"Ich war mit der Mannschaft im Deutschland-Match trotz des 0:3 zufrieden, deshalb hat es keinen Grund gegeben, viel zu ändern", erklärte Hickersberger. Angesichts der Stärke der Niederländer verzichtet der 59-Jährige darauf, neue Spieler zu testen. "Das ist ein Gegner, gegen den ich mir Spieler nicht anschauen will, weil die Qualität des Gegners keine Experimente zulässt."
Der Teamchef hofft gegen den Europameister von 1988 auf eine Fortsetzung des zuletzt gezeigten Aufwärtstrends. "Ich wäre sehr glücklich, wenn die Mannschaft ähnliche Chancen wie gegen Deutschland herausspielt, und noch glücklicher, wenn wir einige Tore erzielen und die Zuschauer so zufrieden sind wie nach dem Deutschland-Spiel. Das wäre schon das höchste Glücksgefühl."
Stranzl statt Aufhauser im defensiven Mittelfeld
Die Aufstellung gegen die "Oranjes" hat Hickersberger nach eigenen Angaben "schon seit mehreren Tagen" im Kopf. Der Coach deutete an, dass aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Rene Aufhauser Spartak-Moskau-Legionär Martin Stranzl im defensiven zentralen Mittelfeld eingesetzt werden könnte, ließ allerdings offen, wer im Tor stehen wird.
Ein Anwärter ist Jürgen Macho, der sich bei AEK Athen sein Einser-Dress zurückerkämpft hat und wieder dabei ist. Dafür fehlt unter anderem Veli Kavlak, was Hickersberger mit der entscheidenden EM-Quali-Partie des U21-Teams am Mittwoch in Pasching gegen die Slowakei begründete, in der die Nachwuchs-Kicker das Play-off-Ticket lösen könnten. Auch Erwin Hoffer, Andreas Dober oder Franz Schiemer wären laut "Hicke" Optionen für die A-Auswahl gewesen, spielen nun aber bei den Junioren.
Comeback von Routinier Hiden
Dafür kehrt Routinier und Austria-Kärnten-Verteidiger Martin Hiden wieder in die Mannschaft zurück. "Ich habe ihn im Match gegen die Austria beobachtet, da hat er eine ordentliche Leistung gebracht." Auch Markus Weissenberger erhielt wieder das Vertrauen des Teamchefs, "weil er derzeit Stammspieler bei Eintracht Frankfurt ist".
Trotz seines Reservistendaseins in Heerenveen erhielt Thomas Prager eine Nominierung. "Ich weiß, dass er kein Stammspieler ist, auf der anderen Seite kennt er die Spieler der holländischen Liga. Aber er wird sicher nicht von Beginn an spielen", betonte der Niederösterreicher.
Janko "Option für die EM"
Nur auf Abruf scheint Marc Janko auf, hingegen wurde Ham-Kam-Angreifer Roman Kienast einberufen, obwohl die norwegische Meisterschaft noch gar nicht begonnen hat. Hickersberger ließ die Tür für den Salzburg-Stürmer aber offen. "Janko hat im Frühjahr vier Tore geschossen und spielt regelmäßig. Er ist eine Option für die EM."
Chancen für Scharner eher gering
Dies gilt auch für Paul Scharner, allerdings nur in abgeschwächter Form. "Er hat vor zwei Jahren erklärt, er will nicht mehr im Team spielen, weil er dort das Fußballspielen verlerne. Jetzt hat er seine Meinung geändert, aber es ist schwierig, ihn zu integrieren, weil es Spieler gibt, die nicht so vergesslich sind", meinte Hickersberger und wiederholte noch einmal seine Stellungnahme, die er unmittelbar nach seinem Gespräch mit Scharner abgegeben hatte: "Er ist eine Option für die EM, wenn besondere Umstände eintreten. Aber es ist nicht so, dass Scharner die Probleme des österreichischen Fußballs als Einzelperson lösen kann."
Beim Thema Ivica Vastic verwehrte sich der Coach dagegen, dass der Altstar bei 15 Saisontreffern (derzeit hält er bei elf) einberufen werden könnte. "Ich habe nie gesagt, dass er dabei sein wird, wenn er 15 Tore schießt. Das sind Zitate, die mir in den Mund gelegt worden sind."
Katzer darf hoffen
Bessere Chancen als Vastic, noch auf den EURO-Zug aufzuspringen, hat Markus Katzer, auch wenn er diesmal nicht einmal auf Abruf nominiert wurde. "Er hat seinen Kreuzbandriss innerhalb kürzester Zeit überwunden und ist auf einem guten Weg. Aber er ist noch nicht so weit, dass er schon jetzt beim Team dabei sein muss."
Eine ÖFB-Rückkehr für den Rapid-Verteidiger könnte Anfang Mai bevorstehen, wenn die Österreicher auf Sardinien ein fünftägiges Trainingslager absolvieren. Sollte weder Andreas Ivanschitz mit Panathinaikos noch Macho mit AEK griechischer Meister werden, dürfte in Italien kein einziger Legionär mit von der Partie sein.
Trainingslager auf Sardinien
Dafür werden im von Hickersberger wenige Tage vor der letzten Liga-Runde am 26. April nominierten Großkader (das definitive 23-Mann-EM-Aufgebot wird einen Tag nach dem Nigeria-Match am 28. Mai nominiert) viele T-Mobile-Spieler stehen. "Wir werden in Sardinien 18 bis 20 Spieler haben. Mit den Kickern der österreichischen Bundesliga werden wir eine andere Vorbereitung machen als mit den Legionären. Das ist im Moment unser Planungsschwerpunkt", sagte Hickersberger.
Zu den Sardinien-Reisenden könnten auch die Rapidler Stefan Maierhofer und Ümit Korkmaz zählen. "Beide stehen unter Beobachtung. Maierhofer wäre wegen seiner Größe eine Waffe im Katastrophenfall, wenn die Zeit davonläuft und wir mit langen Bällen operieren müssten. Korkmaz macht viel Wirbel, seine Effizienz beim Toreschießen und -vorbereiten ist aber noch verbesserungswürdig."
Kader für das Holland-Match:
Tor: Jürgen Macho (AEK Athen/13 Länderspiele), Alexander Manninger (AC Siena/26), Helge Payer (SK Rapid/14)
Abwehr: György Garics (SSC Napoli/10/1 Tor), Ronald Gercaliu (FK Austria/9), Emanuel Pogatetz (Middlesbrough/24/1), Martin Stranzl (Spartak Moskau/43/2), Martin Hiden (Austria Kärnten/48/1), Sebastian Prödl (Sturm Graz/7)
Mittelfeld: Andreas Ivanschitz (Panathinaikos/36/5), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg/16), Thomas Prager (Heerenveen/13/1), Jürgen Säumel (Sturm Graz/8), Christian Fuchs (Mattersburg/15), Michael Mörz (Mattersburg/12), Joachim Standfest (FK Austria/28/2), Markus Weissenberger (Eintracht Frankfurt/28/1)
Angriff: Roland Linz (SC Braga/29/5), Martin Harnik (Werder Bremen/6/1), Roman Kienast (Ham-Kam/5)
Auf Abruf: Christian Gratzei (Sturm Graz/0) - Andreas Ibertsberger (Hoffenheim/12/1), Marc Janko (Red Bull Salzburg/2), Jürgen Patocka (SK Rapid/2), Klaus Salmutter (Sturm Graz/4)
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