Zum Start der Gerichtsverhandlung am Dienstag hat der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (52) die schwersten Vorwürfe gegen ihn bestritten. Unterdessen forderte der Staatsanwalt: Auch wenn Marius Borg Hoiby Teil der norwegischen Königsfamilie ist, muss er vor dem Gesetz wie jeder andere behandelt werden.
Am Dienstag erschien der Skandal-Sohn der norwegischen Kronprinzessin pünktlich zu Prozessbeginn in einem grünen Pullover über einem Hemd und grüner Hose vor Gericht.
Als Talisman hatte Marius einen Rosenkranz mit dabei. Bei seiner Ankunft im Gerichtssaal wirkte er noch nervös, beim Plädoyer seiner Anwältin kaute er einen Kaugummi und ließ seine Halswirbel knacken.
Fotos oder Videos des Angeklagten vor Gericht sind allerdings verboten, es gibt bislang lediglich ein Bild des Gerichtszeichners.
Hoiby wies Vergewaltigungsvorwürfe zurück
Hoiby antwortete schließlich leise mit „Nein“ auf die Frage, ob er die Strafschuld wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs mehrerer Frauen einräume. Er verneinte außerdem, die mutmaßlichen Opfer während der Taten gefilmt zu haben.
In insgesamt sechs Punkten bekannte sich der Sohn der Kronprinzessin hingegen als schuldig: in einem Fall von sexuell übergriffigem Verhalten, Überschreitung der Geschwindigkeitsgrenze im Straßenverkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis, ein schweres Drogenvergehen, Verstoß gegen eine einstweilige Verfügung sowie zu schnelles Fahren.
Außerdem gab es teilweise Schuldeingeständnisse vonseiten des Angeklagten: beim Vorwurf der schweren Körperverletzung, rücksichtslosem Verhalten/Hausfriedensbruch, dem Verstoß gegen eine einstweilige Verfügung sowie rücksichtslosem Fahren und der damit verbundenen Gefährdung anderer.
„Er muss wie jeder andere behandelt werden“
„Es herrscht Gleichheit vor dem Gesetz. Der Anklagte ist Sohn der Kronprinzessin. Er gehört zur königlichen Familie“, stellte Staatsanwalt Sturla Henriksbø währenddessen zum Status von Marius Borg Høiby als Sohn der Kronprinzessin und Stiefsohn des Kronprinzen klar.
Und weiter: „Er muss trotzdem wie jeder andere behandelt werden. Er darf weder strenger noch milder bestraft werden aufgrund seiner familiären Verhältnisse.“
Erste mutmaßliche Vergewaltigung auf Schloss Skaugum
Nach einer Pause wurde auch die erste mutmaßliche Vergewaltigung thematisiert. Sie soll sich bereits im Dezember 2018 ereignet haben – auf Schloss Skaugum, der Residenz des norwegischen Thronfolgerpaares.
Gegen vier Uhr früh sei eine Party gefeiert, reichlich Alkohol konsumiert und Flaschendrehen gespielt worden. Vor Gericht wurden zudem Aufnahmen gezeigt, die die erste mutmaßliche Vergewaltigung dokumentieren sollen.
Videos und Fotos sichergestellt
Ein weiteres Opfer soll Marius ohne Einverständnis fotografiert und gefilmt haben. Außerdem soll er in der Gegenwart der Frau völlig ausgerastet sein und sie als „verdammte Hure“ beschimpft haben.
Eine andere Frau soll der Norweger während eines Aufenthalts auf den Lofoten, einer Inselgruppe in Norwegen, im Schlaf vergewaltigt haben: Sie soll demnach von seinen Handlungen aufgewacht sein. Zuvor sollen die beiden aber mehrfach einvernehmlichen Sex gehabt haben.
Auf Hoibys Handy stellten Ermittler zudem vier Videoclips und Fotos sicher, die vor Gericht hinter verschlossenen Türen abgespielt werden sollten.
„War es mit Absicht?“
Marius‘ Verteidigerin übte unterdessen Kritik an der Vorverurteilung von Marius, die in den letzten Monaten stattgefunden habe. Laut Ellen Holager Andenæs, die mit 78 Jahren als äußerst erfahren gilt, habe Marius „eine Flut negativer Publicity“ überrollt, ein regelrechter „Tsunami“ sei es gewesen. „Es ist mir tatsächlich nicht möglich zu beschreiben, wie sich dies in den letzten 18 Monaten auf Marius‘ Leben und seine psychische Gesundheit ausgewirkt hat“, fuhr sie fort.
Andenæs spricht von einer regelrechten Hetzjagd der Medien auf Hoiby in den vergangenen eineinhalb Jahren: „Kein Versuch, an den Anstand der Medien zu appellieren, hat meiner Meinung nach gefruchtet.“
In Bezug auf die mutmaßlichen Opfer und die Vergewaltigungsvorwürfe betonte Andenæs in ihrem Plädoyer unterdessen: „Ich beschuldige niemanden der Lüge. Aber alle haben gemeinsam, dass sie freiwillig Sex mit Marius hatten, bevor das passierte, was in der Anklage geschildert wurde.“
Außerdem stellte Marius‘ Anwältin infrage, ob ihr Mandant überhaupt gewusst hätte, dass sich seine angeblichen Opfer nicht zur Wehr setzen konnten. „War es mit Absicht? Wenn er nicht wusste, dass das Opfer schlief oder sich dem Akt nicht widersetzen konnte, muss er freigesprochen werden. Er war der Auffassung, dass alle freiwillig mitgemacht haben.“
Marius soll am Dienstag Aussage machen
Der 29-Jährige muss sich wegen zahlreicher, teils schwerer Vergehen verantworten. So wird ihm unter anderem Vergewaltigung und sexueller Missbrauch mehrerer Frauen vorgeworfen. Einige der Taten soll er begangen haben, während die mutmaßlichen Opfer schliefen. Er soll währenddessen auch mitgefilmt haben.
Zu den 38 Anklagepunkten zählen auch Fälle von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung, Drogen- und Verkehrsdelikte. Hoiby drohen bis zu 16 Jahre Gefängnis. Am zweiten Prozesstag soll Marius schließlich erstmals eine Aussage machen.
Verhaftung und U-Haft
Noch vor dem Start des Prozesses in Oslo überschlugen sich die Ereignisse: Marius Borg Hoiby wurde am Sonntag festgenommen, muss die nächsten vier Wochen in U-Haft verbringen.
Der 29-Jährige werde des körperlichen Übergriffs, der Drohung mit einem Messer und des Verstoßes gegen ein Besuchsverbot verdächtigt, teilte die Polizei mit. Høiby soll Berichten zufolge am Wochenende ausfällig geworden sein, die Festnahme erfolgte am Sonntagabend. Zu den neuen Vorwürfen schwieg er zunächst. Gegenstand des Prozesses sind diese vorerst nicht.
In Klinik untersucht
Zudem wurde bekannt: Der Sohn von Mette-Marit wurde kurz nach dem Vorfall am Sonntag noch in einem Spital untersucht. Ein Foto, das der norwegischen Zeitung „VG“ vorliegt, zeigt, dass Marius am Sonntag in der Klinik Besuch von seiner Familie bekam.
Neben Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit soll auch seine Halbschwester Ingrid Alexandra im Spital gewesen sein und Gespräche mit Marius‘ Arzt geführt haben.
Auch Mette-Marit unter Druck
Für die Königsfamilie ist der Prozess gegen den Stiefsohn von Kronprinz Haakon (52) ein Riesenskandal – zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Denn auch Mette-Marit steht in diesen Tagen wegen ihrer Verbindung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erneut unter Druck.
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