Ameisen in Großstädten sind kulinarisch weniger anspruchsvoll als Ameisen auf dem Land. So akzeptieren die Tiere in der Stadt häufiger zuckerarme Nahrung als ihre ländlichen Artgenossen, wie eine neue Studie zeigt. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Ökosystem in der Stadt unter Druck steht.
Für die Untersuchung wählten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Schwarze Wegameise (Lasius niger) aus. „Sie ist die häufigste Ameise in Deutschland und Europa“, sagte der Berliner Verhaltensbiologe und Studienautor Tomer Czaczkes. Das Team suchte Ameisenstraßen an fünf verschiedenen Orten in der Ukraine auf und sah sich jeweils ein ländliches und ein städtisches Gebiet an. Dabei liefen die Ameisen zwischen Baumstämmen hin und her. Grundsätzlich ernähren sich die Tiere von Honigtau, der Ausscheidung von Blattläusen, die sie auf Blättern finden.
Auf dem Weg zur Nahrungsbeschaffung auf dem Baum boten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Ameisen Zuckerlösungen in unterschiedlicher Konzentration an. „Wenn die meinen, hey, das Zeug, was ich hier finde, ist besser als was ich auf dem Baum finden werde, dann würden sie es trinken. Und wenn sie meinen, es ist nicht so gut, dann lassen sie es einfach stehen“, sagte Czaczkes. Das Ergebnis war, dass die ländlichen Ameisen das Zuckergemisch in der Regel ablehnten, während es die Stadtameisen viel häufiger annahmen.
Minderwertige Nahrung gewöhnt?
Das Forscherteam aus Deutschland, der Ukraine und Polen nimmt an, dass die Insekten in der Stadt möglicherweise minderwertige Nahrung gewöhnt seien. In Städten sei es wärmer und trockener, die Umweltverschmutzung höher und die Versiegelung ein Problem. „Wenn ein Baum nicht genug Nährstoffe bekommt, können die Blattläuse nicht so gut wachsen. Es gibt dann weniger davon, also auch weniger Honigtau für die Ameisen, und die Ameisen werden hungriger und verzweifelter“, führte Czaczkes aus. Sie seien dann viel motivierter, Nahrung zu finden, und würden weniger pingelig. Es sei auch möglich, dass Blätter durch den Stress der Bäume weniger Zucker produzierten und dadurch die Ausscheidung der Blattläuse weniger süß sei.
Die meisten Insekten seien viel schlauer und hätten eine viel komplexere Denkweise, als viele Menschen dächten, sagte der Verhaltensbiologe weiter. „(...) Sie (die Ameisen, Anm.) nehmen die Blattlaus-Eier im Winter rein ins Nest, um sie sicher zu halten, und bringen sie im Frühling wieder raus.“ Mit ihren Antennen streichelten Ameisen die Blattläuse, die den Insekten dann ein Tröpfchen der sehr süßen Flüssigkeit hinterließen.
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