Mo, 23. Juli 2018

Wer kann Kanzler?

28.09.2017 14:55

Kandidaten-Check: Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Diesmal in unserem Persönlichkeits-Check: der Führungsstil der Spitzenkandidaten. Welcher Kanzler-Anwärter verfolgt die eigenen Ziele und welcher verhält sich kooperativ? Teil vier unseres großen Persönlichkeits-Checks.

Eine Eigenschaft ist den österreichischen Wählern bei ihrem künftigen Kanzler am wichtigsten: Anstatt ständig zu streiten, soll der ideale Regierungschef auch kooperationswillig sein. Die Mehrheit der Österreicher wünscht sich laut IMAS-Umfrage einen kooperativen Kanzler.

Wir garantieren Objektivität!
Im Zuge unserer Serie "Wer kann Kanzler" prüften Psychologen die Spitzenkandidaten auch auf diese Qualität. Gemeinsam mit der renommierten Beraterfirma HILL baten wir die Spitzenkandidaten zum wissenschaftlich fundierten objektiven Persönlichkeits-Check. Die anonymisierten Daten wurden von Wirtschaftspsychologe Othmar Hill ausgewertet. Notar Georg Schreiber beglaubigt die anonyme und damit objektive Beurteilung. Und Politologe Peter Filzmaier interpretiert das Ergebnis aus politischer Perspektive.

Top-Beraterfirma

Die Experten nahmen letztlich fünf der großen Sechs unter die Lupe. Zu Christian Kern (SPÖ) gibt es leider keine Auswertung, nachdem er den Test völlig überraschend abgebrochen hat, "weil das ein lächerlicher Gag" sei. Schade, Herr Bundeskanzler, dass Sie den "Krone"-Lesern nicht zeigen wollen, wie Sie ticken.

Die Ergebnisse der Spitzenkandidaten
Die detaillierten Ergebnisse der weiteren Spitzenkandidaten finden Sie im Folgenden - und sein Resultat dürfte für Heinz-Christian Strache ein wenig problematisch werden, analysiert Politologe Peter Filzmaier: Zwar weise Strache kooperative Züge auf, als Oppositionspolitiker müsste er der SPÖ und der ÖVP jedoch eher kompromisslos gegenübertreten. Nur so könne er den Wählern die blaue Strategie glaubhaft verkaufen.

Peter Pilz: Inspirierend umsetzen

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Dieser Kandidat geht den eigenen Weg: Leadership und besonderer Leistungsanspruch führen zu Umsetzungserfolgen.
  • Analyse Hill: Peter Pilz inspiriert andere durch seine Begeisterungsfähigkeit zu guten Leistungen. Dabei überfordert er aber eventuell jene, die nicht die gleiche Dynamik mitbringen. Menschen um ihn werden nicht immer optimal "mitgenommen".
  • Analyse Filzmaier: Leadership ist für Peter Pilz ein zweischneidiges Analyseergebnis. Vermutlich wird er ja nicht führen, sondern bestenfalls in Opposition sein. Kooperativ muss er sich da zeigen, weil es bereits für einen Untersuchungsausschuss auch Abgeordneter anderer Parteien bedarf. Bei den Eurofightern hat er als Noch-Grüner mit der FPÖ zusammengearbeitet.

Ulrike Lunacek: Überzeugen statt führen

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Die Kandidatin verfolgt eher eigene Ziele und hat hohe Erfolgsansprüche. Sie kann kooperieren, weicht aber wenig von der eigenen Positionierung ab.
  • Analyse Hill: Ulrike Lunacek kann Ideen besser verkaufen als "klassisch" führen. Sie nimmt sich mitunter zu viel vor. Obwohl sie ihr Verhalten reflektiert, kommt sie bei ihrem Gegenüber manchmal ziemlich kantig rüber.
  • Analyse Filzmaier: Führung und Grüne - das ist irgendwie ein Widerspruch in sich. Die Partei will lieber eine Basisdemokratie. Also ist es gut, wenn Ulrike Lunacek auf Überzeugen statt Drüberfahren setzt. Der Nachteil ist, dass Entscheidungsprozesse oft langsam bis unmöglich werden. Ihr Vorteil dabei wäre, dass sie in den eigenen Reihen als Person nicht polarisiert.

Sebastian Kurz: Führt geschickt

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Dieser Kandidat präsentiert sich als typische Leitfigur. Allerdings ist er nicht unbedingt eine moderne Führungspersönlichkeit mit eigenen Vorstellungen.
  • Analyse Hill: Sebastian Kurz handelt so proaktiv und menschlich geschickt, dass eine mitreißende Stimmung entsteht und zum Mitmachen motiviert. Die eigene Leistungsmotivation ist nur mittelmäßig ausgeprägt.
  • Analyse Filzmaier: Führungskompetenz, Entscheidungsstärke und Durchsetzungskraft gelten als Haupteigenschaften, die Regierungschefs brauchen. Sebastian Kurz will ein solcher werden, nur hat er als Bundeskanzler laut Verfassung keinerlei Weisungsrecht. Demzufolge müsste er sich in der Tat darauf verlassen, mit Stimmungsmache andere mitreißen zu können.

Matthias Strolz: Teamfähig

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Dieser Kandidat besitzt eine kooperative Haltung mit gewissen Führungseigenschaften und einer mittleren Leistungsmotivation.
  • Analyse Hill: Matthias Strolz beharrt nicht stur auf seine Ansprüche, die Zusammenarbeit mit ihm ist angenehm. Seine Eigenschaften sind sehr förderlich in der Rolle als Junior-Partner mit jemand stark Profiliertem an der Spitze.
  • Analyse Filzmaier: Vordergründig passt das Persönlichkeitsprofil für Strolz zu einem kleineren Koalitionspartner. Mit Führungsanspruch, aber nicht extrem in den Vordergrund drängend. Dafür müsste Strolz freilich ruhiger auftreten. Sein Hauptproblem aber: Ein wirklich wahrscheinliches Szenario für den Weg seiner Neos in die Regierung gibt es nicht.

Heinz-Christian Strache: Kooperativ und vorbildhaft

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Dieser Kandidat beweist einen starken "Zug aufs Tor". Er sieht sich als typische Leitfigur mit Vorbildwirkung, nimmt aber gleichzeitig eine kooperative Haltung ein.
  • Analyse Hill: Heinz-Christian Strache entspricht weitgehend den klassischen Führungsanforderungen. Das Talent zur (Selbst-)Vermarktung und der Wunsch nach Erfolg kennzeichnen ihn. Manchmal wäre es besser für ihn, ein wenig kürzer zu treten und sich zu besinnen.
  • Analyse Filzmaier: Der Chef der größten Oppositionspartei als kooperativster Kandidat - das ist für Strache ein verblüffender und heikler Befund. In Koalitionsverhandlungen und einer Regierung würde es ihm helfen, aber im Wahlkampf? Wenn er nicht als derjenige auftritt, welcher SPÖ und ÖVP kompromisslos kritisiert, kann die FPÖ ihre Strategiepläne wegwerfen.

Alexandra Halouska und Patrick Warger, Kronen Zeitung/kal

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