„Viel zu kurzsichtig“

Was die Grazer Sportvereine auf die Palme bringt

Sport-Mix
18.06.2026 15:48

Die Grazer Bundesliga-Vereine sind erzürnt! Die gekürzten Förderungen seitens der Stadt stoßen den Sportklubs sauer auf. Der Vorwurf: Es wird zu kurzsichtig gedacht. Der Sport hat eine gesellschaftliche Relevanz – deshalb gehen die neun großen Vereine mit einem Appell an die künftige Stadtregierung in die Offensive.

Es war eine Pressekonferenz wie es sie in Graz so noch nie gegeben hat. Alle neun Grazer Bundesligisten (Sturm, GAK, Graz99ers, Giants, HSG Graz, UVC Graz, UBSC Graz, UBI Graz und UBSC DBBC Graz) waren mit ranghohen Vertretern vor Ort. Die Forderung: Ein Umdenken der Stadt wie man mit dem Sport künftig umgeht. Die Bundesligisten wollen mobilisieren, die Kräfte bündeln, ein Wachrütteln vorantreiben.

Die Grazer Bundesliga-Vereine fordern ein Umdenken der Stadt Graz.
Die Grazer Bundesliga-Vereine fordern ein Umdenken der Stadt Graz.(Bild: GEPA)

„Traurig, dass wir alle Bundesliga-Vereine dafür mobilisieren müssen“, schüttelt Sturm-Geschäftsführer Thomas Tebbich den Kopf. „Aber es muss jedem klar sein, dass wir auf lange Sicht einem gesundheitlichen Thema entgegenblicken. Wir wollen gesunde und leistungsbereite Kinder, brauchen Resilienz.“ Und dafür braucht es den Sport.

Die Vereine leisten hier entsprechende Arbeit, sehen aber gleichzeitig die fehlende Unterstützung der öffentlichen Hand. Tebbich: „Wir brauchen alle Vereine in Graz. Auch die kleinen. Nur aus der Breite kann die Spitze entstehen. Und wenn wir in der Spitze nicht mehr wettbewerbsfähig sind, können wir uns auch die Breite nicht mehr leisten.“

Sport – vor allem schon im jungen Alter – ist eine wichtige Gesundheitsprävention.
Sport – vor allem schon im jungen Alter – ist eine wichtige Gesundheitsprävention.(Bild: Jürgen Fuchs)

GAK-Geschäftsführer Lukas Kokail betont. „Es benötigt Sanierung und Neuerrichtungen von Sportinfrastruktur. Das betrifft nicht nur das Stadion. Es geht etwa auch um den LUV-Platz, die ATG-Schwimmhalle oder die Unionhalle. Graz ist in der letzten Periode in einer Größenordnung wie die Bezirkshauptstadt Voitsberg gewachsen. Das Bevölkerungswachstum ist um einiges höher als die Sportinfrastrukturinvestments.“

Die kurzfristigen Forderungen der Grazer Bundesligisten:

  • Eine sofortige Anhebung auf das in der einstimmig beschlossenen Sportstrategie festgelegte Sportbudget von 5,5 Millionen Euro – verbunden mit einer jährlichen Indexierung.
  • Die Verankerung der Position Sportstätten im Investitionsprogramm der Stadt Graz. 
  • Aufgrund der geleisteten Sozialarbeit in den Vereinen eine Million Euro aus dem Sozialbereich.
  • Fünf Euro pro Einwohner aus dem mehr als 400 Millionen schweren Topf Pflegekosten für die Prävention durch Bewegung.

Die mittel- und langfristige Forderung der Bundesligavereine geht aber noch einen Schritt weiter.

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Das Kulturbudget der Stadt Graz beträgt aktuell über 36 Millionen, das Sportbudget liegt nur bei 4,5 Millionen. Wir fordern eine Aufteilung zu gleichen Teilen.

Graz99ers-Manager Bernd Vollmann über die langfristige Forderung der Grazer Bundesliga-Vereine

„Wir fordern, dass die Sport- und Kulturbudgets anhand der gesellschaftlichen Relevanz neu zu überdenken sind“, sagt Graz99ers-Manager Bernd Vollmann. „Wir sind der Meinung, dass hier eine Aufteilung zu gleichen Teilen mehr als gerecht wäre. Das ist eine Aufgabe aus unserer Sicht für die künftige Stadtregierung.“ 

„Der Sport ist in puncto Gesundheitsprävention ungemein wichtig, dort können wir mit der Bewegung die Kinder abholen“, sagt Christoph Kipperer von den Footballern der Grazer Giants. „Dafür muss man aber auch in den Sport investieren.“ Starke Zahlen: 186 Vereine in Graz betreiben Jugendarbeit. 63.000 Menschen betreiben Sport, rund 15.000 davon sind unter 18 Jahren.

Graz will weiter eine Sportstadt bleiben. Die Fans wollen auch in Zukunft Erfolge wie jenen ...
Graz will weiter eine Sportstadt bleiben. Die Fans wollen auch in Zukunft Erfolge wie jenen Meistertitel der Graz99ers feiern. Dafür braucht es aber auch die Unterstützung der Stadt.(Bild: Sepp Pail)

Fred Laure von den Volleyballern des UVC Graz ist entscheidend: „Sport darf kein Luxusgut werden. Wir könnten die Mitgliedsbeiträge natürlich anheben -dann wäre es aber nur noch ein Sport für die Reichen. Das will niemand!“

Handball-Manager Michael Schweighofer von der HSG Graz ärgert sich: „Es gibt eine Sportstrategie in Graz, einen Beschluss zur Erhöhung des Sportbudgets auf 5,5 Millionen. Doch diese Beschlüsse werden offenbar nicht umgesetzt.“ Was ebenso auf Unverständnis stößt: „Es werden Turnsäle bei neuen Schulen gebaut, wo nicht einmal Basketball gespielt werden kann. Da wird nicht mitgedacht.“

Schmerzvoll sind die Kürzungen für die ohnehin schon tatkräftigen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Sebastian Eger-Mraulak vom Basketball-Damenteam UBI Graz rechnet vor: „Im Schnitt bringt jeder Sportverein immerhin 72 ehrenamtliche Stunden pro Woche ein. Unsere Verantwortung richtet sich an alle, die in Graz Sport betreiben.“

Die Kürzungen von Sponsorgeldern (vor allem der großen Vereine) treffen die Sportklubs.
Die Kürzungen von Sponsorgeldern (vor allem der großen Vereine) treffen die Sportklubs.(Bild: GEPA)

Maria Repelnig vom Basketball-Damenteam UBSC DBBC Graz sieht auch eine Gefahr für den Frauensport: „Fortschritte werden zunichtegemacht. Wir sind auf einem guten Weg der Gleichberechtigung, dürfen nicht gleich am Anfang wieder stehen bleiben.“

Forderungen an die nächste Stadtregierung
Martin Mitter vom Basketball-Team UBSC Graz will die Relevanz des Sports verdeutlichen: „Wir leisten Inklusions- und Integrationsarbeit auf höchstem Niveau, haben 20 unterschiedliche Nationen in unserem Verein vertreten.“

Abschließend sagt 99ers-Manager Vollmann: „Das alles sind Forderungen an die nächste Stadtregierung – bewusst auch vor der Graz-Wahl am 28. Juni. Wir sind gespannt, ob sie Ergebnisse liefern kann.“

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