Von der Ausbootung von der Tour de France zum umjubelten Heimsieg bei der 75. Österreich-Radrundfahrt: Gregor Mühlberger hat in den vergangenen zwei Wochen eine Achterbahnfahrt durchlebt. An deren Ende durfte sich der 32-Jährige als erster rot-weiß-roter Gewinner der Tour of Austria seit 13 Jahren auf der Wiener Ringstraße feiern lassen.
Der Bergspezialist triumphierte beim heimischen Topevent nach zwei Etappensiegen als erster Österreicher seit Riccardo Zoidl 2013.
„Ich bin enorm stolz“
„Es hat vom ersten Tag weg exzellent funktioniert. Ich bin enorm stolz, auch auf die Jungs. Es ist schon unglaublich, was wir da mit dem Team vom ersten Tag an gemacht haben“, sagte Mühlberger nach der Vollendung des Triumphs am Sonntag vor dem Wiener Burgtheater.
„Es waren keine Nasenbohrer dabei“
Seinen Coup im ungewohnten Dress des Nationalteams an der Seite einiger junger Talente ordnete der seit 2015 auf internationaler Bühne für die Rennställe Bora, Movistar und aktuell Decathlon fahrende Haidershofener ganz oben in seiner Erfolgsliste ein. „Der Sieg hat eine enorme Bedeutung für mich“, sagte Mühlberger und verwies auf die hochkarätige Konkurrenz. „Es gab sehr starke Gegner in anderen Teams. Es waren keine Nasenbohrer da, dementsprechend ist der Rundfahrtsieg noch schöner.“
Der Sieg hat eine enorme Bedeutung für mich.
Gregor Mühlberger
Kurzfristige Teilnahme erwies sich als Jackpot
Eigentlich wollte Mühlberger dieser Tage bei der Frankreich-Rundfahrt an der Seite von Jungstar Paul Seixas aufzeigen. Sein Rennstall entschied sich trotz perfekter Vorbereitung im Höhentraining aber gegen den beim Giro d‘Italia für Felix Gall glänzenden Edelhelfer. Aus der Frustration über seine Nichtnominierung („Ich war am Boden zerstört.“) wurde auf Anregung seiner Frau kurzerhand das Projekt Tour of Austria geboren. Der ÖRV ermöglichte ihm kurzfristig die Teilnahme als Kapitän des Nationalteams, dieses Vertrauen zahlte der Wahl-Salzburger eindrucksvoll zurück. „Der Sieg war mein Plan, ich habe gesagt, ich will gewinnen, aufgrund meiner Topform. Es freut mich, dass ich das bestätigen konnte“, sagte Mühlberger, der im Ziel von seiner Familie empfangen worden war.
Tour-Direktor Thomas Pupp war vom Verlauf des Jubiläums begeistert. „Ein besseres Drehbuch hätte man nicht schreiben können. Der Wunsch eines österreichischen Siegers war vor einiger Zeit nicht in erreichbarer Nähe, da ist einfach alles zusammengekommen“, sagte Pupp und sprach bezüglich Mühlberger von einem „Jackpot“ für die Veranstaltung. In dessen Tirol-Team hatte sich dieser 2013 und 2014 seine ersten Sporen verdient. Danach etablierte sich das vielversprechende Talent auf der World-Tour. Er war unter anderem sieben Mal bei der Tour de France als verlässlicher Helfer gefragt. Mühlberger fuhr aber auch einige eigene Siege ein, wie Etappenerfolge bei der Deutschland-Tour oder der Tour of the Alps.

Vuelta-Antreten und Wechsel zu Lidl-Trek folgen
Bei seiner ersten Österreich-Rundfahrt seit 2015 gewann Mühlberger die selektive Auftaktetappe in der Steiermark und legte mit dem Sieg am Großglockner eindrucksvoll nach. Zwei Tagessiege beim Heimrennen waren zuletzt Gerrit Glomser vor 23 Jahren gelungen. Diesmal verteidigte Mühlberger sein Guthaben bis Wien gegen etliche Attacken der Konkurrenten letztlich sehr souverän, am Ende lag er 1:25 Minuten vor UAE-Profi Kevin Vermaerke (USA).
Hofbauer als zweitbester Österreicher auf Platz 14
Zweitbester Österreicher wurde Philipp Hofbauer aus dem Team Vorarlberg als 14. Der ehemalige Tour-de-France-Etappensieger Patrick Konrad kam beim Sprintfinale in Wien auf Platz drei, insgesamt wurde der Routinier 18. Konrad wird kommende Saison bei Lidl-Trek mit Thomas Rohregger im Management und Bernhard Eisel als einem der Sportlichen Leiter zum Teamkollegen von Mühlberger. Dessen Wechsel gemeinsam mit Gall zum deutschen Rennstall gilt seit Wochen als fix. Eine offizielle Bestätigung dafür war vor dem Transferfenster ab 1. August von den Beteiligten nicht zu erhalten. Vor dem Transfer wird Mühlberger am Ende des Sommers die Vuelta a Espana bestreiten, und zwar in gewohnter Rolle als Domestik für Gall.
5. Etappe: Langenlois – Wien (109 km):
1. Samuel Watson (GBR) Ineos 2:13:01 Stunden – 2. Vincenzo Albanese (ITA) EF Education – 3. Patrick Konrad (AUT) Lidl. Weiter: 8. Fabian Steininger (AUT) Schwingshandl Intralogistics – 15. Adrian Stieger (AUT) Schwingshandl Intralogistics – 16. Patrick Gamper (AUT) Jayco – 17. Sebastian Putz (AUT) Nationalteam – 25. Paul Verbnjak (AUT) Nationalteam – 32. Paul Viehböck (AUT) Tirol – 43. Philipp Hofbauer (AUT) Vorarlberg – 52. Gregor Mühlberger (AUT) Nationalteam alle gleiche Zeit.
Nicht gestartet (u.a.): Michael Gogl (AUT) Alpecin
Endstand Gesamtwertung:
1. Mühlberger 19:26:11 Std. – 2. Kevin Vermaerke (USA) UAE +1:25 Min. – 3. Bauke Mollema (NED) Lidl +1:40. Weiter: 14. Hofbauer +6:44 – 18. Konrad +8:14 – 22. Martin Messner (AUT) WSA +9:28 – 24. Riccardo Zoidl (AUT) Hrinkow +12:00 – 29. Rainer Kepplinger (AUT) Nationalteam +14:33 – 30. Thomas Tichler (AUT) WSA +15:20.
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