Luftschläge, Kälte
Menschen in Kiew zelten in ihren eigenen Wohnungen
Kiew erlebt derzeit den schwierigsten Winter seit Kriegsbeginn: Bei Temperaturen von minus 15 Grad Celsius und weniger greifen die russischen Truppen gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine an. „Wer die Grundbedürfnisse nicht mehr decken kann, gibt schneller auf, so das offensichtliche Kalkül“, sagt die Projektleiterin der Caritas-Spes Ukraine, Olena Voichyk.
Ein großer Teil der ukrainischen Hauptstadt ist seit Wochen praktisch ohne Strom. „Ohne Strom ist es schwierig, aber schaffbar. Dass dadurch auch Heizung und Wasser nicht funktionieren, ist jedoch besonders im Winter kaum auszuhalten“, sagt Voichyk zur Nachrichtenagentur APA. Derzeit stünden die Oberlinienbusse still, die Metro fahre nur eingeschränkt, Kindergärten und Schulen wurden vom zentralen Heizsystem getrennt und selbst die Generatoren liefern nur zeitweise Strom. „Der Betrieb eines Generators für ein größeres Gebäude kostet 100 Euro pro Tag, was für viele unerschwinglich ist“, sagt die Caritas-Projektleiterin, die selbst vor Ort ist.
Wer in Kiew ausharrt, hat oft eine unbeheizte Wohnung. Die Menschen tragen bei Zimmertemperaturen um neun Grad Celsius Thermounterwäsche mit vielen Kleidungsschichten darüber, schläft mit Mützen, Handschuhen und in Schlafsäcken. Einige haben auch Zelte im Zimmer aufgebaut. Warmes Essen sei zum Luxus geworden, sagt Voichyk. Wasserkocher werden nur sparsam mittels Powerbanks in Betrieb gesetzt, um etwa Kartoffelpüree oder Tee zuzubereiten. Auch Campingkocher sind im Einsatz. Kommt stundenweise Strom ins Stadtviertel, meist nachts, wird rasch gewaschen, gekocht, geputzt, geheizt und geladen, ehe wieder Dunkelheit einkehrt.
Wohnungen seit Wochen nicht verlassen
Besonders gefährdet sind alte und kranke Menschen. Viele haben ihre Wohnungen wegen der Kälte und den Ausfällen der Aufzüge seit Wochen nicht mehr verlassen. „In Kiew sind die meisten Wohnhäuser zehn bis 25 Stockwerke hoch. Für Senioren, Familien mit kleinen Kindern oder Menschen mit Behinderungen ist das eine enorme Belastung“, erzählt die Projektleiterin. Lieferdienste, Cafés und Restaurants hätten ihre Arbeit größtenteils eingestellt. Wer Suppenküchen besuche, nehme nun auch immer wieder Mahlzeiten für Bekannte und die Nachbarschaft mit. „Früher kannte man die Nachbarn nicht, man lebte sehr anonym. Jetzt hat jeder Wohnblock und jedes Viertel seine Chatgruppe. Wer wider Erwarten Strom oder warmes Wasser hat, bietet Handyladen, Wasserkochen oder Duschen in der eigenen Wohnung an oder hilft einander mit Lebensmitteln aus. Der Zusammenhalt ist riesig.“
In vielen anderen Teilen der Ukraine ist die Situation laut den Berichten derzeit besser als in der Hauptstadt, selbst im nur 30 Kilometer von der Frontlinie entfernten Charkiw. Daher haben seit Monatsbeginn ungefähr 600.000 Menschen Kiew verlassen, um Zuflucht bei Verwandten und anderen Zugehörigen außerhalb zu suchen. Die Behebung der Schäden der jüngsten Zerstörungen dürfte mindestens bis Sommer dauern, hieß es aus der Hauptstadt. Verbündete wie die französische Regierung haben zugesagt, Generatoren zu liefern.












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