Album „The Romantic“

Mit Bruno Mars in die Welt des Vintage-Soul reisen

Musik
28.02.2026 05:00

Zehn Jahre mussten Bruno-Mars-Fans auf ein neues Studioalbum warten und dann dauert „The Romantic“ gerade einmal eine halbe Stunde. Das macht aber nichts, denn Qualität geht vor Quantität und wenn es darum geht, in einer sinistren Welt voller Unsicherheiten auf Nostalgie und Lebensfreude zu appellieren, ist man beim hawaiianischen Soul-König richtig aufgehoben. Dieses Rezept geht auch wieder mehr als gut auf.

kmm

Fangen wir lieber gleich mit den schlechten Nachrichten an. Bruno Mars geht heuer auf große Europa-Tournee und fährt zielgerichtet an Österreich vorbei. Pop- und Rockfans hierzulande sind mittlerweile eh schon gewohnt, dass viele internationale Kapazunder lieber in benachbarten Städten wie Budapest, Prag oder München Halt machen, insofern kann man sich immer noch eine Konzertreise vornehmen und mit einem urbanen Kurzurlaub verbinden – hat ja auch was für sich. Dass der 40-Jährige (zuletzt 2017 in der Wiener Stadthalle) dazu auch noch mit einem wirklich gelungenen Album an uns vorbeischießt, tut gleich doppelt weh. Da kommen wir aber auch schon zu den guten Nachrichten, denn was die im Jänner angekündigte erste Single „I Just Might“ angekündigt hat, wird auf dem gesamten Album scheinbar mühelos fortgesetzt – höchste Qualität mit einem nostalgischen Vintage-Touch, der perfekt in den grassierenden Zeitgeist der künstlerischen Rückschau passt.

Regeln machen, nicht ihnen folgen
In Zeiten, wo wir uns mit Reboots von der „Muppet Show“ oder „Scrubs“ nur allzu gerne in die eigene Vergangenheit zurückträumen und leicht verklärt die heile Welt zurückbeschwören, tut ein derart warmer Sound wie ihn Mars auf seinem neuen Album „The Romantic“ liefert, mehr als gut. Ganze zehn Jahre liegt sein letztes Studiowerk „24K Magic“ zurück, für Pop-Maßstäbe ist das ein fast so enormer Abstand wie zwischen der gesellschaftlichen Gegenwart zum Ausbruch der industriellen Revolution. Doch wer seinen Fixplatz in der Champions League des Popzirkus hat, der muss den gängigen Regeln nicht folgen, sondern stellt sie einfach selbst auf. Untätig war er dazwischen nicht. Das Projekt „An Evening With Silk Sonic“ mit Anderson .Paak ging nicht so auf, wie erhofft. Die K-Pop-Top-Single „APT.“ von Blackpink-Star Rosé oder seine Stimme auf Lady Gagas „Die With A Smile“ waren dafür absolute Volltreffer. Nur mit eigenem Material hielt er sich besonders lange zurück.

Umso überraschender mutet das Ergebnis aus der langen Schaffensphase an. Während etwa die britischen Comic-Popper Gorillaz mit einer LKW-großen Ladung an Gaststars und Genre-Vermischungen ein in sich verzetteltes Quasi-Konzeptwerk erschufen und sich in personeller Gigantomanie verhoben, wählt der hawaiianische Frauenschwarm den gegenteiligen Weg. „The Romantic“ kommt völlig ohne die salonfähigen Features anderer Top-Stars auf, ist nach nur neun Songs in etwas mehr als einer halben Stunde auserzählt und hinterlässt trotzdem zu keiner Sekunde das Gefühl, dass hier etwas Essenzielles fehlen würde. Frei nach dem Motto „weniger ist mehr“ weist das Album kein Gramm fett zu viel auf und schert sich auch einen Dreck um gängige Streamingdienst-Mechanismen. Während andere Popstars auf Biegen und Brechen nach dem schnellen Refrain für die Playlist-Klicks suchen, lässt Mars seinen Lieder Raum zum Atmen und den Instrumenten Platz, um sich gebührend auszutoben.

