Caritas-Chef warnt

„Letztes soziales Netz ist sehr löchrig geworden“

Politik
13.12.2025 14:00

Die Caritas schlägt Alarm: Immer mehr Menschen in Österreich geraten in existenzielle Notlagen. Im krone.tv-Interview schildert Caritasdirektor Klaus Schwertner, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist – und warum manche politischen Entscheidungen die Lage weiter verschärfen.

Laut Statistik Austria erfüllen derzeit 336.000 Österreicherinnen und Österreicher gleich mehrere Kriterien schwerer Armut: Sie können ihre Wohnung nicht ausreichend heizen, abgetragene Kleidung nicht ersetzen, unerwartete Ausgaben nicht stemmen – und manche Familien können sich nicht einmal eine ausgewogene Ernährung leisten.

„Der Winter stellt viele vor die Frage: Heizen oder essen?“, so Schwertner. In den 71 Sozialberatungsstellen der Caritas sei die Not täglich spürbar. Pandemie, Rekordinflation, Energiekrise und steigende Wohnkosten hätten eine Situation geschaffen, in der immer mehr Menschen „drohen in die Obdachlosigkeit abzurutschen“.

Sozialhilfe-Kürzungen in der Kritik
Besonders kritisch sieht Schwertner die jüngsten Kürzungen in der Sozialhilfe. In mehreren Bundesländern – darunter Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich und ab 1. Jänner auch Wien – werden Unterstützungen reduziert.

Caritasdirektor Klaus Schwertner im krone.tv-Talk
Caritasdirektor Klaus Schwertner im krone.tv-Talk(Bild: krone.tv )

Der Direktor warnt: „Das letzte soziale Netz schützt, das vor bitterer Armut schützen soll, ist sehr löchrig geworden. Wer sagt, alle sollen den Gürtel enger schnallen, versteht nicht, dass viele Menschen kein einziges Loch mehr im Gürtel haben.“

„Wien kann das nicht alleine schultern“
Obwohl Wien weiterhin zu den lebenswertesten Städten der Welt zählt, sieht Schwertner das soziale Fundament bröckeln. „Wien hat jahrelang Aufgaben für das ganze Land mitgetragen. Aber das kann niemand alleine stemmen. Der Bund und die Länder müssen Verantwortung übernehmen.“ Besonders überhastete Maßnahmen würden Menschen zusätzlich belasten.

Populistische Parteien attackieren Zusammenhalt
Trotz aller Herausforderungen beobachtet Schwertner auch eine enorme Bereitschaft zu helfen: 43 Wärmestuben, das Kältetelefon mit 140 Freiwilligen, tausende Helferinnen und Helfer in Projekten der Caritas. Doch diese Hilfsbereitschaft sieht er bedroht: „Manche populistische Parteien attackieren diese humanitäre Tradition. Das ist gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

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