Die Personaldebatte in der SPÖ nimmt Fahrt auf – nachdem Medienmanager Gerhard Zeiler in der „Krone“ angekündigt hat, Andreas Babler den Parteivorsitz streitig machen zu wollen, erhält er nun Unterstützung von gleich drei ehemaligen SPÖ-Landeshauptleuten. Besonders deutlich positioniert sich der frühere steirische Landeshauptmann Franz Voves.
Voves bezeichnete Zeiler gegenüber der „Kleinen Zeitung“ als „eine große, seltene Chance – nicht nur für die SPÖ“. Er traue dem Medienmanager zu, „Menschen jeden Alters eine neue, mitreißende Erzählung für eine gute Zukunft im 21. Jahrhundert anzubieten“ und damit den „Angstmachern von extrem rechts und extrem links“ entgegenzutreten.
Vermögen Zeilers für Voves kein Problem
Dass Zeiler als erfolgreicher Medienmanager wohlhabend ist, sieht Voves nicht als Nachteil. Zeiler könnte „woanders viel mehr verdienen. In so einem Fall musst du also eine Leidenschaft haben, für die Gemeinschaft arbeiten zu wollen“, sagte der Ex-Landeshauptmann. Einschränkung: Voves kennt Zeiler nach eigenen Angaben nicht persönlich.
Auch der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl äußerte sich positiv über Zeiler, ohne sich ausdrücklich für dessen Kandidatur auszusprechen. Angesichts der schlechten Umfragewerte müsse sich die SPÖ „natürlich Gedanken personeller und inhaltlicher Art machen“, sagte Niessl der „Presse“.
Zeiler sei für ihn ein „Musterbeispiel dafür, was für ein Aufstieg einem durch Leistung gelingen kann“. Der Medienmanager verkörpere damit das Motto Bruno Kreiskys „Leistung, Aufstieg, Sicherheit“. Der Leistungsgedanke müsse aus Sicht Niessls wieder stärker im Zentrum sozialdemokratischer Politik stehen.
Treffen mit Doskozil angekündigt
Niessl kündigte zudem ein Treffen Zeilers mit dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Oktober an. Doskozil hatte sich zuletzt gegen Zeiler an der SPÖ-Spitze ausgesprochen. Aus seinem Büro hieß es am Sonntag allerdings, dass es noch keinen Termin für ein Treffen mit Zeiler gebe.
Gerhard Zeiler ist ein fähiger Mann, nicht nur, weil er im ORF war, sondern weil er sich im internationalen Mediengeschäft durchgesetzt hat
Peter Ambrozy, Ex-Landeshauptmann in Kärnten
Auch der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Peter Ambrozy hält Zeiler für geeignet, die SPÖ zu führen. „Gerhard Zeiler ist ein fähiger Mann, nicht nur, weil er im ORF war, sondern weil er sich im internationalen Mediengeschäft durchgesetzt hat“, sagte Ambrozy der „Kleinen Zeitung“.
Gleichzeitig warnte Ambrozy vor einem bloßen Personalwechsel: „Wenn sich das Klima in der Partei nicht ändert, bringt es auch nichts, dass wir nun eine neue Person in diese Position bringen.“
Babler bekommt ebenfalls Unterstützung
Während mehrere ehemalige SPÖ-Granden Zeiler positiv gegenüberstehen, haben sich auch Vertreter der amtierenden Parteispitze hinter Babler gestellt. Frauenministerin und SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner erklärte am Sonntag im ORF, sie wolle sich auf ihre Arbeit konzentrieren. Über schlechte Umfragewerte und Personalfragen müsse die SPÖ intern diskutieren und nicht öffentlich über die Medien.
Auch Staatssekretärin Michaela Schmidt sprach Babler am Samstag im ORF ihre Unterstützung aus. Er habe die SPÖ in die Regierung geführt und ein Regierungsprogramm mit stark sozialdemokratischer Handschrift durchgesetzt. „Er ist erst im März mit eindeutiger Mehrheit gewählt worden. Alles andere besprechen wir im Wohnzimmer und nicht am Balkon“, sagte Schmidt.
Zurückhaltend äußerte sich die GPA-Vorsitzende und SPÖ-Abgeordnete Barbara Teiber. Sie wolle sich nicht an der Personaldebatte beteiligen, sagte sie in der ORF-Sendung „Hohes Haus“. Babler sei der gewählte Vorsitzende, Zeilers Inhalte kenne sie noch nicht.
Auf die wirtschaftsfreundlichen Positionen Zeilers angesprochen, bekräftigte Teiber ihre Forderung nach einer Millionärssteuer. Den sogenannten dritten Weg der Sozialdemokratie mit dem früheren britischen Premier Tony Blair und dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder lehne die Gewerkschaft ab.
Entscheidende Fragen noch offen
Wie es in der SPÖ weitergeht, ist derzeit offen. Der nächste reguläre Vorstand ist für November angesetzt. Vier Vorstandsmitglieder könnten allerdings eine vorgezogene Sitzung verlangen. Damit müssten sich erstmals auch Unterstützer Zeilers positionieren.
Zudem ist wegen einiger Grauzonen im Parteistatut nicht eindeutig geklärt, ob es tatsächlich zu der vorgesehenen Direktwahl durch die SPÖ-Mitglieder kommen muss. Eine Vorstandssitzung könnte daher notwendig werden, um offene Fragen zum weiteren Ablauf zu klären.
Zeiler selbst lässt es offenbar ruhig angehen. Im Gespräch mit der „Krone“ sagte er mit Blick auf den kommenden Oktober: „Der ‘rote Oktober‘ heißt für mich New York, London und hoffentlich eine Woche Urlaub mit meiner Familie.“
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