Mo, 18. Juni 2018

Tausende flüchten

20.07.2014 20:30

Israel vs. Gaza: Blutigster Tag seit Jahren

Bei den schwersten Angriffen auf den Gazastreifen seit fünf Jahren sind am Sonntag mehr als hundert Menschen auf beiden Seiten getötet worden. Palästinensische Rettungskräfte zählten mindestens 96 Leichen. Die palästinensische Führung und die Arabische Liga warfen den israelischen Streitkräften "Massaker an Zivilisten" und "Kriegsverbrechen" vor. Auch für Israels Armee war es der blutigste Tag seit Jahren.

Tausende Bewohner des Gazastreifens flüchteten in Panik. Trotz der Verluste auf beiden Seiten kündigte Israels Premier Benjamin Netanyahu eine Ausweitung der Militäroffensive im Gazastreifen an.

Auf den Straßen des östlich von Gaza-Stadt gelegenen Vororts Shedshaya rannten Tausende Zivilisten um ihr Leben. Ihr Fluchtweg wurde von zerbombten Häusern, verbrannten Autos und verkohlten Leichen gesäumt. Etliche Verletzte blieben in den Trümmern ihrer Häuser eingeschlossen.

130.000 Gaza-Bewohner auf der Flucht
Rund 130.000 Einwohner des Gazastreifens verließen laut dem Palästinensischen Zentrum für Menschenrechte seit Beginn der israelischen Offensive bereits ihre Wohnhäuser. Die Zahl der Palästinenser auf der Flucht werde sich angesichts der israelischen Angriffe auf dicht besiedelte Wohngebiete vermutlich noch erhöhen, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

Nach Angaben palästinensischer Ärzte kamen seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli schon mehr als 430 Menschen im Gazastreifen ums Leben, mindestens 62 davon am Sonntag in Shedshaya. Auf israelischer Seite wurden bisher 18 Soldaten und zwei Zivilisten getötet.

Israel: 13 getötete Soldaten an einem Tag
Allein am Sonntag wurden der Armee zufolge 13 Soldaten "im Kampf gegen Hamas-Terroristen" in Gaza getötet. Derart hohe Verluste hatten die israelischen Streitkräfte zuletzt 2006 im Libanon-Krieg. Weitere Opfer auf beiden Seiten sind zu befürchten, nachdem Israel eine zusätzliche Ausweitung seiner Bodenoffensive ankündigte. "Wir werden nicht aufhören, bis alle Ziele erreicht sind", sagte Netanyahu am Sonntag.

Im Shifa-Krankenhaus von Gaza wurden beinahe minütlich neue Opfer eingeliefert, darunter viele vor Schmerzen schreiende Kinder, deren Körper von Splitterwunden übersät waren. "Die Bomben prasselten ununterbrochen auf uns ein, sie waren überall", berichtete eine verzweifelte Mutter in der Klinik. "Wir rannten auf die Straße und liefen los. Es war entsetzlich."

Hamas "rückt Zivilbevölkerung in die Schusslinie"
"Shedshaya ist ein ziviles Gebiet, wo die Hamas ihre Raketen, Tunnel und Kommandozentren hat", begründete die Armee ihre Offensive. Vor Tagen schon sei die Zivilbevölkerung zum Verlassen des Gebiets aufgerufen worden, die Hamas habe sie jedoch zum Bleiben aufgefordert "und damit in die Schusslinie gerückt".

Die palästinensische Politikerin Hanan Ashrawi warf Israel vor, in Gaza ein "Massaker" anzurichten. Die palästinensische Regierung forderte die internationale Gemeinschaft zu einer "sofortigen Reaktion auf dieses Kriegsverbrechen" auf. Auch die Arabische Liga nannte das "brutale Bombardement" des Gazastreifens völkerrechtswidrig.

US-Außenminister John Kerry kündigte eine "sehr baldige" Nahostreise an. Er glaube, dass ihn Präsident Barack Obama kurzfristig entsenden werde, um an einem Waffenstillstand zu arbeiten, sagte Kerry am Sonntag dem Sender CNN. Nach einem Bericht der israelischen Zeitung "Haaretz" könnte Kerry schon am Montag in der Region eintreffen. Kerry machte die "Sturheit" der Hamas als Hauptgrund für den blutigen Konflikt aus - schließlich hätten die Islamisten "die ihnen angebotene Waffenruhe ausgeschlagen".

Kerry sarkastisch: "Mordsmäßig genaue Operation"
Gleichzeitig äußerte sich Kerry mit Blick auf die zahlreichen zivilen Opfer sarkastisch über Israels "zielgenaue Operation" gegen die Hamas. Das sagte er während einer Reihe von US-Fernsehinterviews am Sonntag zu einem Berater - ohne zu wissen, dass das Mikrofon nicht abgeschaltet war.

"Es ist eine mordsmäßig zielgenaue Operation", sagte Kerry in der Aufzeichnung, die der Sender Fox News dann dem Minister direkt vorspielte. "Wir müssen sehen, dass wir dorthin kommen. Wir sollten heute Abend gehen. Ich denke, es ist verrückt, herumzusitzen."

Netanyahu will Demilitarisierung des Gazastreifens
Netanyahu wiederum kritisierte auf CNN, dass der Gazastreifen trotz früherer Demilitarisierungsabkommen zu einer "vom Iran finanzierten und ausgerüsteten Festung des Terrors" geworden sei, "mit Tausenden und Abertausenden von Raketen und anderen Waffen, die hineingeschmuggelt und dort gebaut werden. Das muss ein Ende haben." Die Tunnel der Hamas könnten "relativ schnell" zerstört werden, die Demilitarisierung des Gazastreifens wiederum sei Aufgabe der gesamten Weltgemeinschaft.

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