Fr, 20. Juli 2018

¿Rattenkind¿

26.10.2007 20:23

Poesie am Rande der Müllhalde

Es hat eine wilde Frisur, einen verdreckten Pullover und ist Experte, was Müllhalden betrifft: das „Rattenkind“. Es stammt aus der Feder der preisgekrönten niederländischen Autorin Suzanne van Lohuizen. Das gleichnamige Kindertheaterstück erlebte im Linzer Theater u\hof: seine heftig beklatschte Erstaufführung.

Drei „Bagladys“ kriechen aus ihren improvisierten Behausungen, die sich irgendwo in einem U-Bahn-Schacht befinden. Sie besitzen Müll, essen Ratten und sehnen sich nach einem Stück Zukunft. Und das bringt ihnen das Schicksal in einer Plastiktasche. Darin ein Baby. Die eine will es verkaufen, die andere essen, und die dritte wollte immer schon Mutter sein. So kommt es, dass das weggelegte Kind dort bleiben darf, wo es sein muss, nämlich am Rand einer Abfallgesellschaft, die nur die halbe Welt ist. Denn als das Kind groß geworden ist und lesen kann, weiß es, dass es noch mehr zu entdecken gibt…

Das Stück setzt nicht nur drei mächtige Fabelgestalten - die alten „Hexen“ - in ein gegenwärtiges Umfeld, in dem sie ihre Tücke behaupten müssen. Es beschwört auch mit einiger Poesie das Erwachsenwerden. Regisseur John F. Kutil macht daraus ein ebenso poetisches wie lustiges Märchen, großen Anteil daran nimmt die faszinierende, mit viel Liebe zum Detail entwickelte Bühnen- und Kostümlösung von Michaela Mandel ein.

Daniela Dett ist eine materiell orientierte alte Dame, Matthias Hacker gibt als wirklich böse Alte Kontra. Doch erst die herzensgute, aber nicht ganz uneigennützige Liebe von der dritten Dame, die Daniel Ruben Rüb fein modelliert, macht das Trio komplett. Nora Dirisamer ist das wilde, struppige und vife Rattenkind. Heftiger Beifall  im Keller!

 

 

Foto: Brachwitz

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