Aufregung in Russland
„Henker“ befahl Soldaten, sich selbst zu verletzen
Er war ein Aushängeschild der russischen Kriegspropaganda: vier Tapferkeitsorden auf der Brust, kämpferische Worte in Videos des Verteidigungsministeriums, Kampfname „Executioner“ („Henker“). Nun sitzt Oberstleutnant Konstantin Frolow in Untersuchungshaft.
Vom Propagandahelden zum Angeklagten: Er hatte erklärt, nicht eher ruhen zu wollen, bis Russland in der Ukraine „gesiegt“ habe, prahlte mit angeblichen Schrapnellwunden und Tapferkeitsorden. Nun sitzt Frolow in Untersuchungshaft.
Die russische Ermittlungsbehörde wirft dem Oberstleutnant vor, gemeinsam mit einem weiteren Kommandeur seiner Eliteeinheit ein System geschaffen zu haben, bei dem Soldaten hohe Entschädigungszahlungen für Verletzungen kassieren. Der Schaden soll bei rund 200 Millionen Rubel (etwa 2,2 Millionen Euro) liegen.
Vorgesetzte auf „Gehaltsliste“
Laut Anklage hätten mehr als 30 Soldaten und Sanitäter Waffen genutzt, um sich absichtlich zu verletzen und so Anspruch auf staatliche Zahlungen zu erlangen. Präsident Wladimir Putin hatte 2024 per Dekret Entschädigungen von bis zu drei Millionen Rubel für schwere Verletzungen festgelegt. Ein Teil der Summen soll an Vorgesetzte geflossen sein.
Frolow muss sich nun wegen Betrugs, Bestechung und Waffenhandels vor einem Militärgericht verantworten. Er bestreitet, dass sich Soldaten absichtlich angeschossen hätten, räumte jedoch ein, in „manipulierte Aktenführung“ verwickelt gewesen zu sein.
Es stellt sich heraus, dass mein Land, das mich das ganze Jahr über als Helden bezeichnet hat, sich nun selbst widerspricht und mich in einen Käfig sperrt.
Frolow vor Gericht
Mehrfache Zahlungen
Mehrere Verletzungen aus einem Gefecht seien als getrennte Vorfälle gemeldet worden, um mehrfach Geld zu erhalten. „Es stellt sich heraus, dass mein Land, das mich das ganze Jahr über als Helden bezeichnet hat, sich nun selbst widerspricht und mich in einen Käfig sperrt“, sagte er vor Gericht.
„Wenn du Urlaub willst, musst du verletzt sein“
Ein ehemaliger Fallschirmjäger bestätigte gegenüber der „New York Times“, dass Verletzungen häufig übertrieben dargestellt worden seien. „Wenn du Urlaub willst, musst du verletzt sein. Die Idee war: ,Wir verletzen dich, du gibst uns das Geld – eine Million – und dann gehst du auf Urlaub‘“, schilderte er. Andere Soldaten sprechen davon, dass „Geld alles bestimmt“ und der Krieg für manche zum Geschäft geworden sei.










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