Familie hilflos

Natascha Kampusch hat Zusammenbruch erlitten

Adabei Österreich
12.03.2026 13:07
Porträt von krone.at
Von krone.at

Natascha Kampusch hat einen schweren Zusammenbruch erlitten. Ihre Schwester Claudia Nestelberger, die sich weitgehend um ihre Angelegenheiten kümmert, beschreibt ihren Zustand mit bedrückender Offenheit: „Jeder weiß, wie Natascha früher vor der Kamera gesprochen hat. Das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr. Sie ist meist in einer eigenen Welt. Sie ist wieder in einer Art Gefangenschaft. Es ist herzzerreißend und wir fühlen uns hilflos.“ 

Die Familie hat sich deshalb entschlossen, den Gesundheitszustand der 38-Jährigen behutsam öffentlich zu machen. Sie möchte aufklären, Missverständnissen vorbeugen und die Ursachen für den Zusammenbruch der Tochter, Schwester und Tante transparent beleuchten. Denn zum 20. Jahrestag ihrer Selbstbefreiung steigt das internationale Medieninteresse erneut stark an – eine Belastung, die die Angehörigen seit Monaten beschäftigt.

Christoph Feurstein begleitet die Familie von Natascha Kampusch, zu der er seit dem ersten ...
Christoph Feurstein begleitet die Familie von Natascha Kampusch, zu der er seit dem ersten Interview nach ihrer Selbstbefreiung vor 20 Jahren ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut hat.(Bild: ORF)

Ausführliche Dokumentation
Der ORF widmet dem Fall nun eine ausführliche Dokumentation. In „Thema Spezial: Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ zeichnet Journalist Christoph Feurstein am Montag, 16. März 2026, um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON Kampuschs Weg vom Tag ihres Verschwindens am 2. März 1998 bis heute nach.

Sorge um Natascha Kampusch. Ihre Familie machte öffentlich, dass sie einen Zusammenbruch ...
Sorge um Natascha Kampusch. Ihre Familie machte öffentlich, dass sie einen Zusammenbruch erlitten hat.(Bild: APA-Images/dpa/Peter Trykar)

Psychiater Ernst Berger warnt im Gespräch davor, dass internationale Medien den Fall erneut aus einer verzerrten Perspektive aufgreifen könnten – und betont die Bedeutung einer verantwortungsvollen Berichterstattung.

Seit 1998 berichtet „Thema“ über den Entführungsfall. Nach ihrer Selbstbefreiung aus der Gefangenschaft von Wolfgang Priklopil 2006 war Christoph Feurstein einer der Ersten, der mit Natascha Kampusch gesprochen hat.

Mit Nataschas Schwester Claudia Nestelberger und deren Tochter Alina besucht Feurstein das Haus, ...
Mit Nataschas Schwester Claudia Nestelberger und deren Tochter Alina besucht Feurstein das Haus, in dem Natascha jahrelang gefangen gehalten wurde. Beim Ausräumen stoßen sie auf jenes Kleid, das Natascha am Tag ihrer Entführung trug.(Bild: ORF)

Doch die öffentliche Reaktion war oft feindselig. Ihre Aussagen wurden angezweifelt, ihre Glaubwürdigkeit infrage gestellt, und selbst hochrangige Vertreter des Staates bezeichneten sie als unglaubwürdig. Fünf Untersuchungen – zuletzt unter Einbindung des deutschen Bundeskriminalamts und des FBI – bestätigten jedoch immer dasselbe Ergebnis: Natascha Kampusch sagt die Wahrheit. Dennoch blieb ihr Ruf schwer beschädigt.

Im Bild: Der ORF besucht Brigitta Sirny, die Mutter von Natascha Kampusch. Sie ist auch auf dem ...
Im Bild: Der ORF besucht Brigitta Sirny, die Mutter von Natascha Kampusch. Sie ist auch auf dem Balkon zu sehen, von dem aus sie 1998 am Tag der Entführung ihrer Tochter auf dem Weg zur Schule nachblickte – und sie für achteinhalb Jahre zum letzten Mal sah.(Bild: ORF)

Medizin stößt an ihre Grenzen
Die neue Dokumentation zeigt erstmals, wie Ermittler, Staatsanwälte und langjährige Wegbegleiterinnen den heutigen Zustand der 38‑Jährigen einschätzen – und wie selbst die Medizin an Grenzen stößt. Sie versucht, ein umfassendes Bild zu zeichnen: von der Entführung über die jahrelangen öffentlichen Anfeindungen bis hin zu den Belastungen, die schließlich zu ihrem Zusammenbruch führten.

Christoph Feurstein im Gespräch mit Brigitta Sirny, der Mutter von Natascha Kampusch
Christoph Feurstein im Gespräch mit Brigitta Sirny, der Mutter von Natascha Kampusch(Bild: ORF)

Im Anschluss folgt um 21.30 Uhr eine Gesprächsrunde unter der Leitung von Lou Lorenz‑Dittlbacher, die die Hintergründe vertieft und die gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Opfern schwerer Gewalt beleuchtet.

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