Lebenslang nach Putsch

Südkoreas Ex-Präsident entgeht der Todesstrafe

Außenpolitik
19.02.2026 09:02
Porträt von krone.at
Von krone.at

Das Urteil für Yoon Suk Yeol steht seit dem frühen Donnerstagmorgen fest: Der ehemalige Präsident Südkoreas muss lebenslang in Haft bleiben, nachdem er 2024 einen Aufstand angeführt hat und damit gescheitert ist. Für Yoon hätte es sogar noch schlimmer kommen können, denn auch die Todesstrafe wäre für den 65-Jährigen möglich gewesen. 

Yoon hatte im Dezember 2024 als damaliger Präsident überraschend das Kriegsrecht ausgerufen und ordnete Spezialeinheiten des Militärs an, die Nationalversammlung in Seoul abzusperren. Auch wenn Südkoreas Abgeordnete nach wenigen Stunden in einer hastig einberufenen Abstimmung Yoons Kriegsrechtsdekret aufheben konnten, geriet das Land in eine monatelange Staatskrise.

Der konservativen Politiker begründete seine Maßnahme mit dem Schutz der freiheitlichen Ordnung des Landes vor einer linken Opposition, die angeblich von Sympathisanten Nordkoreas und Chinas unterwandert sei. Beweise legte Yoon für seine Behauptung nicht vor. Kritikern zufolge habe Yoon mit dem Kriegsrecht die Demokratie aushebeln wollen, um seine politische Macht durchzusetzen.

Yoon in weiterem Prozess zu fünf Jahren Haft verurteilt
Wegen Behinderung der Justiz wurde Yoon Suk Yeol bereits in einem separaten Prozess Mitte Jänner zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es unter anderem als erwiesen an, dass Yoon Beweismaterial gegen ihn vernichtet und den präsidialen Sicherheitsdienst missbraucht hatte, um sich seiner Verhaftung zu widersetzen, indem er durch das Verbarrikadieren in seinem Wohnsitz versucht hatte, sich seiner Festnahme zu entziehen.

Er wurde schließlich bei einem zweiten Versuch von mehr als 3000 Polizisten festgenommen. Es war die erste Festnahme eines amtierenden Präsidenten in der Geschichte Südkoreas.

De facto gilt in Südkorea ein inoffizielles Moratorium auf die Todesstrafe. Sie wurde also vorübergehend ausgesetzt und seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr vollstreckt worden.

Der frühere General Chun Doo Hwan zum Beispiel wurde 1996 wegen der brutalen Niederschlagung von Massenprotesten zum Tode verurteilt. Seine Strafe wurde später umgewandelt und er wurde nach zwei Jahren Haft begnadigt.

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