Social-Media-Verbot:

„Kinder wissen, dass da ein großes Problem ist“

Steiermark
06.02.2026 11:00

Theatermacherin Hanni Westphal erarbeitet gerade ein Tanzstück über soziale Medien am Grazer Jugendtheater Next Liberty. Dafür hat sie auch Interviews mit 40 Schülerinnen und Schülern geführt: „Die Kinder wissen selbst, dass diese Plattformen gefährlich sind“, sagt sie. In einem Social-Media-Verbot sieht sie einen möglichen Ausweg.

„Ich bin ja eigentlich im falschen Alter, um das Thema auf die Bühne zu bringen. Aber vielleicht hat gerade das geholfen“, sagt Hanni Westphal vom Grazer Mezzanin Theater. Die Regisseurin und Choreografin ist in ihren 60ern, „aber ich beobachte natürlich, was die Welt bewegt, und habe im persönlichen Umfeld gesehen, was Social Media anrichten kann“, sagt sie.

Als das Grazer Next Liberty also anfragte, ob sie Lust hätte, in Kooperation eine Tanzproduktion für 10- bis 14-Jährige zu machen, wusste sie sofort, mit welchem Thema sie sich beschäftigen wollte. Über eine befreundete Lehrerin kam sie in Kontakt mit Schülern, führte insgesamt 40 Interviews über deren Verhalten auf Social Media: „Ich glaube, dabei war mein Alter hilfreich. Ich bin weder Lehrerin noch ein Elternteil und habe nicht geurteilt. Außerdem kenne ich mich bei Snapchat und Co. nicht aus – und die Kids haben es mir erklärt und dabei viel von ihren Erfahrungen erzählt“, sagt sie.

„Kinder haben ambivalentes Verhältnis zu Social Media“
Eine ihrer Erkenntnisse aus diesen Gesprächen: „Die Kinder selbst haben eigentlich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Social Media. Im Streit mit Eltern und Lehrern wirkt es vielleicht oft so, als ob sie es uneingeschränkt super finden würden – aber sie sind sich sehr wohl bewusst, dass diese Plattformen problematisch sind.“

Für ihr Tanzstück „Challenges“ interessierte Westphal vor allem die Frage, was die Präsenz auf Social Media mit dem Verhältnis der jungen Menschen zu ihrem Körper macht – und die Antwort war für Westphal erschütternd: „Schon Neunjährige laufen da Idealen nach, die ungesund und unrealistisch sind. Aber sie werden halt von irgendwelchen Influencern vorgezeigt, und die Kinder vergleichen sich dauernd damit und glauben: Ja, so muss das halt sein – und irgendwie muss ich einen Weg finden, auch so zu sein.“ Das Resultat: Fitnesswahn, Essstörungen, Depressionen.

„Kinder machen mit, weil alle mitmachen“
In den Schulen werden die Kinder zwar ausreichend über die Gefahren von Social Media aufgeklärt, sagt Westphal aus ihrer Erfahrung. Warum sind die Kids dann trotzdem dort, wenn sie die Gefahren kennen? „Sie machen halt mit, weil alle mitmachen und sie Angst haben, was zu versäumen – das kennen wir als Erwachsene ja auch.“

Sie kann sich durchaus vorstellen, dass ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige wirksam sein könnte: „In den Interviews haben sogar manche Kinder erwähnt, dass sie nicht verstehen, warum sie so viel Zeit auf den Plattformen verbringen dürfen. Sie wissen, dass es nicht gut für sie ist und sie von den Algorithmen dieser Plattformen süchtig gemacht werden. Nur wissen sie halt nicht, wie sie da wieder rauskommen. Da würde ein Verbot schon helfen – auch den Eltern und Lehrern.“

All diese Themen und Geschichten, die Westphal in ihren Interviews gesammelt hat, sind Teil des Tanzstücks: „Ich habe gemerkt, die Kinder erzählen mir als Außenstehende teilweise Dinge, über die sie miteinander vielleicht gar nicht sprechen. Also wollte ich das Stück als eine Art Plattform nutzen, wie die Kinder miteinander in einen Austausch kommen.“ All das verpackt in eine Tanzproduktion, die vor allem auf Urban Dance setzt und damit den Jungen auch Spaß machen soll.

„Challenges“ feiert am 13. Februar seine Premiere 
im Next Liberty und ist dann bis März zu sehen.

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