Kulturkampf aus Stein

Trump will gestürzte Kolumbus-Statue vor Haustür

Außenpolitik
06.02.2026 07:28
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Von krone.at

Eine Statue, die einst aus Protest ins Hafenbecken geworfen wurde, könnte schon bald einen prominenten Platz nahe dem Weißen Haus erhalten. US-Präsident Donald Trump treibt Pläne voran, eine Nachbildung einer Christopher-Kolumbus-Statue auf oder nahe dem Gelände aufzustellen – ein politisch wie historisch aufgeladenes Vorhaben, das alte Konfliktlinien neu sichtbar macht.

Wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet, hat die Trump-Administration dafür einen Leihvertrag mit der Organisation „Italian American Organizations United“ unterzeichnet. Die Gruppe besitzt die rekonstruierte Statue, die auf ein Original zurückgeht, das am 4. Juli 2020 während Protesten gegen institutionellen Rassismus in Baltimores Inner Harbor gestürzt und ins Wasser geworfen worden war. Die Demonstrationen hatten sich nach dem Tod von George Floyd landesweit ausgeweitet.

Aufstellung könnte schon bald erfolgen
John Pica, Präsident der Organisation, sagte der AP, er sei rund um den Kolumbus-Tag im vergangenen Jahr von einem Mittelsmann kontaktiert worden, der Interesse des Weißen Hauses an einer Kolumbus-Statue bekundet habe. Nach einer internen Abstimmung habe man einstimmig beschlossen, die Statue an die Bundesregierung zu verleihen.

Bei Protesten nach der Tötung von George Floyd wurde der Kolumbus-Statue der Kopf abgeschlagen ...
Bei Protesten nach der Tötung von George Floyd wurde der Kolumbus-Statue der Kopf abgeschlagen und sie anschließend auch noch versenkt.(Bild: AP/Nino Mangione)

Der Leihvertrag wurde am Mittwoch unterzeichnet. Eine Aufstellung sei „möglicherweise innerhalb von zwei Wochen“ denkbar, sagte Pica, betonte jedoch, er sei nur „vorsichtig optimistisch“. Die Organisation behält sich vor, die Statue zurückzufordern, sollte eine künftige Regierung ihre Entfernung verlangen.

Weißes Haus schweigsam, Republikaner bestätigt Pläne
Der republikanische Abgeordnete des Bundesstaates Maryland, Nino Mangione, bestätigte die Pläne ebenfalls. Er hatte sich zuvor gemeinsam mit der italienisch-amerikanischen Organisation dafür eingesetzt, für die aus dem Hafen geborgene Statue einen neuen Standort zu finden. Laut Mangione verwendete der Künstler Will Hemsley Teile des ursprünglichen Denkmals, das während der Präsidentschaft Ronald Reagans enthüllt worden war, um daraus eine neue Statue zu errichten.

Hier ist Kolumbus „ein Held“
Das Weiße Haus selbst äußerte sich gegenüber der AP nicht konkret zu Ort oder Zeitpunkt der Installation. Sprecher David Ingle bekräftigte jedoch Trumps Haltung zu dem Entdecker: „In diesem Weißen Haus ist Christopher Kolumbus ein Held. Und er wird von Präsident Trump auch weiterhin als solcher geehrt werden.“ Zwei mit den Plänen vertraute Personen sagten laut „Washington Post“, die Statue solle an der Südseite des Weißen Hauses, nahe der E Street und nördlich der Ellipse, platziert werden.

Kolumbus-Kritiker „linke Brandstrifter“
Für Trump fügt sich das Vorhaben in eine breitere politische Linie ein. Der Präsident vertritt eine traditionelle Sicht auf Kolumbus als Anführer der Expedition von 1492, die den Beginn der europäischen Kolonisierung Amerikas markierte. Zugleich ist Kolumbus in den vergangenen Jahren verstärkt als Symbol für Eroberung, Ausbeutung und Gewalt gegen indigene Bevölkerungen kritisiert worden. Zahlreiche Städte und Institutionen ersetzten den Kolumbus-Tag durch den Indigenous Peoples Day. Präsident Joe Biden würdigte diesen 2021 erstmals offiziell per Proklamation.

Trump hingegen weist diese Neubewertung scharf zurück. Er bezeichnete Kritiker als „linke Brandstifter“, die Geschichte verdrehten, und erklärte im vergangenen April, er bringe den Kolumbus-Tag „aus der Asche zurück“.

Trump will an Geschichte mitschreiben
Die geplante Statue steht auch im Zusammenhang mit Trumps erklärtem Ziel, die amerikanische Geschichtserzählung neu zu prägen – insbesondere im Vorfeld des 250. Jahrestags der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. Im vergangenen Frühjahr unterzeichnete er ein Dekret mit dem Titel „Restoring Truth and Sanity to American History“, die eine angeblich weitverbreitete Umschreibung der US-Geschichte kritisiert.

In der Folge verlangte seine Regierung eine umfassende Überprüfung von Ausstellungen in allen Smithsonian-Museen und drängte Bundesbehörden sowie staatliche und lokale Einrichtungen, Diversitätsprogramme zurückzufahren.

Kein Stein bleibt auf dem anderen
Die mögliche Aufstellung der Kolumbus-Statue wäre nicht die einzige jüngste Veränderung auf dem Gelände des Weißen Hauses. Zuletzt sorgte der Baubeginn eines nahezu 400 Millionen Dollar teuren Ballsaals sowie der Abriss des Ostflügels für Kontroversen. Zudem setzte Trump im Oktober per Dekret durch, dass eine zuvor gestürzte Statue des konföderierten Generals Albert Pike wieder in Washington aufgestellt wurde – sie ist bis heute das einzige Freiluftdenkmal für einen Konföderierten in der US-Hauptstadt.

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