17.03.2006 13:49 |

Roter Planet

Österreichs Mars-Crew ist startklar

Wenn morgen von der Erde aus eine bemannte Mission zum Roten Planeten aufbrechen müsste: Österreich wäre startklar! In monatelangen harten Ausscheidungen und Ausbildungen wurde ein Team ermittelt, das den Bedingungen auf dem Mars trotzen würde - und wird! Im Mai, bei einer spektakulären Simulation in der Wüste von Utah.

Wenn am 8. April 2006 die Sonne über der Marswüste aufgeht, wird ein sechsköpfiges Team von Österreichern in Raumanzügen mithilfe von Satelliten-Koordination zu Fuß auf der Suche nach dem kleinen, zylinderförmigen Wohncontainer sein, den eine unbemannte Rakete im Vorfeld mit Forschungsgeräten und haltbaren Lebensmitteln bestückt, auf dem Roten Planeten abgesetzt hat. Sie selbst sind zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Raumkapsel sechs Monate lang von der Erde zum Mars gereist. Und es ist die erste Mission von Menschen auf einen unserer Nachbarplaneten. Soweit das Simulationsszenario, das in einem menschenleeren, marsähnlichen Teil der Wüste des US-Staats Utah beginnen wird.

Aus 182 Bewerbern wurden österreichweit seit vergangenem Herbst mit Hilfe von Uni-Instituten, Rotem Kreuz und Bergrettung in aufwändigen Verfahren sechs Kandidaten (und drei Ersatzleute) ausgewählt, die geeignet sind, an diesem Projekt der internationalen "Mars Society" teilzunehmen. Die Crew-Mitglieder sind zwischen 24 und 40 Jahre alt und bestreiten im bürgerlichen Leben Berufe wie Hubschrauberpilot, Ziviltechniker und sogar Croupier im Casino.

Proben für den Ernstfall
Die sechs verbliebenen Austromars-Teilnehmer werden nun zwei Wochen lang abgeschottet und auf sich allein gestellt in und um ihren Wüstencontainer Marssituationen erproben, die bei einer zukünftigen, echten Mission zum Roten Planeten auftreten könnten: Notfall-Bergungen mit Verletzten nach verunglückten Mars-Ausflügen ins Gelände werden genauso ausprobiert wie die Untersuchung von Laborproben, der Totalausfall von Computern und anderen wichtigen Geräten (und deren Reparaturmöglichkeiten) im Habitat und die Vermeidung von gefährlichem "Marsstaub" im Wohnbehälter.

Nächtliche Unruhestifter
Wobei die Backup-Crew als "nächtliche Mars-Geister" immer wieder neue, unerwartete Situationen erfinden wird, die die sechs "Astronauten" unter realistischen Bedingungen zu bewältigen haben. Da zum Beispiel auch die Marsanzüge der sogenannten "Analog-Astronauten" lebensnah konstruiert sind, und Atemluft von außen in die luftdicht abgeschlossenen Helme gepumpt wird, kann es allerdings auch zu echten Notfällen kommen.

"Alarmcode 1000"
Denn, sollte die Luftpumpe in der Wüstenhitze von Utah einmal ausfallen, heißt es schnell zu reagieren, da das Abschrauben des Helms allein schon eine gute Minute dauert. In einem solchen Fall - und nur dann - wird der sogenannte "Alarmcode 1000" über Funk ausgerufen, der zum sofortigen Abbruch der Mission führt...

Text: Tobias Micke, Kronen Zeitung
Foto: Österreichisches Weltraum Forum (Fotos: A. Köhler)

Samstag, 15. Mai 2021
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