Am Freitag wurde in der EU über eine 10-jährige Verlängerung der Zulassung des Totalherbizids Glyphosat – verharmlosend auch als Unkrautvernichter bezeichnet – abgestimmt. Dieses Mal gab es keine ausreichende Mehrheit für eine Zulassungsverlängerung. Dabei hätte eine sogenannte qualifizierte Mehrheit gereicht. (Für ein Verbot reicht eine qualifizierte Mehrheit – die gab es ja – anscheinend nicht.) Auch die österreichischen Vertreter stimmten gegen das Pflanzengift. Aber nicht weil sie alle von der Schädlichkeit dieses Pflanzengiftes überzeugt sind, sondern weil sie wegen eines Parlamentsbeschlusses vor einigen Jahren gegen eine weitere Zulassung stimmen mussten; ob es ihnen nun passt oder nicht. Mit der gescheiterten Zulassungsverlängerung kann aber noch keine Entwarnung gegeben werden. Im November wird nämlich in einem Berufungsausschuss wieder um die Zulassungsverlängerung von Glyphosat, dessen bekanntestes Produkt „Roundup“ heißt, diskutiert. Der Hersteller, das ist jetzt der Konzern Bayer (früher war es Monsanto), ist davon überzeugt, dass im November die Zulassungsverlängerung durchgehen wird. Da geht es ja um Unsummen an Geld – und mit Geld kann man viel bewirken; auch in Brüssel. Der Hersteller sagt zudem: „Wir sind weiterhin von der Sicherheit von Glyphosat überzeugt, das seit fast 50 Jahren (.) erfolgreich eingesetzt wird.“ Erfolgreich heißt aber nicht automatisch auch ohne Gesundheitsschäden. Warum hat der Produzent in den USA Tausende Prozesse von Krebskranken am Hals, die Glyphosat als Verursacher ihrer Krankheit benennen, wo das Zeug doch so harmlos sein soll? Und wenn man sich bei den „Anwendungsinformationen Glyphosat 2019“ die 25 Punkte der „Allgemeinen Anwendungshinweise“ durchliest, kann einem angst und bange werden. Wie lange waren übrigens asbesthaltige Materialien gefragt und beliebt? Plötzlich waren sie dann doch verboten, weil sie krebserregend waren.
Josef Höller, per E-Mail
Erschienen am So, 15.10.2023
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