Schneiders Brille

Hilf mit oder bezahle!

Vorarlberg
01.03.2026 14:00

„Krone“-Kolumnist Robert Schneider ist Fan der in Vorarlberg nicht unüblichen sogenannten Hand- und Zugdienste. Er will auch selbst die Schaufel in die Hand nehmen – wenn man ihn denn fragen würde.  

Die Gemeinde Eichenberg schaffte kürzlich die sogenannten „Hand- und Zugdienste“ ab. Ein Jammer! Lochau wollte sie wieder einführen, scheiterte aber wegen eines Formfehlers, weshalb die Verordnung, die aus dem Jahr 1930 stammt, nicht umgesetzt werden konnte. Doppelter Jammer!

Der „Hand- und Zugdienst“ (in den Rheintalgemeinden kaum bekannt) ist eigentlich eine wunderbare soziale Einrichtung. Die Bürgerinnen und Bürger sind verpflichtet, vier Stündchen im Jahr für das Gemeindewohl zu arbeiten, zum Beispiel Schneeräumen (in diesen so schneereichen Wintern), Aufräumaktionen (die weggeworfenen McDonalds-Tüten rechts und links der Bundesstraße) oder bei der Erhaltung von öffentlichen Wegen. Wer nicht mit der Schneeschaufel erscheint, zahlt als Ersatzleistung 40 Euro im Jahr. Laut einer Recherche des ORF Vorarlberg wurden in 29 Vorarlberger Gemeinden „die Bürgerinnen und Bürger zu den Hand- und Zugdiensten aufgefordert“. Das bescherte 2023 den Gemeindekassen immerhin 641.000 Euro. Am fleißigsten waren die Sulzberger. Die schufteten und rackerten, aber wie! Dem Schatzmeister gingen die Äuglein über. Glatt 81.000 Euro flatterten durchs Fenster herein, nicht, wie üblich, hinaus.

Jetzt haben sich einige Nörgler erfolgreich gegen das Gesetz durchgesetzt. Erstens stamme die Verordnung aus einer dunklen, dunklen Zeit, nämlich der des Austrofaschismus, zweitens könne man diese Pflichtarbeit niemandem zumuten. Echt, jetzt?

Der Vorarlberger Gemeindeverband sprach sich dezidiert gegen die Abschaffung dieser Regelung aus. Es sei „ein gelebter Ausdruck von Gemeinschaft und Solidarität (...)“, bemerkte Präsident Walter Gohm gegenüber dem ORF. Wie Recht er hat. Ich bin sofort mit der Schaufel zur Stelle, die unfassbar maroden Götzner Gemeindestraßen auszubessern. Außerdem käme man wieder einmal miteinander ins Gespräch.

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