Das freie Wort

Gewalt an Schulen

Der Bericht vom Mittwoch in der „Krone“ über die Suspendierung eines neunjährigen Mädchens von der Schule macht mich nachdenklich. Auf den Einzelfall kann ich klarerweise nicht eingehen, da mir sämtliche Hintergrundinformationen über die Situation des Kindes fehlen, und ich will nicht vorschnell urteilen, vielleicht gibt es ja auch Aspekte, die die Überreaktion des Kindes einigermaßen verständlich machen (Mobbing oder dgl.). Aber da sich in letzter Zeit solche Berichte häufen, gibt es schon Anlass, sich an seine eigene Schulzeit zu erinnern. Als ich in dem Alter war (1962), verband man Gewalt in der Schule ausnahmslos mit Übergriffen von Lehrern gegenüber den Schülern. Ich war zwar Gott sei Dank nicht selbst betroffen, war aber zumindest Augenzeuge einer „gsunden Watschn“ mit ungesunden Folgen (Trommelfellriss) für das betroffene Kind. Doch mir wäre trotzdem nicht einmal im Traum eingefallen, gegen eine Lehrperson handgreiflich zu werden. Da hat sich anscheinend in den letzten 60 Jahren einiges verschoben in eine Richtung, die so wohl auch nicht gewünscht war. Man hat den Lehrern sukzessive fast alle Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den Schülern genommen. Das ist zwar für die heutigen Schüler fein, aber dass das Pendel jetzt ganz in die Gegenrichtung ausgeschlagen hat, kann auch nicht als befriedigend angesehen werden!

Gerhard Hintermeier, St. Pölten

Erschienen am Fr, 13.10.2023

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