„Nicht akkordiert“

Bundesregierung bremst bei Bablers Warenkorb

Innenpolitik
19.01.2026 10:26

Im Kampf gegen die hohen Lebensmittelpreise in Österreich hat Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) am Sonntag erstmals die ganze Liste, was alles billiger werden soll, präsentiert. Am Montag bremsten Vertreter der Bundesregierung jedoch sein Vorhaben. „Die Liste ist nicht akkordiert. Das muss noch ausverhandelt werden“, betonte Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS). 

Auch Bablers Parteikollegin, Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), bremste bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Schellhorn und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP): „Der Warenkorb liegt jetzt einmal auf dem Tisch, muss aber mit den anderen Parteien noch verhandelt werden.“

Bablers Warenkorb

Milch, Milcherzeugnisse und Eier:

  • Milch (inkl. laktosefreier tierischer Milch)
  • Butter
  • Eier (von Hühnern)

Gemüse (frisch und gekühlt):

  • Erdäpfel
  • Paradeiser
  • Zwiebel, Knoblauch und Lauch
  • Karfiol und Kohlrabi
  • Salate
  • Karotten, Rüben und Knollensellerie
  • Gurken
  • Bohnen, Erbsen usw.
  • Anderes Gemüse (z.B.: Kürbis, Paprika oder Spargel)
  • Gemüse gefroren (z.B.: Erbsen, Spinat)

Obst:

  • Äpfel/Birnen frisch
  • Steinobst (Marillen, Kirschen usw.) frisch

Getreide, Müllereierzeugnisse und Backwaren:

  • Reis
  • Weizenmehl und Weizengrieß
  • Nudeln (ohne Füllung)
  • Brot und Gebäck (Semmeln usw.) inkl. glutenfreies Brot
  • Speisesalz

Die von Babler in der ORF-„Pressestunde“ am Sonntag angekündigte Liste von begünstigten Produkten umfasst neben Milch, Butter und Eiern etwa Reis, Zwiebel und Knoblauch, Salate, Gurken, Paradeiser, Erdäpfel, Äpfel, Birnen, Steinobst wie Marillen, Brot und Gebäck. Der Fokus soll auf jenen Produkten liegen, die in Österreich produziert werden, so Babler.

Neue Statistik-Austria-Datenbank zeigt Lebensmittel-Preisentwicklung
Die Statistik Austria hat unterdessen am Montag eine neue Datenbank zur Entwicklung der Lebensmittelpreise präsentiert. Das sogenannte Preisradar soll die Preisveränderungen bestimmter Produkte über den Zeitverlauf sichtbar und Vergleiche von Produktgruppen mit anderen Ländern möglich machen. Außerdem erlaubt das Tool einen Blick auf und Vergleiche von Indizes wie Großhandels- oder Erzeugerpreisen. Die Datenbank ist ab sofort unter https://www.statistik.at/preisradar/ abrufbar.

Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung der Inflation in Österreich von 1990 bis 2025. Die Inflationsrate lag 1992 bei 4,1 %, sank danach und blieb meist zwischen 1 % und 3 %. 2022 stieg sie stark auf 8,6 % und lag 2025 bei 3,6 %. Quelle: Statistik Austria.
Das Liniendiagramm zeigt die Veränderung der Verbraucherpreise für Lebensmittel und die Gesamtinflation in Österreich von Januar 2020 bis Dezember 2025. Die Teuerungsrate für Lebensmittel steigt ab 2022 stark an und erreicht Anfang 2023 einen Höchstwert von etwa 17 %. Danach sinkt sie deutlich, bleibt aber bis Ende 2025 über dem Niveau von 2020. Die Gesamtinflation folgt einem ähnlichen Trend, bleibt aber durchgehend unter der Lebensmittelteuerung. Quelle: Statistik Austria.

Auch Vergleiche mit anderen Ländern möglich
Insgesamt sind im Preisradar gut 100 verschiedene Lebensmittel ersichtlich, darunter viele Güter des täglichen Bedarfs wie Brot, Milch, Eier sowie verschiedene Gemüse- und Obstsorten. Ziel der Datenbank sei es, einen schnellen und kompakten Überblick über die Preissituation zu geben, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. Dafür seien vorhandene Daten „übersichtlich und sinnvoll“ zusammengefasst worden. Auf Ebene von Produktgruppen – darunter Getreide und Fleischwaren – gibt die Datenbank auch Vergleiche mit anderen Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder dem gesamten Euroraum her.

Die Infografik zeigt die Inflation in Österreich von Juni 2024 bis Dezember 2025. Die Inflationsrate steigt ab Mitte 2024 und erreicht im Dezember 2025 einen Wert von 3,8 %. Im Dezember 2025 steigen die Preise für Wohnen, Wasser und Energie um 6,5 %, für Gastronomie und Hotels um 5,5 % und für Lebensmittel um 3,9 %. Die Preise für Treibstoffe sinken um 1,4 %. Quelle: Statistik Austria.

Jahresinflation 2025 bei 3,6 Prozent
Nach der Teuerungskrise im Jahr 2022 und 2023 und dem Rückgang im Jahr 2024 stieg die Jahresinflation 2025 in Österreich indes wieder an: Mit 3,6 Prozent lag sie deutlich höher als 2024 mit 2,9 Prozent. Damit fiel die Rate (nach HVPI-Berechnung ebenso 3,6 Prozent, Anm.) nicht nur höher als in den meisten Ländern der Eurozone – Österreich lag auf Rang 16 und damit in der unteren Hälfte – aus, sie lag auch deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent.

Für die Jahresinflation 2026 prognostizierte das Wifo im Dezember einen Rückgang auf 2,6 Prozent, das IHS rechnet mit 2,5 Prozent. Die Nationalbank wiederum erwartet einen Rückgang auf 2,4 Prozent.

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