LINZ-Buch

„Stahlstadt“ in der Zeit ihres größten Wandels

Oberösterreich
18.01.2026 16:00

Manfred Carrington, Autor und Heimatforscher, nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch Linz. Die damalige „Stahlstadt“ erlebte den größten Wandel, entwickelte Protest-Kultur und erfand sich neu. Der Bildband „Stahlstadt im Umbruch. Von den 70ern in die 90er-Jahre“ ist mit 500 Fotos bebildert.

Das Lebensgefühl? Es war anders: Linz galt in den 1970er-Jahren als „Stahlstadt pur“, alles drehte sich um Hochöfen und Industrie; Linz erfand sich zugleich in Wohlstand und Modernisierung neu, was sich etwa durch die Erneuerung von Gebäude-Ensembles (Alt-Urfahr) ausdrückte.

Dann folgte 1973 die Ölkrise, die zugleich den Weg für eine erste Umweltbewegung ebnete. Ab Anfang der 1980er-Jahre sollte Linz mehr als Industriestadt sein. Die Kultur machte den Aufbruch mit neuen Kulturvereinen oder Konzertformaten vor.

Fußgängerzonen und Demos
Man richtete die Fußgängerzone am Hauptplatz ein. Da entdeckten die Bürgerinnen und Bürger das Demonstrieren, protestierten gegen die Luftbelastung durch die Industrie – Stichwort: „In Linz stinkt‘s!“ –, aber auch gegen das Waldsterben und den Atomkrieg.

Weltspartag in der Sparkasse (1974)
Weltspartag in der Sparkasse (1974)(Bild: Lentia-Verlag)
Sprengarbeiten für Brückenneubau in Ebelsberg (1972)
Sprengarbeiten für Brückenneubau in Ebelsberg (1972)(Bild: Lentia-Verlag)
Linzer Appell“: Aufruf zum Frieden (1980)
Linzer Appell“: Aufruf zum Frieden (1980)(Bild: Lentia-Verlag)
Legende: Maria Reichl, Landwirtin mit Kutsche (1975)
Legende: Maria Reichl, Landwirtin mit Kutsche (1975)(Bild: Lentia-Verlag)
Demo gegen die Zerschlagung der VOEST (1986)
Demo gegen die Zerschlagung der VOEST (1986)(Bild: Lentia-Verlag)
Erstes Linz-Fest Open Air (1983)
Erstes Linz-Fest Open Air (1983)(Bild: Lentia-Verlag)

Der Höhepunkt folgte genau vor 40 Jahren: 1986 wurde Linz zum Schauplatz für die damals größte Demonstration der Zweiten Republik, denn 45.000 Menschen protestierten gegen Privatisierung und Zerschlagung des damaligen Staatsbetriebs VOEST.

Diese und hunderte andere Ereignisse kann man nun im neuen Buch „Stahlstadt im Umbruch. Von den 70ern in die 90er-Jahre“ (im Lentia-Verlag, 49,90 €) nachlesen, nachschauen, nacherleben.

„Bilderjäger von Linz“

Alfred Harrer (1925 bis 2009) war ein Pressefotograf, der über fünf Jahrzehnte das Leben in Linz dokumentierte. Er galt als „Bilderjäger von Linz“. Nach dem Zweiten Weltkrieg fotografierte er zunächst für die US-Streitkräfte und erhielt 1955 den Gewerbeschein. Als Fotojournalist arbeitete er für Tageszeitungen. Er machte Bilder von Bränden, Unfällen und Tatorten, von Prominenten, Siegen, Niederlagen, glücklichen und traurigen Momenten. Mehr als drei Millionen Kilometer legte er zurück, bis er mit 74 Jahren in Pension ging. Harrer hinterließ einen Nachlass mit zehntausenden Aufnahmen – eine bedeutende Chronik. Verleger Manfred Carrington rettete nach HarrersTod zahlreiche Bilder. Er digitalisiert und veröffentlicht sie in der Buchreihe „LiNZ-Zeitgeschichte“.

Der Linzer Alfred Harrer machte Fotografie zu seiner Lebensaufgabe.
Der Linzer Alfred Harrer machte Fotografie zu seiner Lebensaufgabe.(Bild: Lentia-Verlag)

Der Schnappschuss als Dokument und Erinnerung
Manfred Carrington, bekannter Stadtchronist, legt mit „Stahlstadt im Umbruch. Von den 70ern in die 90er-Jahre“ (Lentia Verlag, 49,90 €) den neunten Band in der Reihe „LiNZ-Zeitgeschichte“ vor. Das Buch ist mit 500 eindrucksvollen Fotos von Alfred Harrer – dem „Bilderjäger von Linz“ – reich bebildert.

„Der Nachlass von Harrer besteht aus hunderttausenden Aufnahmen, die eine bewegte Zeit des Wandels dokumentieren – wirtschaftlich, sozial, kulturell“, sagt Carrington. Eine ausführliche Stadtchronik ergänzt die Bilddokumente.

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