitgebern ausgerichtet, wie es für das nächste Jahr ausschaut. Sowohl Unternehmer als auch Arbeiter waren zufrieden, und man spuckte in die Hände und ging ans Werk. Doch seit Schwarz-Blau 2000 an die Macht kam, versuchte man die Sozialpartner, wie Gewerkschaft, AK, VKI und Ähnliches, außen vor zu lassen. Haider wollte die roten Gewerkschafter überhaupt aus dem Parlament verbannen. Man wurde nur noch zu Scheinverhandlungen eingeladen, und die Regierung wollte alles im Sinne der Wirtschaft selber regeln. Heute ist man an einem Punkt angelangt, wo es immer weniger Verhandlungen, sondern Kampf gibt. Wie teuer es werden kann, wenn gestreikt wird, sieht man in den Autofirmen in Amerika, wo der Wertverlust pro Woche Hunderte Millionen beträgt, obwohl die Firmen Milliardengewinne schreiben. Es ist an der Zeit, sich wieder an den Tisch zu setzen und zu verhandeln. Ein Streik kann nur das letzte Mittel sein, aber wenn es sein muss, muss man es durchziehen. Leben und leben lassen muss die Devise lauten – aber 2,5 Prozent sind in Zeiten der massiven Teuerung zu wenig, und eine Aufrechnung der staatlichen Hilfen in Lohnverhandlungen kann und darf nicht akzeptiert werden, denn somit wäre eine Abschaffung der kalten Progression umsonst gewesen.
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