Eiskaltes Geschäft

Milliardär steckt hinter Trumps Grönland-Wahn

Außenpolitik
20.01.2026 17:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Was lange wie eine bizarre Idee wirkte, entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Konflikt mit wirtschaftlichem Unterton: Donald Trumps Fixierung auf Grönland hat offenbar einen konkreten Ursprung – und der führt direkt zu einem milliardenschweren Freund des US-Präsidenten, dessen Interessen heute auffällig gut zur Politik des Weißen Hauses passen.

Wie der „Guardian“ berichtete, geht die ursprüngliche Idee, Grönland zu erwerben, nicht auf Trump selbst zurück, sondern auf den US-Milliardär Ronald Lauder. Der Erbe des Estée-Lauder-Kosmetikkonzerns und langjährige Weggefährte Trumps soll dem damaligen Präsidenten während dessen erster Amtszeit nahegelegt haben, die riesige arktische Insel zu kaufen.

Der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton schilderte dem „Guardian“, Trump habe ihn 2018 ins Oval Office gebeten und erklärt, ein prominenter Geschäftsmann habe ihm gerade diesen Vorschlag unterbreitet. Dieser Geschäftsmann sei Lauder gewesen.

Droht in Grönland bald wirklich ein militärischer Konflikt? Die Anspannung ist jedenfalls groß.
Droht in Grönland bald wirklich ein militärischer Konflikt? Die Anspannung ist jedenfalls groß.(Bild: AFP/MADS CLAUS RASMUSSEN)
Kosmetik-Milliardär als Strippenzieher? Milliardär Lauder soll hinter Trumps Grönland-Obsession ...
Kosmetik-Milliardär als Strippenzieher? Milliardär Lauder soll hinter Trumps Grönland-Obsession stecken.(Bild: Michael Thaidigsmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Trump glaubt Freunden oft blind
Lauder und Trump kennen einander seit mehr als 60 Jahren, beide stammen aus dem wohlhabenden New Yorker Milieu. Nachdem Lauder die Idee eingebracht hatte, begann ein Team im Weißen Haus laut Bolton, Möglichkeiten auszuloten, den US-Einfluss in dem zu Dänemark gehörenden Gebiet auszuweiten. Trumps erneute und inzwischen deutlich schärfer formulierte Forderungen in seiner zweiten Amtszeit seien typisch für seinen Politikstil, sagte Bolton: Informationen aus dem Freundeskreis würden von ihm oft ungeprüft als Wahrheit übernommen.

Milliardär wittert wohl gutes Geschäft
Auffällig ist, dass Lauders politische Anregungen und seine wirtschaftlichen Aktivitäten zunehmend ineinandergreifen. Während Trump zuletzt sogar offen über eine gewaltsame Übernahme Grönlands sprach, baute Lauder seine geschäftlichen Interessen auf der Insel aus. Laut dänischen Firmenregistern beteiligte sich eine Gesellschaft mit New Yorker Adresse und anonymen Eigentümern an mehreren Projekten in Grönland. Dazu zählt unter anderem der Export von „Luxus“-Quellwasser aus der Baffin Bay.

Ein grönländischer Geschäftspartner wurde von einer dänischen Zeitung mit den Worten zitiert, Lauder und seine Mitinvestoren verfügten über ausgezeichneten Zugang zum Luxusmarkt. Zudem verfolgt das Investorenkonsortium Berichten zufolge Pläne zur Nutzung von Wasserkraft aus Grönlands größtem See für eine Aluminiumhütte.

Interessenskonflikte im Hause Trump
Lauder selbst verteidigte Trumps Grönland-Kurs zuletzt öffentlich. In einem Beitrag in der „New York Post“ schrieb er, Trumps Idee sei „nie absurd, sondern strategisch“ gewesen. Unter Eis und Fels lägen wertvolle seltene Erden, die für KI, moderne Waffensysteme und neue Technologien essenziell seien. Zudem entstünden durch das schmelzende Eis neue Schifffahrtsrouten. Er betonte, seit Jahren eng mit Wirtschafts- und Regierungsvertretern in Grönland an strategischen Investitionen zu arbeiten.

Welche konkreten Auswirkungen ein möglicher US-Erwerb Grönlands auf Lauders Geschäfte hätte, ist allerdings unklar. Seine Rolle verstärkt jedoch die Debatte über mögliche Interessenkonflikte im Umfeld Trumps. Auch Trumps Söhne Don Jr. und Eric sind weltweit geschäftlich aktiv, während das Weiße Haus betont, Präsident und Familie hätten keine Interessenkonflikte.

Widerstand gegen Pläne auch in den USA
Politisch stößt Trumps Kurs in Europa auf geschlossene Ablehnung. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rief angesichts von Trumps Drohungen mit Zöllen zur Standhaftigkeit auf. Kein Staat habe das Recht, das Territorium eines anderen zu übernehmen – „weder in der Ukraine noch in Grönland“, sagte sie vor dem Europäischen Parlament.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen stellte klar, über Souveränität, Grenzen und Demokratie werde nicht verhandelt. Scharfe Worte kamen auch aus den USA selbst: Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom kritisierte die aus seiner Sicht unterwürfige Haltung europäischer Regierungschefs gegenüber Trump als „erbärmlich“ und forderte ein klares Zeichen des Widerstands.

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