19.04.2017 17:37 |

Gutachten liegt vor

Leiche vor Vösendorfer Disco: 17-Jähriger erstickt

Der rätselhafte Tod eines 17-Jährigen, dessen Leiche in der Nacht auf den 12. Februar vor einer Diskothek im niederösterreichischen Vösendorf gefunden wurde, ist nun aufgeklärt. Das Obduktionsgutachten kam zu dem Ergebnis, dass der an einer Asthmaerkrankung leidende Jugendliche im Zusammenwirken einer Alkohol- und Suchtmittelbeeinträchtigung an einem akuten Atemnotanfall gestorben ist, also letztlich erstickte. Verletzungen aus einer Schlägerei an diesem Abend waren demnach nicht für den Tod verantwortlich.

Gerichtsmediziner Wolfgang Denk hält in seinem nunmehr vorliegenden Obduktionsgutachten fest, dass äußere Verletzungen an der Leiche von einem Sturz des 17-Jährigen nach einer tätlichen Auseinandersetzung herrühren dürften. "Diese Verletzungen waren aber keinesfalls todesursächlich", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl.

Nahm Spray gegen chronische Bronchitis und Droge MDMA
Eine chemische Untersuchung der Blut- und Harnproben aus der Leiche ergab, dass der 17-Jährige vor seinem Ableben den Wirkstoff Salbutamol - ein Spray, der bei Asthma Bronchiale oder chronischer Bronchitis verschrieben wird - und geringe Mengen an Suchtmitteln konsumiert hatte.

Der vom Gerichtsmediziner beigezogene Chemiker Günter Gmeiner geht davon aus, dass der junge Bursch zeitnahe eine Konsumeinheit MDMA - sprich: eine Ecstacsy-Tablette - eingenommen und einige Zeit davor Cannabis geraucht hatte. Diese Substanzen dürften bei dem Burschen allerdings keine große Wirkung entfaltet haben. Von einer THC-bedingten Beeinträchtigung sei "nicht zwingend auszugehen", so Gmeiner.

Akuter Atemnotfall bewirkte Atem- und Kreislaufversagen
Demgegenüber war der Bursch stark alkoholisiert. Im Blut ließ sich noch ein Wert von 1,81 Promille nachweisen. Ausschlaggebend für den unmittelbaren Todeseintritt dürfte ein akuter Atemnotanfall "bei vorbestehenden, asthmatisch-entzündlichen Veränderungen der Atemwege" gewesen sein, wie der Gerichtsmediziner in seiner Expertise darlegt.

Verkettung unglücklicher Umstände
"Ein Erregungszustand im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung kann das Auftreten eines Atemnotanfalls begünstigt und die Kreislaufbelastung nach Einnahme zentral stimulierender Medikamente weiter gesteigert, somit zum Todeseintritt beigetragen haben", bemerkt Denk. Demnach wäre davon auszugehen, dass letztlich eine Verkettung unglücklicher Umstände den 17-Jährigen das Leben gekostet hat.

In Prügelei vor Disco verwickelt
Der 17-Jährige war auf dem Weg von der Disco zur Bushaltestelle in eine Auseinandersetzung mit anderen Jugendlichen geraten. Er wurde von einem 1,95 Meter großen, kräftigen 19-Jährigen niedergeschlagen, nachdem er dessen Freundin beschimpft und nach dessen Bruder getreten hatte.

Die Polizei konnte den Verdächtigen ausforschen. Ihm seien "die Sicherungen durchgebrannt", gab der 19-Jährige in seiner ersten Einvernahme am 1. März zu Protokoll. "Gegen den Verdächtigen wurden inzwischen Ermittlungen wegen Körperverletzung und Raufhandels eingeleitet", sagte Habitzl. Verantwortlich für den Tod des 17-Jährigen wird der junge Mann aus derzeitiger Sicht nicht gemacht.

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