Stadttunnel Feldkirch

Blaue Taufpatin für schwarzes Prestige-Projekt

Vorarlberg
05.03.2026 05:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Wenn am Freitag die Anschlagsfeierlichkeiten für den Feldkircher Stadttunnel über die Bühne gehen, liegt ein langer Weg hinter den Planern. Tunnelpatin wird ausgerechnet die Frau des FPÖ-Verkehrslandesrats Christof Bitschi – im Büro von Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hielt sich die Begeisterung schwer in Grenzen. 

Als die ersten Planungen bezüglich Verkehrsentlastungen für die leidgeplagte Feldkircher Bevölkerung begonnen haben, war Herbert Sausgruber noch der zuständige Straßenbaulandesrat. 34 Jahre und einige Landesräte später ist die Anschlagsfeier für das umstrittene Projekt.

„Steinzeitliches Mobilitätsverständnis“
Erst am Mittwoch warfen die Grünen, deren Regierungsmitglieder im Jahr 2022 den Beschluss für die erste Bauetappe nicht mitgetragen hatten, der schwarz-blauen Landesregierung ein „steinzeitlichem Mobilitätsverständnis“ vor. Landeshauptmann Markus Wallner und sein freiheitlicher Mitstreiter Christof Bitschi würden auf Beton statt Menschen setzen, das Geld, das der sündteure Bau verschlingen werde, wäre woanders besser angelegt, ist gebetsmühlenartig zu vernehmen.

Stichwort Kosten: Diese sollen sich nach Berechnungen des zuständigen Landesamts für Straßenbau auf maximal 385 Millionen Euro belaufen. Wer die Kostenexplosion bei anderen Bauprojekten wie beispielsweise beim Bregenzer Hallenbad mitverfolgt hat, dürfte allerdings eher den Tunnelgegnern Glauben schenken, die damit rechnen, dass die 400-Millionen-Euro-Grenze überschritten wird.

 Geschichte des Stadttunnels

1992 bis 1998: Das Projekt Letzetunnel (eine Südumfahrung von der Autobahn bis zum Grenzübergang Tisis) wird ausgearbeitet und vom Bundesministerium als Bestvariante bestätigt.

2005 bis 2008: Im Rahmen des Projekts „Verkehrsplanung Feldkirch Süd“ werden 15 Straßenoptionen untersucht.

2009: Die Variante 5.3 „Stadttunnel Feldkirch“ geht als Bestvariante hervor; das Land sowie Feldkirch und Frastanz stimmen der Umsetzung zu.

2013: Die Umweltverträglichkeitserklärung wird eingereicht, 2025 folgt dann der positive UVP-Bescheid in erster Instanz.

2019: Mit dem UVP-Bescheid in zweiter Instanz erfolgt der offizielle Startschuss für den Stadttunnel.

2020 bis 2021: Erste vorbereitende Baumaßnahmen wie die Umlegung der L191a, der Bau einer Radwegbrücke und der Anschlag des Erkundungsstollens Altstadt gehen über die Bühne.

2022: Ein Revisionsantrag der Projektgegner wird von den Höchstgerichten abgewiesen. Die Landesregierung fasst den Baubeschluss für die erste Etappe. Der Bau des Erkundungsstollen Tisis und der Umbau der L190 beginnen.

2024: Die Landesregierung beschließt die zweite und letzte Bauetappe. Die Arbeiten für den Haupttunnel werden vergeben. 

Land übernimmt Löwenanteil der Kosten
Die offizielle Aufteilung der derzeit veranschlagten 367 Millionen Euro sieht vor, dass das Land rund 312 Millionen Euro übernimmt, der Bund wird rund 40 Millionen Euro beisteuern, die Stadt Feldkirch 12 Millionen Euro und die Vorarlberger Energienetze GmbH drei Millionen Euro.

Eine skurrile Anekdote am Rande
Die Tunnelpatenschaft wird Julia Bitschi, Ehefrau des aktuellen Straßenbaulandesrats Christof Bitschi, übernehmen. Dem Vernehmen nach hielt sich die Begeisterung bezüglich dieser Wahl im Büro des Landeshauptmanns sehr in Grenzen – und so wurde beim Straßenbauamt nachgefragt, weshalb denn die Wahl ausgerechnet auf Julia Bitschi gefallen sei. Die Antwort: Die Tunnelpatin werde seit jeher von den Firmen ausgesucht, die für den Bau verantwortlich zeichnen – und die hätten sich eben für Julia Bitschi entschieden.

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