In ihren Welthits hatten sie Freundschaft und Zusammenhalt zu ihrem Markenzeichen gemacht. Doch am 22. Oktober 2001 schlug ein Bericht von „The Sun“ ein wie eine Bombe: Die Spice Girls, von denen noch vier übrig waren, sprechen nicht mehr miteinander, hieß es.
Eine offizielle Erklärung zum Ende der Girlgroup gab es nie – angeblich, weil sich die Sängerinnen nicht einmal mehr darauf einigen konnten. Comeback-Gerüchte halten sich hartnäckig.
„Wannabe“ ging durch die Decke
Mit einer der bekanntesten Pop-Hymnen der Geschichte, „Wannabe“, wurden die Spice Girls im Jahr 1996 weltbekannt. Geschaffen als Gegenstück zu den vielen damaligen Boybands, legten „Sporty Spice“ (Mel C), „Scary Spice“ (Mel B), „Baby Spice“ (Emma Bunton), „Ginger Spice“ (Geri Halliwell) und „Posh Spice“ (Victoria Beckham) eine beachtliche Karriere hin. Bis heute beliebt sind neben „Wannabe“ Songs wie „Spice Up Your Life“ und „Viva Forever“.
Entsprechend schockiert fielen die Reaktionen aus, als „Ginger Spice“ 1998 die Gruppe verließ und die Auflösung der Band ins Rollen gebracht wurde. Seither gehen die fünf Frauen bis auf wenige gemeinsame Auftritte durchaus erfolgreich ihrer eigenen Wege.

Bis heute in den Charts
Begonnen hatte alles mit einer Anzeige für ein Vorsingen in den Londoner Danceworks-Studios. Am 4. März 1994 waren dieser Hunderte junge Frauen gefolgt. Drei der Musikerinnen wurden damals schon für die Band ausgesucht – Victoria, Mel B und Geri. Mel C und Emma kamen über Umwege dazu.
Es folgte eine steile Karriere, in deren Verlauf die Girlgroup mit ihren unterschiedlichen Charakteren, schrillen Outfits und Ohrwurm-Hits die Popkultur der späten 90er-Jahre prägte. Spürbar ist das bis heute: Zum 30-jährigen Jubiläum der Gründung der Band druckte die britische Post 2024 Sonderbriefmarken. Als „Wannabe“ zuletzt 30 Jahre alt wurde, schaffte es der Hit wieder in die Top 10 der britischen Single-Verkaufscharts.
Auf Instagram feiern die „Spice Girls“ noch immer. Der Account wird von den Mitgliedern der Band, bzw. dem Plattenlabel betrieben. Anfang Juli zelebrierten sie hier das 30-jährige Jubiläum des Songs „Wannabe“:
Chart-Erfolge in Österreich
In Österreich erreichten seinerzeit die Alben „Spice“ (1996) und „Spiceworld“ (1997) die Spitze der Album-Charts. Der dritte Longplayer „Forever“ (2000) schaffte es nur noch auf den zehnten Platz. Die höchste Chart-Position von „Wannabe“ in Österreich war Rang zwei, auf Platz eins landete nur die Doppel-A-Seite-Single „Mama“ / „Who Do You Think You Are“.
Aus Sicht des Popmusikkultur- und Medienforschers Christoph Jacke von der Universität Paderborn fand der Einfluss der Spice Girls auf die Popkultur jedoch weniger in musikalischer Form statt. Vielmehr seien sie „auf der performativen Ebene sehr, sehr wichtig“ gewesen, so Jacke. Demnach wussten sie, wie sie sich als Gruppe zu vermarkten hatten. Stets legten sie eine hochprofessionelle und unterhaltsame Performance hin, sowohl live als auch in den für die 1990er-Jahre typischen Musiksendungen.
Gefühl weiblicher Gemeinschaft
Doch die Spice Girls stehen nicht nur für den Mainstream-Pop der 90er. Mit ihrer „Girl Power“-Mentalität wird ihnen auch ein damals neues weibliches Selbstbewusstsein zugeschrieben. Die Musikwissenschafterin Nicola Dibben sieht die Bedeutung der Gruppe in ihrem frechen, unerschrockenen Auftreten und dem Gefühl weiblicher Gemeinschaft, das bis heute ein wichtiger Teil ihres Beitrags zur Popkultur sei.
„Sie legitimierten eine bestimmte Form kollektiver weiblicher Freiheit, auf eine von jungen Frauen selbst bestimmte Weise zu handeln und zu denken“, sagte Dibben. Da junge Frauen als gesellschaftliche Gruppe historisch marginalisiert und abgewertet worden seien, sei es damals wie heute von großer Bedeutung, sie als Gruppe sichtbar und hörbar zu machen – oder zumindest ein Symbol dafür zu schaffen.
Band einflussreich, aber nicht politisch
Nach Jackes Einschätzung hatten die Spice Girls durchaus eine ermächtigende Wirkung auf ihr damals vorwiegend junges Publikum – trotz ihrer Zugehörigkeit zum Kommerz. Zwar sei die Band anders als etwa die zeitgleich auftretende feministische Punkbewegung der „Riot Grrrls“ nicht ausdrücklich politisch gewesen, feministische Aspekte ließen sich aber durchaus erkennen.
Inzwischen sei die Präsenz weiblicher Musikerinnen deutlich selbstverständlicher geworden, meint Jacke. Eine Sensation, wie sie die Spice Girls und andere Girlgroups der 90er-Jahre für den Mainstream darstellten, sei heute angesichts von bereits etablierten weiblichen Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Charli XCX demnach auf eine positive Art eher unwahrscheinlich.
Kommt es noch zum echten Comeback?
Eine kleine Sensation wäre jedoch ein echtes Comeback der Spice Girls. Bereits 2007 und 2019 fanden sie sich für Reunion-Tourneen wieder zusammen – zuletzt allerdings ohne Victoria Beckham. An Streitigkeiten dürfte eine Wiedervereinigung zumindest nicht scheitern. „Wir kommen prächtig miteinander aus“, sagte Mel C im Mai dem „Playboy“.
Dass die Nostalgie der 90er-Jahre noch immer Massen begeistert, zeigen andere Bands: Take That, die Backstreet Boys und Oasis locken wieder Fans zu ihren oft ausverkauften Konzerten. Eine vielversprechende Ankündigung der Spice Girls ließ zuletzt die Gerüchteküche brodeln, die Hoffnungen auf ein Comeback erfüllten sich allerdings nicht.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.