18.05.2007 16:39 |

DVB-T am PC

Neun DVB-T-Empfänger im Test

Der wohl größte Vorteil des neuen digitalen Antennenfernsehens ist seine stark verbesserte Empfangsqualität. In vielen Gegenden Österreichs ist es mittlerweile möglich, Fernsehen auch unterwegs am Laptop zu genießen. Benötigt werden dazu nur ein geeigneter Empfänger und ein kleine Antenne. Die so genannten "DVB-T-Sticks", die an der USB-Schnittstelle eines Rechners angeschlossen werden, können sogar viel mehr als "nur" Fernsehen: Sendungen aufnehmen, Pausenfunktion beim Live-TV, und, und, und. Krone.at hat neun Geräte für PC und Apple Mac, darunter auch eine Express-Card, getestet. Die Resultate sprechen klar für die kleinen TV-Empfänger.

Mitgelieferte Windows-Software und Installation: Sieger Pinnacle
Wer DVB-T-Sticks unter Windows Vista benützt, macht sich dank des integrierten Media Centers (mehr Infos weiter unten) wohl keine Gedanken um die richtige Software. Für Benutzer von Windows XP stellt sich die Frage aber sehr wohl.

Die Installation dauert bei Hauppauge am längsten, dann kommt Pinnacle und dicht dahinter Terratec. Da es ein einmaliger Prozess ist, kann man über die Wichtigkeit der Performance streiten, allerdings kann einem bei der Installation der Hauppauge-Software, die je nach Modell aus bis zu zehn Einzelprogrammen bestehen kann, leicht ein Fehler unterlaufen, der die Zeit bis zum ersten flüssigen TV-Bild unterträglich lang machen kann. Der Hauppauge-Installer spielt zwar automatisch jedes Programm hintereinander auf die Festplatte, jedoch braucht es einen Haufen Bestätigungsklicks und davor schon ein paar zu aktivierende Häkchen. Kurz: Es ist ziemlich umständlich.

Ist das Programm erst einmal installiert, fühlt man sich bei Terratec und Pinnacle auf Anhieb wohl. Am besten gefällt das Pinnacle Interface, das dem Windows Media Player 11 nachempfunden ist, und keine Rätsel aufgibt. Terratec setzt ebenfalls auf Übersichtlichkeit. Hauppauges WinTV2000 ist (wie die Zahl dahinter schon sagt) etwas zu angestaubt. Alles funktioniert, allerdings ist das pechschwarze Interface mit den kaum zu identifizierenden Buttons umständlich konstruiert und sieht einfach nicht mehr zeitgemäß aus. Zudem braucht die WinTV-Software beim automatischen Umstellen von 4:3 auf 16:9 immer eine Schreckenssekunde länger als die anderne Geräte.

Die Setup-Menüs sind bei allen drei Anbietern relativ kompliziert, vor allem, was die Bildeinstellungen anbelangt. Man macht sich nicht die Mühe, Begriffe wie de-interlaced, Samplingraten und dergleichen in selbsterklärende Pakete zu verpacken, auch sind keine Presets für die Bildparameter wie etwa Film, Sport oder dergleichen abrufbar. Wer das Bild verbessern will, muss Bedienungsanleitungen durchackern.

Sendersuchlauf generell: Sieger Terratec
Zeit ist Geld, auch beim Sendersuchlauf. Hier packt Terratec sowohl auf Windows als auch bei den Macintosh-Modellen die anderen beiden mit links. Zwischen drei und vier Minuten wartet man, bis die vier in Wien empfangbaren DVB-T-Sender (ORF1, ATV und je ein ORF2 für Niederösterreich und Wien) gespeichert sind. Etwas langsamer, aber mit durchschnittlich sechs Minuten (der Diversity-Stick NOVA-TD brauchte etwas länger) immer noch gut dabei, ist Hauppauge. Die Pinnacle-Modelle für Windows brauchen selbst im Scan-Modus "schnell" gut 12 bis 15 Minuten. Den Scanlauf mit dem Paradigma "Beste Qualität" haben wir dann nach etwa zwanzig Minuten und einer Kaffeepause abgebrochen. Beim Mac-Modell von Pinnacle (das liegt wohl an der EyeTV-Software) dauerte der Suchlauf weniger als fünf Minuten.

Bildqualität DVB-T unter Windows: Sieger Pinnacle
Auch wenn die beiden Pinnacle-Empfänger für Windows-Rechner beim Sendersuchlauf patzten, in Sachen Bildqualität sind sie den anderen überlegen - wenn auch nur minimal. Aber die Pinnacle Software kitzelt anscheinend die letzten Reserven aus dem TV-Signal, das Empfangsteil, vor allem das, des teureren Flash Sticks dürfte aber auch nicht von schlechten Eltern sein, da unter Vista Media Center ebenfalls die beiden Pinnacle-Sticks die besseren waren. Der Unterschied zwischen Hauppauge und Terratec ist minimal bis gar nicht erkennbar. Auch unter den drei Hauppauge-Geräten nicht. Geräte beider Marken neigen bei Signalschwankungen aber zum Aliasing, was bei Pinnacle erst viel später passiert. Das TV-Bild ist aber bei allen angenehm glatt und mit zwei bis drei Metern Sichtabstand zum Bildschirm zufriedenstellend.

