Die Krise in der Auto-Industrie zieht immer weitere Kreise. Nun ist auch Wollsdorf Leder in St. Ruprecht an der Raab insolvent – betroffen sind 365 Mitarbeiter. Der Bürgermeister hofft, dass „zumindest Teile der Produktion hier bleiben“. Wahrscheinlich sind aber 300 Jobs verloren.
„Schlimmer hätte das Jahr für uns nicht beginnen können“, sagt Franz Nöhrer, Bürgermeister von St. Ruprecht an der Raab. In der Gemeinde ist Wollsdorf Leder seit 1976 beheimatet und für die ganze Region ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsmotor. Seit einiger Zeit schon stottert der Motor, nun droht er abzusterben: Am Freitag musste man Insolvenz anmelden, nachdem im Vorjahre bereits 150 Mitarbeiter entlassen worden waren. Zudem waren Sanierungsbemühungen mit den Banken gescheitert.
Auf rund 60 Millionen Euro belaufen sich die Passiva der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH sowie der Holdinggesellschaft Wollsdorf International GmbH. Betroffen sind laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) mehr als 600 Gläubiger und 365 Mitarbeiter.
Grund für die finanzielle Misere ist die Krise in der Autoindustrie, wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) erklärt. Seit 2024 seien bei Wollsdorf Leder massive Nachfragerückgänge aus der Autoindustrie erkennbar gewesen. Dieser Zweig sorgt jedoch für 81 Prozent des Umsatzes der oststeirischen Firma. Man habe sich um günstigere Produkte beziehungsweise Lieferanten von Rohhäuten gekümmert – doch aufgrund der Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei sei es zu Lieferengpässen gekommen. Dadurch gab es auch Qualitätsprobleme.
Wir haben gewusst, dass es nicht gut ausschaut und Jobs nach Mexiko wandern. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass zumindest Teile der Produktion hier bleibe
Franz Nöhrer, Bürgermeister von St. Ruprecht an der Raab
„Wir haben spätestens seit November des Vorjahres gewusst, dass es nicht gut ausschaut“, sagt Bürgermeister Franz Nöhrer. Damals wurden 150 Jobs abgebaut und nach Mexiko verlagert, wo Wollsdorf neben China und Kroatien seit 2019 eine Produktionsstätte betreibt – wir haben berichtet. „Dass es aber so schlecht steht, war auch für uns überraschend. Das tut natürlich irrsinnig weh“, sagt er und hofft für die Mitarbeiter, dass „zumindest Teile der Produktion in der Steiermark bleiben“. Doch auch für die Gemeinde könnte die Insolvenz folgenschwer sein: „Wollsdorf Leder hat viele Vereine und soziale Projekte unterstützt. Zudem müssen wir jetzt mit dem Totalausfall der Kommunalsteuer rechnen.“
Nur 60 Arbeitsplätze dürften bleiben
Wie geht es weiter? Die beiden insolventen Firmen bieten eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent an. Grundsätzlich wird daher eine Fortführung des Unternehmens angestrebt. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass es in der Steiermark in Zukunft keine Produktion mehr geben wird. Damit wären etwa 300 Arbeitsplätze verloren (der Großteil davon Tagespendler aus Ungarn und Slowenien), nur 60 Jobs dürften bleiben.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.