Trotz Niederlage

Teamchef Hickersberger macht weiter

Fußball
13.09.2007 14:23
Teamchef Josef Hickersberger hat am Mittwoch Spekulationen beendet, er würde seinen Job als Coach der österreichischen Nationalelf hinschmeißen. Er bleibe Trainer, gab der 59-Jährige im Rahmen einer ÖFB-Pressekonferenz bekannt. Nach der peinlichen 0:2-Niederlage gegen Chile hatte "Hicke" am Dienstagabend angeschlagen gewirkt, nachdem "Hickersberger raus"-Rufe durch das schütter besetzte Oval im Wiener Prater gehallt waren. Stimm auf Krone.at ab: Soll Hickersberger gehen? Falls ja: Wer soll das ÖFB-Team dann zur EM führen? Und: Sollen - wie viele Fans fordern - gar die Helden der U20-WM ran?

"Durch das ORF-Interview nach dem Spiel ist leider der Eindruck entstanden, ich wäre bereit, zurückzutreten. Dem ist nicht so", betonte der Niederösterreicher am Mittwoch im Rahmen der Pressekonferenz in Wien.

Hickersberger: "Thema kein Thema"
"Hicke" ließ trotz der schlechten Leistungen in den jüngsten beiden Testspielen im Rahmen des "Turniers der Kontinente" keinen Zweifel daran, die ÖFB-Auswahl zur Heim-Europameisterschaft 2008 führen zu wollen. "Ich bin schon durch stürmischere Gewässer gesegelt und weiß, wo es langgeht. Für mich ist dieses Thema kein Thema", sagte der 59-Jährige und wies im Hinblick auf die "Hicke raus"-Sprechchöre darauf hin, dass ihm bereits in seiner Anfangszeit als Rapid-Trainer große Skepsis entgegen gebracht worden war.

Für das Verhalten der Zuschauer zeigte Hickersberger ("Solche Spiele gehen auf meinen Gesundheitszustand, aber ich überprüfe ständig meinen Blutdruck") Verständnis. "Die Unterstützung des Publikums war wirklich gut. Dass es nach 70, 80 Minuten, wenn sich die Niederlage abzeichnet, zu Pfiffen und 'Hicke raus'-Rufen kommt, ist normal."

Einigen Kickern die Rute ins Fenster gestellt
Von seinen eigenen Spielern fühlt sich der Coach nicht im Stich gelassen. "Ich bin ein Mensch, der viel Geduld besitzt, aber ich lasse mich auch nicht ausnützen." Dies sei aber bisher auch nicht der Fall gewesen, so Hickersberger. Dennoch stellte er einigen seiner Akteure die Rute ins Fenster. "Wenn der eine oder andere glaubt, er ist sicher bei der EURO dabei, dann ist es nicht so, dass dies der Fall sein muss."

Auf detaillierte Einzelkritik verzichtete Hickersberger diesmal, gab aber zu, "dass Leitgeb und Aufhauser derzeit nicht in Hochform sind". Den linken Außenverteidiger Fuchs nahmen sowohl der Teamchef ("Er hat gegen einen sehr starken Gegner gespielt") als auch sein Assistent Andreas Herzog ("Für ihn war es schwierig, weil er gegen bessere Spieler als in der Bundesliga und in einem anderen System und auf einer anderen Position als in seinem Club gespielt hat") in Schutz.

Für das Verhalten von Prager nach dessen Auswechslung hatte Hickersberger schon weniger Verständnis, weil der Heerenveen-Reservist sofort in die Kabine marschierte. "Das macht nicht einmal ein Ronaldinho", vermutete der Niederösterreicher.

Assistent Herzog: "Einige werden sich wundern"
Deutliche Worte zur Leistung einzelner Akteure fand Assistent Andreas Herzog. "Jetzt ist die Frage, wer will besser werden oder wer glaubt, dass er ohnehin schon gut ist. Da werden sich sicher einige wundern, wenn sie bei der EM vor dem Fernseher sitzen."

Allzu viele personelle Alternativen bleiben Hickersberger und Herzog mit Ausnahme der verletzten Spieler freilich nicht, zumal er auch nach wie vor nicht auf arrivierte Kicker zurückgreifen will. "Jetzt ältere Spieler einzuberufen, wäre eine Änderung des eingeschlagenen Weges. Es wäre besser, Harnik einzuberufen als jetzt zum Beispiel Vastic und Mayrleb zu bringen. Es bringt den österreichischen Fußball nicht weiter, schon neun Monate vor der EM auf Notlösungen zu setzen", sagte der Niederösterreicher.

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