Erst küsste Johannes Lamparter erleichtert seine Silbermedaille, dann bejubelte der Tiroler mit Freudentränen in den Augen gemeinsam mit Familie und Freunden sein erstes olympisches Edelmetall. „Es ist sehr emotional und hat mir schon ein paar Tränen rausgedrückt“, gibt der Tiroler zu.
Nach zwei vierten Plätzen bei Olympia 2022 hatte sich der Rumer geschworen, dieses Gefühl nicht noch einmal erleben zu wollen. Am Mittwoch erfüllte sich Lamparter seinen Kindheitstraum – und machte in Tesero zugleich beste Werbung für eine olympische Zukunft der Nordischen Kombination.
In einem spannenden Medaillenkampf musste sich der Gesamtweltcupführende nur dem norwegischen Olympiasieger Jens Luraas Oftebro geschlagen geben. „Etwas Schöneres gibt es nicht“, sagte er nach den ersten Feierlichkeiten überglücklich mit der Medaille um den Hals. „Es ist sehr emotional und hat mir schon ein paar Tränen rausgedrückt.“
Lamparter befreit
Die Erleichterung war dem 24-Jährigen anzumerken, zu zwei Weltmeistertiteln und einem Gesamtweltcupsieg gesellt sich nun die ersehnte Olympia-Medaille. Vor vier Jahren hatte Lamparter als Topfavorit eine herbe Enttäuschung erlebt und in allen drei Olympia-Bewerben das Podest knapp verpasst. „Mit den Spielen habe ich noch eine Rechnung offen gehabt. Es ist wie, wenn Tausend Ketten wegspringen würden“, betonte Lamparter. Eine Befreiung, auch vom eigenen Druck. „Wenn Träume in Erfüllung gehen, ist das einfach schön.“
Dafür opferte Lamparter einiges und krempelte auch vieles um. „Ich habe sehr viel auf Professionalität geschaut, was Ernährung, Schlaf und was es sonst noch im Sport gibt, betrifft. Gott sei Dank bin ich belohnt worden.“ Bereits nach seinem sechsten Platz im Skispringen war er von vielen rot-weiß-roten Fans gefeiert worden. Wenig später feierte Lamparter, Mitglied der Rumer Muller und leidenschaftlich als „Zottler“ unterwegs, einen seiner größten Erfolge im Umkreis seiner Liebsten. „Es gibt nicht viele emotionalere Momente“, sagte er auch mit Blick auf die Anwesenheit von Papa Hannes, Mama Angela und Schwester Anna, die wegen einer Uni-Prüfung erst zum Langlauf-Showdown ins Fleimstal gekommen war.
Kein Alkohol bei der Medaillen-Party
Auf große Feierlichkeiten verzichtete Lamparter allerdings, als Belohnung stand eine Pizza im olympischen Dorf in Predazzo auf dem Plan. „Ich werde ziemlich sicher nicht feiern, weil ich in der Form meines Lebens bin“, sagte der 22-fache Weltcupsieger. Auf alkoholische Getränke verzichtet der Kombinierer deshalb freiwillig. „Es wäre unglaublich schade, wenn ich mir irgendwas verhauen würde. Die Augen schauen schon ein bisschen auf die Großschanze.“
ÖSV-Cheftrainer Christoph Bieler streute seinem Schützling Rosen. „Der Jo hat uns alle überrascht“, sagte der Team-Olympiasieger von 2006. Denn die Bedingungen auf der extrem tiefen Loipe kamen Lamparter überhaupt nicht entgegen. „Die Hoffnung ist immer sehr groß gewesen, die Erwartungshaltung aber eher gering“, gab Bieler zu. Lamparter sei „ein bisserl geknickt“ gewesen, als er die Verhältnisse gesehen habe. „Es hat ganz gut funktioniert, dass die Erwartungshaltung nicht die größte war“, ergänzte der Coach.
Lamparter freute sich über „richtig coole Show“
Der erste Medaillengewinn der nordischen Sparte im Val di Fiemme beflügelte Lamparter und womöglich auch seine Skisprung-Kollegen, die im gleichen Hotel in Predazzo untergebracht sind. Stefan Kraft und Daniel Tschofenig fieberten im Langlauf-Stadion auch persönlich mit. „Schauen wir, dass wir den Schwung mit auf die Großschanze mitnehmen“, sagte Lamparter und schielte bereits auf seine nächste Chance am kommenden Dienstag. „Ich weiß, dass ich da stark bin und mitfighten kann.“
Für die olympische Zukunft der Nordischen Kombination war das Rennen in Tesero beste Werbung. Im Publikum machten sich neben IOC-Präsidentin Kirsty Coventry auch FIS-Präsident Johan Eliasch und FIS-CEO Urs Lehmann einen Eindruck. „Spannender geht es nicht“, sagte Lamparter. „Wir haben eine richtig coole Show geboten.“
Der Deutsche Vinzenz Geiger führte ein persönliches Gespräch mit Coventry. „Sie hat geschwärmt, dass es superaufregend war. Dass wir es leicht aussehen lassen haben. Ihr haben die Zuschauer gefallen. Sie hat sehr positiv geklungen. Ich hoffe, dass es ein positives Zeichen für unseren Sport ist“, sagte Geiger nach seinem zehnten Platz.
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