Das freie Wort

Londons Fahrt mit der Achterbahn

Seit seiner beinahe tödlichen Krankheit hat Boris Johnson abgenommen und trainiert am frühen Morgen mit seinem Hund. Er sagt, dass dies der schlimmste Teil des Tages sei, doch auf seinem Schreibtisch warten andere Probleme. Das Vereinigte Königreich muss sich mit der EU über seine zukünftige Handelsbeziehung einigen. Die mag das Vereinigte Königreich davon abhalten, ein potentieller Wettbewerber zu werden. Für viele Tories war das der Grund für den Brexit. Darüber hinaus hat die Pandemie eine verheerende Wirtschaftskrise ausgelöst, und der Spielraum, um Industrie unbürokratisch zu subventionieren, ist wichtiger denn je. Die EU blockt ab: Neben diesem Problem muss die Fischereipolitik gelöst werden, bevor Verhandlungen fortgesetzt werden können. Es droht ein No-Deal-Szenario. Aber die Johnson-Regierung, im Gegensatz zu der von Theresa May, wird von Brexit-Fans angeführt. Ein Mini-Deal wäre für sie akzeptabel. Wenn dieser an komplizierte Regelungen geknüpft ist, ist es aber die Mühe vielleicht nicht wert. Beispielsweise eine eigene Fischereipolitik. Die EU entschied über die Fangquoten. Das ist wichtig für Frankreich. Großbritannien will selbst entscheiden. Das bringt Wähler in Nord-England und Schottland und könnte im Falle eines neuen schottischen Referendums über die Abspaltung von London wichtig sein. Frankreich will keine Änderung, als könnte Präsident Macron, wie einst De Gaulle, „Non“ sagen. Premierminister Johnson fährt Achterbahn. Wo London landen wird, ist ungewiss.

Dr. Melanie Sully ist britische Politologin und Direktorin des in Wien ansässigen Instituts für Go-Governance.,

Erschienen am Sa, 5.9.2020

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