Die Regierung hat ihre Industriestrategie vorgestellt – mit Fokus auf Zukunftstechnologien und Standortoffensive. Im Talk mit der krone.tv übt KMU-Finanzinsider-Gründer Gerald Zmuegg daran jedoch deutliche Kritik.
Zmuegg warnt, dass die Politik mit ihrem aktuellen Kurs der Wirtschaft massiv schade. Aus seiner Sicht sei das, was hier geplant werde, sei „ökonomischer Suizid mit Anlauf“. Besonders irritiert zeigt er sich darüber, dass dieses Problem seiner Meinung nach viel zu selten klar benannt wird. Er finde es „sehr merkwürdig, dass ich offensichtlich der Einzige bin, der regelmäßig darauf hinweist“, dass die präsentierten Maßnahmen erst frühestens 2027 Wirkung entfalten würden – also ein Jahr später, als viele Unternehmer dringend Entlastung bräuchten.
„Ziele nicht messbar – Umsetzung fraglich“
Auch inhaltlich sieht Zmuegg große Schwächen: Eine Strategie brauche messbare und realistische Ziele - beides vermisst er. Auf die Frage nach der Finanzierung gebe es aus seiner Sicht keine klare Antwort. Für Zmuegg ist das ein Alarmsignal: Denn gerade jetzt bräuchten Betriebe Planungssicherheit.
Mittelstand unter Druck
Besonders düster blickt der KMU-Experte auf die Insolvenzen. Im Vorjahr mussten rund 6.800 Unternehmen Konkurs anmelden – und Zmuegg befürchtet, dass sich die Lage heuer weiter verschärfen könnte. Seine Diagnose: Vor allem kleine und mittlere Betriebe bluten aus. Bürokratie, hohe Kosten und fehlende Fachkräfte würden viele Firmen an die Grenze bringen.
Auch dass sich zuletzt mehrere Ökonome sowie Interessensvertreter für für eine Erbschaftssteuer ausgesprochen haben, sieht Gerald Zmuegg äußerst kritisch. Er meint, Österreich habe ohnehin bereits eine sehr hohe Abgaben- und Steuerquote und gelte bei vielen Unternehmern längst als schwieriger Standort. Wenn dann auch noch zusätzliche Steuern bei der Weitergabe eines Betriebs an die eigenen Kinder dazukämen, sei das aus seiner Sicht ein fatales Signal. Sinngemäß warnt Zmuegg: Wer als Unternehmer überlegt, in Europa zu investieren, werde sich bei solchen Schlagzeilen eher gegen Österreich entscheiden.
„Standort wird nicht attraktiver“
Zmuegg kritisiert auch, dass die Politik zwar regelmäßig den Mittelstand lobt – aber konkrete Verbesserungen ausbleiben. Hohe Energiekosten, schwerer Zugang zu Kapital und eine insgesamt schwache Standortqualität würden Investitionen bremsen. Sein Fazit: Ohne echte Reformen und rasche Maßnahmen werde Österreich für Unternehmen nicht attraktiver – und für viele Betriebe werde es zunehmend eng.
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