Im Burgenland kämpfen Tierschützer täglich um das Überleben herrenloser, frei lebender Katzen – und stoßen dabei an ihre Grenzen.
Die anhaltende Kälte zehrt – an den Kräften frei lebender Tiere, sowie an den Ehrenamtlichen, die im Burgenland derzeit versuchen, das Tierleid etwas zu lindern. Fast täglich erreichen Vereine wie „Wir fürs Tier“ in Loipersdorf i. B. Notfallmeldungen – von völlig ausgemergelten Katzen, die nur noch erlöst werden können, bis hin zu ausgehungerten Streunerfamilien, die sich rasant weitervermehren. Ein besonders schlimmes Bild bot sich Obfrau Alice Siebenbrunner bei einem neuen Kastrationsprojekt: Eine halbwüchsige Katze, deren Darm komplett herausgestülpt war. Gott sei Dank konnte sie die halbscheue Katze sofort sichern. Siebenbrunner: „Ein Riesendank gilt Tierärztin Barbara Benkö-Neudecker, die ihren Abend damit verbrachte, die kleine Seele zu retten. Sie lebt und wir hoffen.“
Kastrationsprojekte nur von privater Seite
Die meisten dieser Katzen dürfte es laut Kastrationsgesetz gar nicht geben. Denn in Österreich müssen alle frei laufenden Katzen und Kater laut Tierschutzgesetz kastriert werden. Wer sich nicht daran hält, kann beim Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft angezeigt werden. Im Burgenland gibt es zudem Kastrationsgutscheine für Streuner. Die Kosten teilen sich Land, Gemeinden und Tierärzte, die zuständige Landesrätin Anja Haider-Wallner hat das Budget heuer um 10.000 Euro auf 40.000 Euro erhöht.
Doch das Kastrationsprojekt ist eine reine Gutscheinaktion. Wer diese einlöst – sprich: Die Katzen einfängt und für deren Kastration sorgt –, bleibt offen, aktive Kastrationsprojekte von Veterinärdirektion oder Sonnenhof, dem Landestierschutzhaus, gibt es nicht. Ausschließlich Privatpersonen bzw. Vereine kümmern sich um die Umsetzung und Versorgung der Katzen. Sie fühlen sich alleingelassen, die Fronten sind verhärtet. Haider-Wallner möchte hier vermitteln und künftig unterstützend zur Seite stehen.
Ohne Mithilfe von Gemeinden geht es nicht
Von Gemeindeseite engagieren sich nur wenige bei der Kastration frei laufender Katzen selbst und investieren etwa in eine Lebendfalle (Kosten ab ca. 50 Euro). Dabei profitieren sie langfristig davon, die Vermehrung frühzeitig einzudämmen. Eine aktuelle Petition in NÖ fordert, Gemeinden stärker in die Pflicht zu nehmen. Das wäre auch im Burgenland ein erster Schritt.
Der nächste wäre es zu klären, wohin sich Bürger auf öffentlicher Seite wenden können. Das Landestierschutzhaus verweist bei Streunern darauf, für das Fangen und Kastrieren nicht zuständig zu sein.
Streuner darf nicht vermittelt werden
Fakt ist: Das Tierleid wird nur gelindert, wenn alle an einem Strang ziehen. Und es bedarf Änderungen. Denn auch „Streuner“ werden älter und krank, können irgendwann nicht mehr draußen leben. Doch laut Aussage des Landes darf ein Streuner, der auf Gutschein kastriert und somit auf das Land Burgenland registriert ist, nicht vermittelt werden – auch wenn er zutraulich ist oder ein neues Zuhause gefunden hätte. Lösungen im Sinne des Tierwohls gibt es hier, wie aktuelle Fälle zeigen, vonseiten der Veterinärdirektion keine.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.