Gegen den Strom schwimmen
Im Opener „Risk It All“ ertönen die Mariachi-Trompeten, während Mars mit intensiver Stimme alles für seine Angebetete tun würde. „Cha Cha Cha“ schwingt sich mit einem attraktiven und tanzbaren Rhythmus durch die Gehörgänge und die erwähnte Single „I Just Might“ hat sich sowieso jetzt schon als einer der markantesten Hits des noch sehr jungen Jahres etabliert. Bruno Mars emanzipiert sich vom Gros seiner Konkurrenz schon in seiner bloßen Herangehensweise. Während andere auf dutzende Songwriter und Produzenten setzen, um ihre Werke möglichst breit und international erklingen zu lassen, baut Mars nur auf D’Mile, der schon bei Rihanna oder Mary J. Blige bewies, dass ihm der Groove und eine lässige Genügsamkeit angeboren scheint. So sehr sich Mars auch aus der Öffentlichkeit zurückzieht, sobald er ein Lebenszeichen von sich gibt, sind Hits und Erfolge vorprogrammiert. Seine Musik folgt nicht gängigen Trends, sondern sorgt dafür, dass Trends zu solchen werden.

Mehr denn je hat sich Peter Eugene Hernandez, so sein bürgerlicher Name, an den eigenen Helden der Vergangenheit orientiert. Philly-Soul, Westküsten-Funk und unheimlich viel Soul mit Sex-Appeal vermischen sich mit seiner optisch sanften Afro-Frisur und der markanten Bandana. In Kombination ergibt all das genau diesen romantischen Crooner, den er sich markant als Albumtitel aufs Cover einrahmen hat lassen. Unaufhörlich fährt der Soul-Train á la Sam Cooke, Marvin Gaye oder Isaac Hayes die Schienen entlang und schert sich dabei keine Sekunde darum, ob er dabei irgendwelche TikTok-Highlights streift. Dafür ist Bruno Mars sich und seiner Kunst zu sicher, weil er weiß, dass er den Geist der Altvorderen an seiner Seite hat und selbst so gut ist, dass man ihn mühelos in einem Atemzug mit all jenen nennen kann. In seiner allumfassenden Pflege der schwarzen Musikhistorie hält er auch nicht mit Gospel-Zitaten hinterm Berg – „The Romantic“ erweist sich wahrlich als Messe für die Seele, denn das Album wärmt mit einer entspannten Atmosphäre, die trotzdem immer mit beiden Augen auf Hit-Tauglichkeit schielt.

Zuneigung, aber kein Schmalz
Nach der Trennung von Model Jessica Caban scheint sich Mars musikalisch wieder um die Damenwelt bewerben zu wollen. Mehr denn je zuvor setzt er auf „The Romantic“ auf die Ausstellung seiner sanften und zugänglichen Seite, scheut sich überhaupt nicht davor, Stimme und Texte bis in kitschige Gefilde hinaus auszureizen und verzichtet dabei gleichzeitig darauf, sich allzu sehr im Schmalz zu ergehen. Das ist vielleicht die wichtigste Besonderheit an seinem erst vierten Album: Trotz der klar definierten Ausrichtung in Richtung verständnisvoller Don-Juan-Präsentation verzichtet Mars völlig darauf, sich in süßliche Schnulzenhaftigkeit zu verwickeln und damit das Gesamtprojekt unnötig zu verwässern. „The Romantic“ ist gleichermaßen eine ehrlich gemeinte Ehrerbietung vor Mars‘ Helden der Vergangenheit und auch der Versuch, einen warmen, völlig gegen jedweden KI-Technologieverdacht gebürsteten Sound auch einer jungen Generation zugänglich zu machen. Die Live-Party verspicht jedenfalls Großes. Mehr als zwei Millionen verkaufte Tickets am ersten Tag zeigen, dass die Rückkehr des Hawaiianers von vielen heiß ersehnt wird.

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