Vor Jahren versprochen

Norwegens F-16 für Ukraine nie im Krieg angekommen

Ausland
10.04.2026 11:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es ist eine Bilanz, die politisch brisant ist und Fragen nach der Umsetzung westlicher Militärhilfe aufwirft: Von den sechs F-16-Kampfjets, die Norwegen der Ukraine zugesagt hat, ist bis heute kein einziges Flugzeug im Einsatz im Kriegsgebiet angekommen. Während in Kiew seit Monaten auf zusätzliche Luftverteidigung gehofft wird, stehen die Maschinen weiterhin in Wartungshallen in Westeuropa – teils zerlegt, teils noch gar nicht einsatzbereit.

Die Enthüllung wirft ein neues Licht auf eine der prominentesten Ankündigungen der norwegischen Ukraine-Unterstützung und nährt Zweifel daran, wie schnell zugesagte Militärgüter tatsächlich an der Front wirksam werden.

Jets schon vor drei Jahren angekündigt
Bereits im August 2023 hatte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre bei einem Besuch in Kiew die Lieferung von F-16-Kampfjets angekündigt. Doch mehr als zweieinhalb Jahre später ist kein einziges dieser Flugzeuge in der Ukraine eingetroffen, wie der norwegische Rundfunk NRK berichtete.

„Sie sind nicht hier“ – deutliche Kritik aus der Ukraine
Nach Informationen von NRK, die sich auf mehrere anonyme Quellen stützen, befinden sich die Maschinen weiterhin außerhalb der Ukraine. Ein ukrainischer Luftwaffenberater, der mit NRK sprach, beschreibt die Situation deutlich: „Ich kann sie nicht benutzen, sie sind nicht hier. Vielleicht hätte Norwegen mehr Aufwand betreiben sollen, um sie zusammenzubauen, damit wir sie jetzt einsetzen können.“ Er kritisiert zudem, die sechs Jets hätten im Winter Leben retten und Infrastruktur besser schützen können.

Zwei Jets in Belgien, vier in Kisten geliefert
Konkret geht es um sechs Flugzeuge: Zwei davon wurden laut NRK bereits zur Ausbildung ukrainischer Piloten in Dänemark genutzt, befinden sich derzeit aber in Belgien in einer Wartungsanlage des Unternehmens Sabena – seit über einem Jahr. Die vier weiteren Jets wurden demnach nicht flugbereit aus Norwegen überstellt, sondern im April 2025 in Einzelteilen aus Bodø per Transportflugzeug geliefert. Auch sie befinden sich derzeit in Belgien.

Der ukrainische Berater schildert gegenüber NRK die Dimension der Arbeiten drastisch: „Die vier Flugzeuge, die in Kisten nach Belgien geliefert wurden, fehlen jeweils rund 100 Teile.“ Der Zusammenbau werde daher noch sehr lange dauern.

Engpässe im Wartungszentrum Sabena
Besonders brisant: Laut NRK gibt es erhebliche Kapazitätsprobleme im belgischen Wartungsbetrieb Sabena, der für die Aufbereitung der Flugzeuge zuständig ist. Das gilt als Hauptgrund für die Verzögerungen.

Politische Kommunikation unter Druck
Auch politische Aussagen in Norwegen stehen nun im Fokus. So hatten Regierungsvertreter und Militärs in der Vergangenheit teilweise den Eindruck erweckt, die Jets seien bereits in der Ukraine im Einsatz. Der norwegische Verteidigungsminister Tore O. Sandvik bestätigte gegenüber NRK nun jedoch ausdrücklich, dass sich die Flugzeuge weiterhin in Belgien befinden.

Eigentum übertragen, aber nicht einsatzbereit
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde das Eigentum an den Flugzeugen zwar bereits 2024 und 2025 an die Ukraine übertragen, die Einsatzfähigkeit ist jedoch weiterhin nicht gegeben. Parallel dazu betont Minister Sandvik, dass die bestverfügbaren norwegischen F-16 nach deren Ausmusterung an Rumänien verkauft wurden – nicht an die Ukraine.

Wann kommen die Jets tatsächlich an?
Während die Ukraine dringend auf zusätzliche Luftverteidigung im Kampf gegen russische Raketen- und Drohnenangriffe angewiesen ist, bleibt damit eine zentrale Frage offen: Wann – oder ob überhaupt zeitnah – die norwegischen F-16 tatsächlich im Krieg eingesetzt werden können.

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