Provokation statt echter Lösungen: Die jüngste Kampagne der steirischen Ärztekammer schlägt hohe Wellen und sorgt innerhalb wie außerhalb der Standesvertretung für Kritik. Parallel schlägt der Rechnungshof Alarm und pocht auf längst überfällige Reformen: „Gegenseitige Blockaden bringen nichts!“
Eine PR-Aktion der steirischen Ärztekammer mit Präsident Michael Sacherer an der Spitze löst derzeit bei einigen Mitgliedern akute Kopfschmerzen aus. Auf Plakaten und in Inseraten wird behauptet, dass nur 15 Prozent der ÖGK-Ausgaben in ärztliche Kassenleistungen fließen würden – verbunden mit der provokanten Frage: „Wofür wird der Rest verwendet?“
„Geschmacklos, populistisch“
Kritik kommt dafür vor allem aus den eigenen Reihen. Zahlreiche steirische Mediziner sprechen – teilweise auch offen – von einem „geschmacklosen, populistischen“ Auftritt, der mehr spalte als zur Lösung beitrage. Und dann ist da noch die Kostenfrage, die so manchen irritiert: Schließlich werden Kampagnen wie diese über die Zwangsmitgliedschaft und Beiträge aller Ärzte finanziert.
Die ÖGK hält dem übrigens entgegen, dass 98 Prozent des Budgets in Leistungen fließen – vor allem an Spitäler, (Wahl-)Ärzte und Medikamente, und nur zwei Prozent in die Verwaltung.
Es müssen die notwendigen Leistungen von der Versicherung österreichweit einheitlich angeboten und abgegolten werden.

RH-Präsidentin Margit Kraker
Bild: Achim Bieniek
Wahlarztkosten enorm gestiegen
„Gegenseitige Blockaden bringen gar nichts, denn es geht um das Ziel“, mahnte dazu passend am Freitag die Steirerin Margit Kraker in ihrer Funktion als Präsidentin des Bundesrechnungshofes. Der druckfrische Bericht zur „Ärztlichen Versorgung im niedergelassenen Bereich 2018 bis 2023“ macht das Ausmaß des Problems, vor dem das österreichische Gesundheitswesen mittlerweile steht, auf 144 Seiten eindrucksvoll sichtbar.
Demnach wären etwa die Wahlarztkosten zuletzt „enorm gestiegen“, Reserven der Österreichischen Gesundheitskasse mittlerweile „praktisch aufgebraucht“. „Bisher konnten weder die Versorgungsziele des Österreichischen Strukturplans Gesundheit eingehalten noch ausgeglichene Finanzen erreicht werden“, so das ernüchterte Fazit.
RH will einheitlichen Gesamtvertrag
Der RH empfiehlt unter anderem einen bundesweit einheitlichen Gesamtvertrag für alle ÖGK-Ärzte – auf die Zustimmung der einzelnen Landesärztekammern solle man dabei verzichten ...
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