Mi, 19. September 2018

Bundestagswahl

22.09.2017 06:00

Schulz und SPD abgeschlagen hinter Merkel

Wenige Tage vor der deutschen Bundestagswahl sehen Umfragen die amtierende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits als ungefährdete Siegerin. Ihr Kontrahent Martin Schulz (SPD) verpasst es auch auf den letzten Metern, die Prognosen in seine Richtung zu verbessern. Letzte Hoffnung geben ihm allerdings Beispiele aus jüngster Vergangenheit: Donald Trump und der Brexit.

Als Martin Schulz Anfang des Jahres als SPD-Kanzlerkandidat vorgestellt und wenige Wochen später mit 100 Prozent Ja-Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, war eine gewisse Aufbruchsstimmung in Deutschland zu spüren. Das lässt sich auch heute noch gut an den damaligen Umfragewerten ablesen. Mitte März zog die SPD in der "Sonntagsfrage" sogar für wenige Tage mit der CDU gleich - seitdem geht es für die Herausforderer allerdings stetig bergab. Aktuelle Umfragen prognostizieren einen klaren Wahlsieg für die Union um Angela Merkel, die bereits seit 2005 im Amt ist. Selbst die Flüchtlingskrise, die Deutschland seit 2015 elektrisiert und teilweise spaltet, scheint die Kanzlerin nahezu unbeschadet überstanden zu haben.

Umfragewerte als Fehlerquelle
Dass Umfragen aber stets fehlerbehaftet sind und nicht immer den genauen Querschnitt einer Bevölkerung abbilden, zeigen zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit deutlich. Zum einen wäre da Donald Trumps spektakulärer Wahlsieg in den USA, an den im Vorfeld kaum jemand glaubte - am wenigsten die Meinungsforschungsinstitute selbst. Und auch mit dem Brexit rechneten weder Experten noch Laien - bis zum schicksalhaften Wahltag. Gerade in Großbritannien selbst gibt es aber noch eine zweite, dort durchaus renommierte Quelle für Prognosen: Wettbüros.

Und auch in Deutschland lässt sich anhand der Quoten erkennen, wie die Buchmacher den Wahlausgang vorhersagen. Bei einem richtigen Tipp auf Martin Schulz als nächsten Bundeskanzler gäbe es bei manchen Anbietern gar fast das Zwanzigfache des Einsatzes zurück. Das Online-Portal Interwetten hat darüber hinaus aufgrund bereits abgegebener Wetten seiner Kunden ermittelt, wie das Ergebnis am Sonntag aussehen könnte. Für Herausforderer Schulz geben diese Zahlen zumindest ein wenig Hoffnung: Laut den Werten kommt seine Partei immerhin auf knapp 25 Prozentpunkte. Die Union liegt aber auch hier meilenweit vorne und kratzt an der 40-Prozent-Marke, die sie bei den Wahlen vor vier Jahren sogar überschreiten konnte.

Schulz kämpft bis zur letzten Sekunde
Mangelnde Kampfbereitschaft kann man Schulz indes nicht vorwerfen. Er ackert sich seit Jahresbeginn von Termin zu Termin und musste dennoch mit ansehen, wie seine Umfrage- und Beliebtheitswerte immer weiter in den Keller gingen. Auch das kürzlich ausgetragene TV-Duell, das in Deutschland nur einmal im direkten Schlagabtausch der Hauptkontrahenten stattfindet, konnte Schulz nicht wirklich für sich nutzen. Deshalb ergriff er wenig später die Möglichkeit bei einem anderen Live-Auftritt, um Merkel zu einer "Revanche" herauszufordern. Sie ließ ihn - ganz siegessicher - jedoch abblitzen. Ein weiterer Rückschlag für Schulz.

CDU und SPD wollen erneute große Koalition vermeiden
Ein gemeinsames Ziel verfolgen Merkel und Schulz dennoch: Beide wollen die Fortsetzung der großen Koalition, den Zusammenschluss von CDU und SPD, unbedingt verhindern. Deshalb rücken nun auch mehr und mehr die kleinen Parteien in den Vordergrund. Die Union wird am Sonntagabend wohl ganz genau auf das Ergebnis der FDP schielen, die unter Parteichef Christian Lindner einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt hat und als möglicher Koalitionspartner der CDU gilt. Aufseiten der SPD rückt eine Regierungsbeteiligung abseits der "GroKo" immer weiter in die Ferne. Das liegt auch daran, dass die Grünen und die Linken schwächeln. Die rechtsgerichtete AfD wird hingegen aller Voraussicht nach das erste Mal in den Bundestag einziehen.

 krone.at
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