Sie leiden still und sterben stumm – Naturschützer bangen um die weißen Riesen der Arktis! Denn die Eisbären stehen vor dem Aussterben
Der Hilferuf kommt aus einer Welt, die kaum jemand je betreten wird – und doch geht er uns alle an. Hoch oben im ewigen Weiß der Arktis zerbricht ein uraltes Gleichgewicht. Was jahrtausendelang stabil war, gerät nun ins Wanken. Der WWF schlägt Alarm: Die Tierwelt des Nordens kämpft ums Überleben – gegen Hitze, Hunger und den Hunger der Industrie.
„Als hätten es die Tiere nicht schon hart genug“, warnt Artenschutzexperte Georg Scattolin. „Politische Interessen und Ressourcengier machen es ihnen noch schwerer, Nachwuchs großzuziehen und Nahrung zu finden.“
Schmelzende Welt aus Eis
Die Arktis heizt sich schneller auf als der Rest der Erde. Wärmere Ozeane, später zufrierendes Meer und immer früher schmelzende Eisflächen verändern das Ökosystem radikal. Nahrungsketten verschieben sich, Jagdreviere verschwinden, Brutplätze lösen sich buchstäblich auf.
Doch nicht nur das Klima setzt dem Norden zu: Ölbohrungen in bislang unzugänglichen Regionen Grönlands und Kanadas sowie wachsender Schiffsverkehr dringen immer tiefer in die eisige Wildnis vor. Für Meeressäuger wie Grönlandwale wird Lärm zum unsichtbaren Feind – er stört Orientierung, Kommunikation und Wanderungen.
Der König verliert sein Reich – der Eisbär
Er ist das Symbol des Nordens – und sein tragischster Verlierer. Der Eisbär, zweitgrößtes Landraubtier der Erde, jagt ausschließlich auf Meereis. Dort lauert er Robben auf, dort zieht er seinen Nachwuchs groß.
Schmilzt das Eis, schmilzt seine Chance zu überleben. Gestrandete Tiere müssen monatelang fasten. Besonders Weibchen mit Jungen geraten in Lebensgefahr. In den letzten hundert Jahren ist die Durchschnittstemperatur der Arktis um rund fünf Grad gestiegen. Prognosen zeigen: Schon 2050 könnte ein Drittel der Eisbären verschwunden sein.
Perfekt angepasst – und dennoch chancenlos: dichtes Fell, dicke Fettschicht, riesige Tatzen. Alles nützt nichts, wenn der Boden unter ihnen verschwindet.
Walrosse im Gedränge der Verzweiflung
Walrosse brauchen das Packeis als schwimmende Ruheinseln zwischen ihren Tauchgängen. Fehlt es, drängen sie sich zu Tausenden an Küsten – sogenannte Massen-Haulouts. Stress, Energieverlust und tödliche Panikreaktionen sind die Folge. Immer wieder werden Jungtiere von Artgenossen zerdrückt. Der Grund ist derselbe wie überall im Norden: Das Eis kommt zu spät. Und es geht zu früh.
Robben ohne Kinderstube
Ringelrobben bauen Wurfhöhlen aus Schnee auf stabilem Eis. Fehlt beides, sind ihre Jungen schutzlos. Die Folgen sind messbar: Gleich drei arktische Robbenarten wurden 2025 auf der Roten Liste heraufgestuft. Die Klappmütze gilt nun als stark gefährdet, Bart- und Sattelrobbe als gefährdet. Der Walross-Status „gefährdet“ wurde bestätigt.
Industrie im Vormarsch – Natur auf dem Rückzug
Während Tiere ums Überleben kämpfen, rücken Maschinen nach. Ölkonzerne drängen in bislang unberührte Regionen. Wo einst nur Wind und Eis knirschten, bohren heute Stahlkolosse in den Meeresgrund. Jeder neue Hafen, jede neue Route, jede Plattform bedeutet mehr Lärm, mehr Risiko, mehr Druck auf ein ohnehin geschwächtes System.
Der WWF fordert deshalb konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie sowie großflächige Schutzgebiete – echte Rückzugsräume, in denen keinerlei industrielle Eingriffe erlaubt sind.
Letzte Warnung aus der Kälte
Die Arktis ist kein ferner Ort. Sie ist Klimaregulator, Wettermotor und Frühwarnsystem der Erde. Was hier geschieht, entscheidet über das Morgen der gesamten Menschheit. Oder, wie es Scattolin drastisch formuliert: „Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir die Tiere des Nordens für immer.“
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