Im Troubadour Canary Wharf Theatre in London kämpfen die „Tribute von Panem“ ums nackte Überleben: 1200 Zuschauer verfolgen dabei wie in einer Arena das dystopische Spektakel. Mit dabei, wenn auch nur via Bildschirm: Hollywoodstar John Malkovich als tyrannischer Präsident.
Über 100 Millionen Mal wurde Suzanne Collins Buch-Trilogie „Die Tribute von Panem“ (Original: „The Hunger Games“) verkauft, an die zwei Milliarden Dollar spielten die Hollywood-Verfilmungen an den Kinokassen ein.
Dagegen sind die 29 Millionen Euro geradezu ein Klacks, um die in London das Troubadour Canary Wharf Theatre errichtet wurde, um dort die von Connor McPherson kreierte Bühnenversion aufzuführen. Premiere des dystopischen Spektakels rund um Bogenschützin Katniss Everdeen, die den Kampf gegen den bösen Präsidenten Snow aufnimmt, war vergangenen November. Aufgrund des hohen Besucherandrangs wird das Stück bis zumindest Oktober 2026 verlängert.
1200 Zuschauer verfolgen allabendlich (außer montags) von Tribünen aus die mit Überdrüber-Action geladene Handlung, die sich in einer elliptischen Arenamitte abspielt. Getreu dem roten Film-Faden folgend, verwandelt sich die dann in ein blutgetränktes Schlachtfeld. Den Darstellern wird einiges abverlangt, wenn sie an Seilzügen hängend zum Luft-Schwertkampf antreten.
Diese neue Form des Theaters funktioniert durchaus, wie das von J. K. Rowling extra für die Bühne geschriebene Stück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gezeigt hat, das seit seiner Premiere u. a. in Hamburg (im Dezember 2021) mit großem Erfolg – nicht nur beim jungen Publikum – läuft.
Ältere Semester werden auch für die Londoner „Hunger Games“ geschickt ins Boot geholt: John Malkovich wurde für die Rolle des Tyrannen als prominentes Zugpferd verpflichtet – wenngleich der 72-jährige Hollywoodstar nicht live, sondern auf riesigen LED-Screens zu den kampfbereiten Tributen – und dem Tribünenpublikum spricht.
Dass die Form dieses Actiontheaters „die guten alten Bretter, die die Welt bedeuten“ ablösen wird, darf angesichts extrem hoher Kosten und der keineswegs garantierten Langlebigkeit der Produktionen bezweifelt werden. Doch egal, ob Hightech-Show oder einfache Holzkulisse: In jedem Fall ist es ein Türöffner in die Welt des Live-Erlebnisses Theater, und das kann man in Zeiten zunehmender Social-Media-Abstumpfung nur positiv bewerten.Stefan Weinberger
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