Sorge wegen US-Drohung

Grönländer füllen schon Gefriertruhen auf

Außenpolitik
18.01.2026 14:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die US-Regierung droht damit, die Insel Grönland zu kaufen beziehungsweise notfalls militärische Gewalt anzuwenden. Die ständigen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump hinterlassen bereits ihre Spuren bei der grönländischen Bevölkerung. So werden etwa Notfallpläne gewälzt.

„Ich denke darüber nach, wo ich mich verstecken kann und welche Medikamente ich horten muss“, sagt die Studentin Nuunu Binzer (35). Viele Grönländerinnen und Grönländer füllen bereits ihre Gefriertruhen auf, legen Vorräte an Trinkwasser und Treibstoff an oder kaufen Generatoren. „Ständig denke ich darüber nach, was wir dann tun können. Wenn ich mit dem Hund rausgehe, überlege ich mir, wie es dann hier in den Straßen aussehen würde“, sagt Ulrikke Andersen (40) zur Nachrichtenagentur AFP.

Sie würde gemeinsam mit ihrer Tochter fliehen, falls das US-Militär eine Invasion starte, was sie derzeit nicht ausschließe. Sollte nicht ausreichend Zeit bleiben, um nach Dänemark zu gelangen, kann sie sich eine Flucht per Boot in eine abgelegene Hütte am anderen Ende der Insel vorstellen. „Wir können jagen, fischen, von der Natur leben. Wir sind es gewohnt, unter extremen Bedingungen zu leben, das ist in unserer DNA“, sagt die 40-Jährige. Ihre Eltern würde sie in Nuuk zurücklassen, da ein solches Leben zu hart für die beiden wäre. „Sie verstehen das, weil ich ihnen gesagt habe, dass wir Leute brauchen, die überleben und sich an ein Leben mit dem absoluten Minimum anpassen können.“

Kinder in Nuuk beim Spielen im Schnee
Kinder in Nuuk beim Spielen im Schnee(Bild: AP/Evgeniy Maloletka)
Die deutsche Bundeswehr am Flughafen Nuuk
Die deutsche Bundeswehr am Flughafen Nuuk(Bild: AFP/ALESSANDRO RAMPAZZO)

Inger Olsvig Brandt (62) sagt hingegen, in der Hauptstadt Nuuk bleiben zu wollen. Schließlich brauche man einander. Im Fernsehen werden aktuell in Dauerschleife Bilder von Trump und seinen Drohungen gezeigt. Der US-Präsident ignoriert die Unabhängigkeitswünsche der Bevölkerung und die Einwände der Schutzmacht Dänemark, zu der die Insel gehört. Offizielle Anweisungen, was die Menschen tun sollten, wenn sich die Lage zuspitzt, gibt es bisher nicht.

EU beruft Krisensitzung ein
Die EU hat für den heutigen Sonntag eine Sondersitzung nach der Zolldrohung von Trump einberufen. Botschafterinnen und Botschafter kommen am Nachmittag zusammen. Eine Eskalation müsse vermieden werden, sagte Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, dass er beantragen wolle, ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung zu aktivieren. Dieses ermöglicht Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher Druck ausgeübt wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen. Der US-Ansatz im Grönland-Streit wirft aus Sicht des Präsidenten die Frage nach der Gültigkeit des Zollabkommens auf, das die Europäische Union im vergangenen Sommer mit den Vereinigten Staaten geschlossen hat.

Wie berichtet, hat Trump am Samstag aufgrund des Grönland-Streits Zölle gegen Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die Niederlande angekündigt. Diese sollen ab dem 1. Februar in einer Höhe von zehn Prozent gelten, ab dem 1. Juni in der Höhe von 25 Prozent, und zwar auf alle Waren, die in die USA gesendet werden. Ein Ende gibt es laut Trump erst, wenn ein Abkommen über den Kauf von Grönland erzielt wurde. Die genannten Länder haben Streitkräfte nach Grönland gesandt, die deutschen sind bereits wieder abgereist.

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