Bis Ostern haben sich drei Redakteure und vier Redakteurinnen der „Steirerkrone“ Fastenziele vorgenommen: Vom Verzicht auf Fleisch, Süßes bis hin zu sozialen Medien. Das fällt manchen schon in den ersten Tagen sehr schwer ...
Instagram am Handy: gelöscht. Die Facebook-App: gelöscht. X? gelöscht. So nahm der Lösch-Marathon in der Früh des Aschermittwochs bei mir seinen Lauf. Bis Ostern will ich auf soziale Medien verzichten, das wird spannend. Vor allem auf Instagram scrolle ich täglich viel zu lange umher – 40 Tage Pause, das muss doch machbar sein?
Das Handy fühlt sich ohne Apps in meiner Hand plötzlich „leer“ an. Nach dem Frühstück will ich das erste Mal auf eine App klicken, oh stimmt, geht nicht. Auf dem Weg zur Straßenbahn folgt der nächste Versuch. Zum Glück habe ich die Apps gelöscht. Die Versuchung, sich online im Webbrowser anzumelden, vergeht schnell wieder. Beim Warten auf eine Freundin im Café will ich wieder auf die App klicken, doch kein orange-rosa Storykreis für mich. Da ist ja keine App mehr. Ärger steigt in mir auf. Wieso tue ich mir das an? Und wieso fühle ich mich so süchtig?
Vielleicht wartet ja noch etwas auf mich ...
Da mich die Frage nicht loslässt, frage ich einen Experten. „Die besten Entwickler und Entwicklerinnen, die besten Designer der Welt arbeiten für Plattformen wie Instagram, TikTok und Co.“, sagt Medienpädagoge Lukas Wagner. Das Ziel der Tech-Riesen ist immerhin, Nutzer so lange wie möglich auf ihren Plattformen zu halten. „Dabei geht es gar nicht um den Inhalt der nächsten Story oder des nächsten Beitrags. Allein, dass ich weiß, es kommt noch etwas und das könnte besser sein, weckt mein Interesse“, erklärt Wagner. Das schütte Dopamin aus. Dies sei ein Suchtfaktor.
Wir wollen sehen, was gut ankommt
Ein anderer Faktor: Der Algorithmus zeigt uns, was wir sehen wollen. Und andererseits sehen wir überall, wie viele Likes, Herzchen oder Kommentare Beiträge haben, wie oft sie geteilt wurden. „Wäre das weg, wäre Instagram nur ein digitales Fotoalbum. So aber sehen wir, was gut ankommt und was wir vielleicht noch anschauen sollten“, so Wagner.
Unser Gehirn versuche immer, Dinge einzuordnen. Das würde dadurch gestehen. „Eigentlich sollten die Plattformen in die Verantwortung genommen werden“, meint Wagner. Wem es schwerfalle, soziale Medien zu fasten – wie mir – sei nicht willensschwach, da hier Mechanismen in unserem Gehirn gezielt angesprochen werden. Immerhin ein kleiner Trost für die nächsten 38 Tage...
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