Staatsopern-Premiere

„La Clemenza“: Mörderischer, römischer Tanzboden

Kultur
10.03.2026 14:58

Jan Lauwers inszenierte an der Staatsoper Wolfgang Amadeus Mozarts „La Clemenza di Tito“ als konfuse Turnstunde – am Pult souverän: der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado

Alles rennt, rettet, flüchtet. Schon in der von Pablo Heras-Casado forsch abgespulten Ouvertüre wird gerauft, gebalgt, gekämpft: konfuse Turn- und Tanzstunden! Regisseur Jan Lauwers, dem die Staatsoper großartige Produktionen wie Monteverdis „Poppea“ verdankt, kann seine Leidenschaft für Tanz und Choreografie in seiner Inszenierung von Mozarts „La Clemenza di Tito“ nicht verleugnen. Die Spannung in den ständig wechselnden, subtilen Intrigenszenen um eine Heirat des Kaisers Tito bleibt aber bei so viel Trubel und Turbulenzen auf der Strecke. Soll Tito Vitellia, Tochter des gestürzten Vorgängers und Ausländerin, oder die beliebte Römerin Servilia zur Frau nehmen? Eine Polit-Katastrophe mit Mord und Revolte bahnt sich an.

Als Allerweltsbühnenbild wählte Lauwers einen Tanzboden vor einer Projektionswand. Und bleibt das Schauvergnügen schuldig, das diese pompöse Krönungsoper für Kaiser Leopold II. zum König von Böhmen 1791 bieten will: statt großes Theater wie den des Sturms aufs Kapitol und brennende Paläste, die der Librettist Pietro Metastasio sich als Höhepunkt des 1. Aktes ausdachte, sieht man graues altes Kriegsfilmmaterial. Wie effektvoll hatte doch Regisseur Robert Carsen diese Szenen für Salzburgs Pfingstfestival entworfen!

Pablo Heras-Casado findet nach dem Parforceritt durch die Ouvertüre mit dem Staatsopernorchester zu klaren Strukturen und Linien, einem eleganten Mozart-Klang. Und sorgt für gut ausgearbeitete Rezitative. Nobel begleitet er die Paradearien – wie Sestos „Parto, parto!“, mit der wunderbaren Klarinettenstimme.

Emily D’Angelos Sesto beeindruckt im jungen, nicht wirklich ausgewogenen Ensemble. Zu wenig Persönlichkeit und Tenorglanz zeigt der Südafrikaner Katleho Mokhoabane (29) als milder Tito, der nach dem Mordanschlag Sestos im Rollstuhl fährt: Seiner berühmten Arie „Se all’impero“ fehlen Glanz und Strahlkraft. Hanna-Elisabeth Müllers Vitellia ließ – durch Höhenprobleme – im ersten Akt Wünsche offen. Fein im Ausdruck ihre Arie „Non più di fiori“. Mit hübschem Sopran überzeugt Florina Ilie (Servilia); unauffällig Cecilia Molinaris Annio und Matheus Franças’ Publio. Keine Buhs!

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