63. Theatertreffen

Leistungsschau in Berlin mit dreifachem Wien-Bezug

Kultur
13.01.2026 13:20

Das Berliner Theatertreffen hat zum 63. Mal die zehn bemerkenswertesten Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum gekürt. Doppelt nominiert sind der deutsche Regisseur Sebastian Hartmann und die Münchner Kammerspiele. Auch die Wiener Festwochen und das Volkstheater dürfen sich freuen.

Drei Produktionen, die in Wien zu sehen waren, sind zum 63. Berliner Theatertreffen im Mai eingeladen: die Volkstheater-Produktion „Fräulein Else“, das Festwochen-Stück „Three Times Left is Right“ von Julian Hetzel und Florentina Holzingers „A Year Without Summer“. Das gab die Jury, die heuer 739 Arbeiten aus 98 Städten gesichtet hat, bekannt.

Zweimal in der Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten ist Sebastian Hartmann. Der deutsche Regisseur wurde mit „Serotonin“ nach Michel Houellebecq am Hans Otto Theater Potsdam sowie mit Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ am Staatstheater Cottbus eingeladen. Beide Häuser sind damit erstmals beim Theatertreffen vertreten.

Auch die Münchner Kammerspiele können sich über zwei Nennungen freuen: Jette Steckel ist mit ihrer Inszenierung von „Mephisto“ nach Klaus Mann vertreten, Jan-Christoph Gockel, der diese Woche am Wiener Volkstheater „Ukrainomania“ nach Joseph Roth herausbringt, kommt mit seiner monumentalen „Wallenstein“-Inszenierung nach Friedrich Schiller nach Berlin.

Apropos Volkstheater: Dort war im Vorjahr auch die Tanzquartier-Koproduktion von Holzingers „A Year Without Summer“ zu sehen, die zuvor an der Volksbühne Berlin Premiere gefeiert hatte. Die auch mit zwei Nestroy-Preisen für die Beste Regie und die Beste Hauptdarstellerin gewürdigte Produktion „Fräulein Else“ zeigt das Volkstheater noch am 24. und 26. Februar.

Freude beim Volkstheater
Somit ist das Volkstheater nach „Change“ (1979) und „humanistää!“ (2022) zum dritten Mal beim „Gipfeltreffen“ des deutschsprachigen Theaters vertreten, freute sich das Theater am Dienstag in einer Aussendung. „Ich hab’ zum ersten Mal die Ehre, am Berliner Theatertreffen spielen zu dürfen. Und das auch noch mit meinem Herzensprojekt ‚Fräulein Else‘. Ich freu‘ mich schon auf Berlin!“, zeigt sich Julia Riedler, die vom Fachblatt „Theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres gekürt wurde, erfreut. Regisseurin Leonie Böhm ergänzt: „‚Fräulein Else‘ ist für uns so wichtig und es ist so ein Geschenk, zu erleben, dass es anderen auch so geht. Ich freue mich ganz arg, dass wir eingeladen sind.“

Theatertreffen

  • „Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle, Regie: Lucia Bihler, Schauspiel Stuttgart
  • „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams, Regie: Jaz Woodcock-Stewart, Theater Basel
  • „Mephisto“ nach Klaus Mann, Regie: Jette Steckel, Münchner Kammerspiele
  • „Serotonin“ nach Michel Houellebecq, Regie: Sebastian Hartmann, Hans Otto Theater Potsdam
  • „Three Times Left is Right“ von Julian Hetzel, Regie: Julian Hetzel, Koproduktion Wiener Festwochen und  Schauspiel Leipzig
  • „Wallenstein“ nach Friedrich Schiller, Regie: Jan-Christoph Gockel, Münchner Kammerspiele 
  • „A Year Without Summer“ von Florentina Holzinger, Koproduktion u.a. mit Volksbühne Berlin und dem Tanzquartier Wien
  • „Fräulein Else“ von Leonie Böhm und Julia Riedler, Regie: Leonie Böhm, Volkstheater Wien 
  • „Il gattopardo“ von Pınar Karabulut, Schauspielhaus Zürich
  • „Der Hauptmann von Köpenick“ von Carl Zuckmayer, Regie: Sebastian Hartmann, Staatstheater Cottbus 

Die Österreicherin Nora Hertlein-Hull steht an der Spitze dieser Bühnen-Leistungsschau, die heuer von 1. bis 17. Mai stattfindet. Die Jury bestand diesmal aus Alexandra Kedves, Vincent Koch, Sabine Leucht, Martin Thomas Pesl, Falk Schreiber, Christine Wahl und Sascha Westphal. Mit Abschluss der diesjährigen Festivalausgabe verlassen turnusmäßig Leucht, Pesl und Westphal die Jury. An ihre Stelle wurden Jakob Hayner, Yaël Koutouan und Silvia Stammen berufen. Berücksichtigt wurden Premieren, die im Zeitraum 17. Jänner bis 31. Dezember 2025 stattfanden. Der Spielplan erscheint im April.

Politische Themen und große Schauspielleistungen
Das Theatertreffen 2026 verbindet großes Schauspielertheater mit den politischen Themen unserer Zeit“, so Hertlein-Hull bei der Pressekonferenz in Berlin. „Die nominierten Inszenierungen muten uns einiges zu, im allerbesten Sinne. Texte, die man zu kennen glaubt, werden in großen ästhetischen Setzungen innovativ und überraschend interpretiert und lassen tief in menschliche Abgründe blicken.“

Neben den Aufführungen der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen im Haus der Berliner Festspiele und an weiteren Spielorten gibt es heuer erstmals auch das neue Format „Mehr Drama!“: Dafür haben sechs Theaterverlage renommierte Autorinnen und Autoren aus ihrem Programm gebeten, jeweils ein Nachwuchstalent zu benennen, dessen Text in einer Lesung präsentiert wird. Zu den Auswählenden gehören u.a. die Österreicher Ferdinand Schmalz und Gerhild Steinbuch.

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