Kompatibilität Vista Media Center: Sieger Hauppauge
Die beste Figur im Windows Media Center machen die Hauppauge-Sticks. Unter Vista ist das etwas in die Jahre gekommene WinTV2000 quasi unnötig, denn mit der mitgelieferten Fernbedienung lassen sich alle Funktionen der Windows-Software einwandfrei bedienen. Falls nötig, kann die Fernbedienung aber auch die Hauppauge-Software ansteuern. Die Bildqualität bei den Hauppauge-Sticks ist im Media Center dem subjektiven Eindruck nach sogar besser als bei WinTV2000. Einzig beim Diversity-Stick muss man auf das Software-Extra für die zwei Antennen verzichten. Eine bessere Die Bildqualität (siehe oben) war aber beim Doppelmodell ohnehin nicht zu erkennen.

Die Pinnacle-Steckerl funktionieren ebenfalls mit Vista Media Center. Jedoch lässt sich die Anwendung im Unterschied zu den Hauppauge-Geräten nicht mit der Fernbedienung aktivieren, sprich man muss das Media Center noch per Maus einschalten. Der günstige Terratec-Stick ist ebenfalls Media-Center-kompatibel und liefert genau wie die Kollegen ein gutes Bild, jedoch bringt die fehlende Fernbedienung Abschläge.

Performance am Mac: Sieger Terratec
Sowohl Pinnacle als auch Terratec (Hauppauge hat keine DVB-T-Empfänger für die Macintosh-Plattform im Programm) verkaufen ihre Mac-Modelle mit der Software EyeTV von Elgato, die nur Mac-Usern vorbehalten ist. Schade, denn Angesichts des tollen Interface, der kinderleichten Konfiguration und der ausgezeichneten Aufnahme- und Kompressionsmöglichkeiten (Aufnahmen lassen sich auf Knopfdruck im iPod-Format exportieren bzw. auf DVD oder Video-CD brennen) würde man sich die Software auch gern am Windows-PC wünschen. Besser als die eigenen Produkte von Terratec, Pinnacle und vor allem Hauppauge ist EyeTV allemal.

Die beste Figur auf unserem Test-MacBook Pro machte die Terratec-Karte. Unkomplizierte Handhabung und der beste Empfang von allen Geräten. Der Terratec-Stick lieferte eine ähnliche Vorlage, die EyeTV-Software braucht aber einen Tick länger beim automatischen Start. Auch bei Pinnacle war die Bildqualität hervorragend, der Stick zog aus einem ganz anderen Grund den Kürzeren: Bei unserem Testgerät verminderte sich die Bildqualität, wenn alle drei USB-Ports des 17-Zoll-MacBooks mit Geräten mit höherem Stromverbrauch (iPod, Kartenleser, Festplatte...) belegt waren. Mit einer externen Festplatte am Firewire-800-Port produzierte der Stick ebenfalls kleine Störungslinien im Bild. Das Problem kann gut und gerne an der Konstruktion des Apple-Laptops liegen, beim Terratec-Stick gab es solche Störungen jedoch nicht. Es stellt sich auch die Frage, wie oft man beim Fernsehen mit iPod und Digitalkamer gleichzeitig arbeitet.

Fazit: Entscheidung reine Prestigefrage
Aufgrund der marginalen Unterschiede in Sachen Bildqualität, fällt es schwer, sich für einen eindeutigen Testsieger zu entscheiden. Sie waren alle gut, es gab trotz der relativ geringen Kaufpreise keine Verarbeitungsmängel. Und: Vergleicht man den beim Bild etwas besseren Pinnacle FlashStick mit den preisgünstigeren Hauppauge-Modellen, so relativiert der Preisvorteil den kleinen Vorsprung wieder. 

Windows-XP-Benutzer sollten sich hauptsächlich an die Software halten, die wohl der wichtigste Bestandteil ist. Bei Vista ist es dank des Software-mäßig vorzuziehenden Media Centers fast schon "wurscht", für welchen Stick man sich entscheidet. Angesichts der guten Performane der Terratec-Karte sollten Desktop-PC-Benützer aber auch PCI-Karten für den Fixeinbau begutachten, die von Haus aus für bessere Bildqualität bürgen.

Wichtiges Kriterium kann auch die Fernbedienung sein - dass Terratec seinen Geräten überhaupt keine spendiert, kommt fast schon etwas knausrig rüber. Am Mac macht hauptsächlich Elgatos EyeTV das Fernsehen zur Freude. Benutzer von MacBook Pros sollten sich vorher nach den rätselhaften Interferenzen am USB-Hub erkundigen, wer ein 17-Zoll-Gerät mit Expresskartenslot besitzt, sollte aber ernsthaft die Karten begutachten, da sie beim mobilen Arbeiten bzw. Fernsehen das Gerät nicht unnötig breiter machen, weil sie eben nicht abstehen. 

Im Großen und Ganzen überzeugen die DVB-T-Empfänger für PC und Mac - vor allem bei, Einsatz mit tragbaren Computern. Angesichts der Umstände, die die Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen bisher gemadem bei kleinen grünen sprechenden Fernsehern in der Werbung noch immer sauer aufstößt...

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