Auf seiner Handpan begleitet der 41-jährige Tiroler Manu Delago den isländischen Pop-Superstar Björk seit vielen Jahren auf Tour. Abseits davon hat der Jungfamilienvater schon eine Grammy-Nominierung eingesackt und eine eigene Erfolgskarriere gestartet. Jetzt tut er sich mit Hackbrett-Spieler Max ZT aus Brooklyn zusammen und geht damit wieder auf Tour. Im „Krone“-Gespräch ging es um großes Damentennis.
„Krone“: Manu, „Deuce“ ist ein besonders interessantes Projekt, bei dem die beiden im Mainstream eher ungewöhnlichen Instrumente Handpan und Hackbrett aufeinandertreffen. Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, diese beiden Welten zu vereinen?
Manu Delago: Ehrlich gesagt konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Instrumente als Duo funktionieren. Bei unseren ersten „Gehversuchen“ in New York dachte ich mir, dass es noch ein Bass- oder Melodieinstrument brauchen würde, aber je mehr wir zusammenspielten, desto mehr erkannten wir, dass genau die Duo-Formation so besonders ist und der einzigartige Sound so am besten zur Geltung kommt. Natürlich sind die Instrumente nicht gerade alltäglich, aber das Besondere für mich ist eher das Zusammenspiel mit Max als Musiker.
Ihr habt euch offenbar vor fast zehn Jahren kennengelernt, als du gerade auf einer US-Tour warst. Wie ist das Kennenlernen passiert und habt ihr da schon früh zusammengespielt? Wie hat sich eure Beziehung dann weiterentwickelt?
Wir hatten beide schon voneinander gehört als wir uns kennenlernten. Es war schon eine gewisse Wertschätzung da, also haben wir beschlossen einfach mal bei Max in Brooklyn zu jammen. Wir haben jede Impro-Session aufgenommen, auch später 2021 und 2023 in London als Max mich besuchte. 2024 entschieden wir dann, endlich ein Album zu machen, und dafür waren die aufgenommenen Impro-Sessions Gold wert. Die meisten Stücke haben wir daraus entwickelt.
Aufgenommen habt ihr „Deuce“ in einem Kloster in den Tiroler Alpen. Wie seid ihr auf die Location gekommen und hat die religiöse Komponente dazu auch eine Bedeutung?
Das Stift Stams ist nur wenige Kilometer entfernt von wo ich aufgewachsen bin, daher kannte ich den Raum schon lange, aber für die meisten meiner Projekte hat er zu viel Hall. Für das Duo wollten wir jedoch einen Raum, der unseren Sound akustisch verstärkt. Wir haben die Aufnahmen auch mitgefilmt und wollten dafür einen Raum mit Charakter – im Gegensatz zu einem trockenen Tonstudio vor einer schwarzen oder weißen Wand. Die religiöse Komponente war nur insofern relevant, dass wir um Allerheiligen aufnahmen und die Kirchenglocken außergewöhnlich aktiv waren was uns zu mehr Pausen gezwungen hat als gewünscht.
Wie lange war Max denn in Tirol? Und habt ihr extern voneinander schon viel vorbereiten können, um dann möglichst kompakt am eigentlichen Aufnahmeprozess zu feilen?
Max verbrachte eine Woche in Tirol, wir haben jedoch aus den Impro-Sessions viel im Vorhinein extrahiert und die Stücke schon vorbereitet. Als wir uns dann trafen, arbeiteten wir vor allem am Feinschliff.
Wie viel war vom auf dem Album enthaltenen Material vorgeplant und bereits ausgefeilt und wie viel Improvisation war noch möglich?
Mit jedem Take wurde klarer wo die Reise hingehen soll. Zum Teil haben wir mehr als zehn Takes gespielt, weil sich die Kompositionen während der Aufnahmen immer noch entwickelten. In jedem Stück ist aber auch Spielraum für Improvisation.
Der Albumtitel ist programmatisch und spielt nicht nur auf euer beider Alter an, sondern wohl auch darauf, dass ihr euch möglichst genauso viel Platz für eure jeweiligen Instrumente und Ideen lässt. Hat sich das in der Umsetzung auch natürlich so ergeben oder musste man an dieser Gleichheit arbeiten?
Die musikalische Balance hat sich sehr natürlich ergeben, darüber mussten wir nie sprechen. Die Tennis-Idee kam einerseits durch unser gleiches 40/40-Alter, aber auch das intensive konzentrierte Gegenübersitzen beim Spielen. Als ich dann noch erfuhr, dass der Ausdruck „Deuce“ vom Französischen „deux“ kommt, war der Titel natürlich ideal für unser Duo.
Abseits davon – seid ihr auch beide schwere Tennisfans oder -spieler? So gesehen bedeutet es ja, das Game ist nicht fertiggespielt und es wird weitergehen… ist das erst der Beginn einer längeren Kreativkooperation?
Tennisfan bin ich, Spieler kann ich nicht behaupten. Mich fasziniert der mentale Aspekt dieses Sports. Der Plan für 2026 ist auf jeden Fall Wimbledon (London) und die US Open (New York) zu spielen, rundherum vermutlich noch 30-40 Turniere in Europa und den USA. Danach schauen wir weiter. (lacht)
Wie hat sich die Arbeit für dich gestaltet im Vergleich zu so manchen opulenten orchestralen Produktionen, in denen du auch schon tätig warst? Unterscheidet sich diese Form der intimen Arbeit eklatant davon?
