Krieg wird Zahlenspiel

US-Angriff soll bereits Milliarden verbrennen

Außenpolitik
06.03.2026 12:42
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Militäreinsatz „Epischer Zorn“ der USA gegen den Iran hat allein in den ersten 100 Stunden nach unterschiedlichen Schätzungen bereits mehrere Milliarden Dollar gekostet – die Bandbreite der angenommenen Kosten ist allerdings groß. Im Nahen Osten zeigt sich nun ein Problem, das vor allem die Ukraine gut kennt.

So geht das Institut Center for Strategic and International Studies (CSIS) mit Sitz in Washington von 3,7 Milliarden Dollar (knapp 3,2 Milliarden Euro) in den ersten vier Tagen aus. Es stützt sich dabei eigenen Angaben zufolge auf die wenigen Details, die das US-Verteidigungsministerium bisher offengelegt hat.

Die Zeitung „Wall Street Journal“ schreibt am Freitag von fast 11 Milliarden Dollar in den ersten vier Tagen und beruft sich dabei auf Elaine McCusker, die in der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump im Pentagon für den Verteidigungsetat zuständig war. Diese Kosten umfassen dem Zeitungsbericht zufolge auch die Stationierung von mehr als zwölf Schiffen und 100 Flugzeugen im Nahen Osten seit Dezember.

Iran-Krieg wird zum Zahlenspiel
Das Pentagon hat laut McCusker wahrscheinlich Abfangraketen im Wert von rund 5,7 Milliarden US-Dollar zur Abwehr iranischer ballistischer Raketen und Drohnen eingesetzt, wie das „Wall Street Journal“ weiter schreibt.

Die Erklärgrafik zeigt das Luftabwehrsystem Patriot zur Abwehr von Flugzeugen, Raketen und Marschflugkörpern. Das System erkennt mit einer Radareinheit ein Flugobjekt, berechnet im Leitstand die Flugbahnen und kann bis zu 50 Ziele gleichzeitig kontrollieren. Ein Raketenwerfer feuert Abwehrraketen mit einer Reichweite von etwa 68 Kilometern ab und kann bis zu 5 Ziele gleichzeitig bekämpfen. Quelle: APA.

Weitere 3,4 Milliarden US-Dollar entfielen auf Bomben und andere Raketentypen. Die Kostenschätzung beinhaltet weder Gehälter, Ausbildung noch den Einsatz nationaler Ressourcen in der Region.

Der Krieg wird zunehmend zu einem Zahlenspiel. Unklar ist, wie gut die jeweiligen Waffenarsenale gefüllt sind. Das Mullah-Regime hat seine Angriffe bereits erkennbar entschleunigt. Zudem konnten Israel und die USA etliche Raketenwerfer zerstören. Doch auch die Vorräte von Washington, vor allem bei der Luftabwehr, dürften nicht ewig halten.

US-Kriegsminister Hegseth weiß nichts von einem Munitionsproblem:

Die BBC schreibt, dass eine einzelne Rakete für das Patriot-Luftabwehrsystem rund vier Millionen US-Dollar kostet. Das viel größere Problem ist aber, dass davon nur etwa 700 jährlich produziert werden. Aktuell werden mit kostspieligen Raketen billige Shahed-Drohnen vom Himmel geholt. Diese Rechnung geht auf Dauer nicht auf.

US-Thinktanks schätzen, dass die USA insgesamt rund 1600 derartige Abfangraketen besitzen. Der Vorrat geht nun dramatisch zurück. Und freilich brauchen die USA nicht nur im Nahen Osten Luftverteidigung, man könne also nicht einfach aus dem Pazifik jegliche Abfangsysteme abziehen.

Das Patriot-System ist besonders teuer.
Das Patriot-System ist besonders teuer.(Bild: APA/AFP/US AIR FORCE/Sean M. WORRELL)

„Die Amerikaner werden wirklich nicht in der Lage sein, genügend dieser Raketen bereitzustellen“, sagte EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius am Freitag bei einem Besuch in Warschau.

Dies gelte sowohl für die Golfstaaten als auch für die US-Armee selbst und „den Bedarf der Ukraine“, erläuterte er. Es sei „ganz klar“, dass es nach dem Iran-Krieg „für uns in Europa noch dringlicher geworden ist, die Produktion von Luftabwehr- und Raketenabwehrsystemen hochzufahren“, betonte Kubilius. Europa stehe einer „riesigen Herausforderung“ gegenüber, wenn es um die Entwicklung der Luftabwehr gehe, fügte er hinzu.

Die Ukraine will helfen
„Die Umstellung der US-Streitkräfte auf kostengünstigere Munition und der starke Rückgang iranischer Drohnen- und Raketenstarts werden die Kosten senken“, heißt es in der Analyse der Denkfabrik CSIS vom Donnerstag.

Die Ukraine will die USA bei der Abwehr iranischer Drohnen unterstützen. Man habe eine entsprechende Anfrage aus Washington erhalten, erklärt Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Er habe die Entsendung von Spezialisten und Ausrüstung angeordnet, um beim Schutz vor „Schahed“-Drohnen zu helfen. Abfangdrohnen ukrainischer Bauart sollen für Entlastung sorgen. Einem Insider zufolge sollen die ukrainischen Experten in den kommenden Tagen ihre Arbeit aufnehmen.

Die Ukraine hat im Abwehrkampf gegen Russland umfangreiche Erfahrungen mit den iranischen Kamikaze-Drohnen gesammelt. Selenskyj hat einen Tausch von ukrainischen Abfangdrohnen gegen Patriot-Luftabwehrraketen angeregt.

Nun entfalte sich laut CSIS ein Wettlauf gegen die Zeit: „Die zukünftigen Kosten werden jedoch maßgeblich von der Intensität der Operationen und der Wirksamkeit iranischer Vergeltungsmaßnahmen abhängen.“ Das Institut verwies ferner darauf, dass sowohl Trump als auch Kriegsminister Pete Hegseth am Donnerstag, dem sechsten Tag der Angriffe, angedeutet hätten, dass der Konflikt noch „Wochen“ andauern könnte.

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