Nach drei Jahren regelmäßiger Altbau-Razzien in Wien zieht das Rathaus zufrieden Bilanz und weitet die Maßnahmen aus. In Zukunft müssen sich Vermieter aber noch wärmer anziehen: Langsam beginnen nun strengere Gesetze zu greifen. Das Rathaus glaubt nicht, dass das den Mietmarkt erschüttern wird.
Seit drei Jahren schwärmen Baupolizei, Stadtservice und die Gruppe Sofortmaßnahmen etwa alle zwei Wochen zu gemeinsamen Großeinsätzen in Wiens Altbau-Grätzeln aus. 7256 Gebäude, vor allem Zinshäuser, wurden dabei in 13 Bezirken kontrolliert und dabei 1940 Missstände festgestellt. Mehr als die Hälfte waren Verstöße gegen feuerpolizeiliche Vorschriften, der Rest größtenteils bauliche Mängel.
„Das ist der Schutz leistbaren Wohnraums“
Die Behebung der Mängel wurde den Eigentümern vorgeschrieben, wenn die Stadt nicht gleich selbst tätig wurde. Wenn es in Häusern Probleme gab, dann meist gleich an mehreren Fronten. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die überwiegende Zahl der Eigentümer hält sich an die Regeln, wie auch Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) betont.
Bei Verschärfungen von Regeln hat es schon immer Unkenrufe gegeben. Profitables Vermieten wird immer noch möglich sein.

Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ)
Bild: Martin A. Jöchl
Trotzdem befürwortet Hanel-Torsch „strenge Kontrollen“ voll und ganz: Nicht umsonst kommen nun Penzing und Währing als neue Einsatzgebiete dazu. Bei den Kontrollen geht es der Stadträtin um „mehr als nur den Schutz unseres wunderschönen Stadtbilds. Es ist der Schutz leistbaren Wohnraums.“
Bei der Bevölkerung kommen unsere verstärkten Kontrollen sehr gut an. Die Problemhäuser sind weniger geworden.

Walter Hillerer, Gruppe Sofortmaßnahmen
Bild: Zwefo
Walter Hillerer, Chef der Gruppe Sofortmaßnahmen, bestätigt die heilsame Wirkung der Kontrollen auf Vermieter. Problemhäuser wie noch vor drei Jahren gäbe es de facto nicht mehr, und auch aus der Bevölkerung sei das Echo positiv – oder wie es ein Baupolizei-Experte bei der ersten Razzia in Penzing am Mittwoch lachend formuliert: „Wien ist eine Stadt mit zwei Millionen Baupolizisten.“
Nur „Aufwärmrunde“ für noch strengere Regeln
Gemessen an den kommenden gesetzlichen Verschärfungen wirken derzeitige Kontrollen und Regeln aber wie eine Aufwärmrunde: Spätestens Ende 2027 müssen alle vor 1919 errichteten Gebäude ein Bauwerksbuch, also eine Art „Pickerl“ für Häuser, haben. Drei Jahre danach ist es auch für alle vor 1945 gebauten Häuser so weit. Der Rest der Wiener Häuser wird wohl folgen.
31.000 Gebäude in Wien müssen spätestens zu Jahresende 2027 ein elektronisches Bauwerksbuch haben. Das ist relativ bald.

Bernhard Gutternigh, dzt. Leiter Baupolizei (MA 37)
Bild: Martin A. Jöchl
Dazu kommen strengere Regeln bei Renovierungen, die im Rathaus derzeit zum Beschluss aufliegen. Schon gibt es aus der Immo-Branche Warnungen, dass das enge Regelkorsett dem privaten Mietmarkt die Luft abschnüren könnte. Hanel-Torsch lassen die „Unkenrufe“ kalt – explodierende Mietkosten oder gar Wohnungsnot seien deshalb nicht zu befürchten, ist sie überzeugt.
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