Ich bin stets auf der Suche nach Neuem, und in diesem Fall war einerseits der Mitspieler bzw. sein Instrument neu, aber auch die Reduktion und der Minimalismus sehr spannend. Wir haben alles gemeinsam live eingespielt, keine Overdubs, keine Electronics, wie früher. Dadurch hat man natürlich weniger Möglichkeiten bei der Produktion aber ich glaube das Hörerlebnis ist dadurch sehr menschlich und gefühlvoll.
Was habt ihr beide denn bei der Arbeit an dem Album noch zusätzlich voneinander gelernt? Vor allem im künstlerischen, vielleicht aber auch im zwischenmenschlichen Sinn?
Ich bin in den letzten Jahren bei Alben immer perfektionistischer und in der Planung genauer geworden. Max hat einen eher spontanen Zugang mit mehr Improvisation, das war für mich eine schöne Erfahrung und hat mich an die alten „Jazz-Zeiten” erinnert. Interessanterweise war Max dann jedoch beim Mixen des Albums wieder genauer als ich, hier haben sich die Rollen ein bisschen umgedreht. Letztendlich haben wir uns in der Mitte getroffen.
Ich finde, dass das Album sehr viel Raum zur Interpretation und zur Freiheit gibt – beim Hören. Man kann sich fallen lassen und wird immer wieder neu überrascht. Wie sollte das Album ursprünglich klingen, damit ihr damit glücklich seid und wie hat sich dann die Realität vom Ursprungsplan unterschieden?
Dadurch, dass wir viele Impro-Sessions im Vorhinein aufgenommen hatten, war die Vorstellung bereits recht konkret. Positiv überrascht war ich dann jedoch, wieviel der Raum noch beigetragen hat. Beim Mixen kann man natürlich auch künstlichen Raum hinzufügen, aber wir durften den Raum bereits bei den Aufnahmen in Echt genießen und jeden gespielten Ton mit einer Portion Extra-Liebe des Raums spüren. Dieser Raumklang ist fast unbearbeitet auf dem Album gelandet.
Auch die Songtitel an sich schreien förmlich nach Ausgewogenheit. „Draw“, „Love All“, „40:40“ – seid ihr beide große Verfechter von Fairness in einer Welt voller Ellenbogentechniken?
Speziell in einem Duo finde ich es wichtig, dass genug Platz für beide da ist bzw. diese Ausgewogenheit herrscht. Wir haben aber auch bemerkt, wie viele dieser Tennis-Ausdrücke auf uns als Duo bzw. unsere Instrumente und Musik zutrafen.
Nach welchen Kriterien bekommen welche Lieder eigentlich welche Namen, wenn es keine Texte dazu gibt? Wie seid ihr da im rein instrumentalen Segment dabei vorgegangen?
Das ist bei instrumentalen Stücken immer so eine Sache, aber in der Tenniswelt fanden wir viele Ideen, die zu uns und der Musik passten, um genau zu sein alle neun Stücke und der Albumtitel.
Was macht eure musikalische Partnerschaft oder auch die Freundschaft abseits von der Musik so besonders? Warum matcht es da so gut?
Wir haben sehr viele gemeinsame Nenner. Abgesehen davon, dass wir gleich alt sind, war vor allem die Anzahl der „Mutual Friends“ überraschend. Wir haben viele gemeinsame Bekannte in Amerika, Großbritannien aber auch in Indien. In der Zwischenzeit haben wir beide unser erstes Kind bekommen, die auch wieder fast gleich alt sind.
Ein Lied nennt sich „Sweetspot“ – was ist die Kernaussage dahinter?
Beim Tennis ist das der ideale Punkt am Schläger, wo man den Ball treffen sollte, bei Handpan und Hackbrett gibt es diesen Sweetspot ebenfalls.
Es gibt schon ein Video aus dem Bernardinisaal in Stams, wo ihr inmitten des Publikums gespielt habt. Ist das die ideale Art und Weise, um ein Konzert zu spielen?
Mit so einer schönen Akustik ist das auf jeden Fall eine großartige Art und Weise. Wir werden das je nach Konzertsaal entscheiden, aber bei den meisten wahrscheinlich dann doch konventionell geradeaus spielen, weil wir Verstärkung brauchen und diese mit frontaler Bühne leichter umzusetzen ist.
Ihr spielt jetzt auf zwei Etappen eine große Tour – USA und der Rest kommen dann auch noch?
Richtig, im Frühjahr spielen wir mal 27 Konzerte in Europa. Im Herbst sollte dann USA und weitere Dates folgen …
Tour quer durch Österreich
Bei den vielen Konzerten sind auch einige in Österreich dabei. Unter anderem am 15. März im Innsbrucker Treibhaus, am 18. März beim Neuwirt in Wattens, am 19. März auf der Stadtbühne Imst, am 20. März im Kultur im Gug in Braunau, am 22. März im Musikverein Wien, am 24. März in der ARGE Salzburg, am 25. März im Kulturhof Villach und am 26. März in der Linzer Ursulinenkirche. Unter www.manudelago.com finden Sie alle Termine und auch die Möglichkeiten, um an die Konzertkarten zu kommen.
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