Das Rockmusical „Spring Awakening“ nach Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ aus dem Jahr 1891 rockt laut und freudlos mit einem wunderbaren jungen Cast in der Wiener Volksoper – schwerer Tobak, der mit einer Triggerwarnung und Altersempfehlung ab 13 Jahren versehen ist.
„Eine Kindertragödie“ – so hat der deutsche Dramatiker Frank Wedekind im Jahr 1891 sein gesellschaftskritisches Drama „Frühlings Erwachen“ rund um heranwachsende Jugendliche untertitelt, die verhängnisvoll gegen prüde Moral, unterdrückte Sexualität, fehlende Aufklärung und autoritären Leistungsdruck ankämpfen.
Die Volksoper bringt nun „Spring Awakening“, die vor 20 Jahren am Broadway uraufgeführte Musicalversion dieses grausamen Sittenbilds seiner Zeit, auf eine passend dunkle Bühne: Bespielt mit einer kargen Gerüstkonstruktion, die sich um eine Blumenwiese dreht, auf der das siebenköpfige, von Christian Frank dirigierte Orchester thront. Ein düsterer, von Agnes Hasun richtig cool gezimmerter Spielplatz für die Protagonisten – allen voran eine bezaubernde Paula Nocker als Wendla, die wie ihre Kollegen immer wieder gegen eine niederdröhnene Soundlawine ansingen muss.
Dass „Spring Awakening“ zu den selten gespielten Musicals zählt, ist wenig verwunderlich: Die auf Englisch gesungenen, kaum ins Ohr gehenden Songs strotzen nur so vor duseliger Banalität. Egal, ob man jetzt die recht holprige deutsche Übersetzung („I’m gonna be wounded“ wird zu „Ich werde mich verwunden“) oder das Original von der Übertitelung abliest. Gewalt-, Sex-, Missbrauchs- und überzogene Masturbationsszenen reihen sich in Frédéric Buhrs Inszenierung aneinander, kratzen aber nur an der Oberfläche und lassen einen seltsam unberührt.
Die jungen Darsteller (herausragend „Melichor“ Paul Aschenwald, „Moritz“ Til Ormeloh, „Ilse“ Hannah Severin, „Martha“ Isabel Saris) spielen, turnen, kämpfen, singen sich die Seele aus dem Leib und beeindrucken vor allem in den Spielszenen, die ihnen Möglichkeit zur Rollenentfaltung bieten. Ob die heutige Jugend mit dem aus der Zeit gefallenen Depri-Stoff etwas anzufangen weiß? Die Volksoper spricht dazu eine Triggerwarnung in Sachen Gewalt und Suizid aus und empfiehlt den Besuch erst ab 13 Jahren – besser wäre wohl ab 15.
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