




Forschung im Kunsthistorisches Museum Wien: Seit 2022 versucht das Team des Projektes „Crown“, die Rätsel der Reichskrone in der Wiener Schatzkammer zu lösen – mit neuen Erkenntnissen.
Ihre Geschichte ist von Legenden, Mythen, Rätseln geprägt: Zuerst brachte man die Krone des Heiligen Römischen Reiches mit Karl dem Großen in Verbindung, dem Gründer des Frankenreichs, der im Jahr 800 Kaiser wurde – weshalb sie heiliggesprochen wurde.
Acht goldene Tafeln trugen ursprünglich 371 Edelsteine. Nun sind es nur noch 172. Zahllose Perlen, auch gefärbtes Glas und Emailmalereien, Darstellungen der Könige Salomon und David, schmücken Tafeln. Kreuz und Bügel sind Sinnbilder der Vollkommenheit und der Verbindung von Himmel und Erde. Zwölf Steine standen für die zwölf Stämme Israels und die Apostel.





Legende um geraubten Diamanten
Und eine Legende rankt sich um einen legendären Diamanten, den „Weisen“, der vermutlich nach 1350 geraubt wurde. Er war ein wichtigstes Symbol für Gottesgnadenkönigtum des Herrschers und Auserwählt-Sein. Er soll in der Nacht gestrahlt haben.
Seit 2022 untersucht jetzt ein Forschungsteam des Kunsthistorischen Museums gemeinsam mit internationalen Institutionen unter Leitung von Kurator Dr. Franz Kirchweger die Reichskrone. „Wir müssen nach 250 Jahren Forschungsgeschichte mit modernsten Methoden alle Aspekte prüfen: von der Herkunft und der Zusammensetzung der Materialien über Technologie und Erhaltungszustand bis zu Datierung, Werkstatt und der sehr wechselvollen ,Reise-Geschichte‘ der Krone.“
Karl der Große sicher nicht! Dass sie aus der Zeit Kaiser Otto I. (962 bis 973) stamme, scheint nicht mehr aktuell. Die Krone dürfte für den Salier-Kaiser Konrad II. oder den Staufer-König Konrad III. entstanden sein.
Sie soll erst nach 1020 oder überhaupt erst um 1140 entstanden sein. Erste Erwähnungen darüber findet man beim Dichter Walther von der Vogelweide bei der Krönung Philipps von Schwaben 1198.
Westdeutsche Goldschmiedewerkstätten, etwa in Köln, und das Kloster Reichenau sind möglich.
Das Gold könnte auch aus antikem Schmuck stammen, die Edelsteine aus Pakistan, Sri Lanka – so der 30-Karat-Saphir! –, Perlen, die größten des Mittelalters, kamen auf Handelswegen.
Der Materialwert dürfte 1,5 Millionen Euro betragen. Der ideelle Wert: unschätzbar! Sie ist das bedeutendste Symbol im „Schatz des Abendlandes“ und europäischer Geschichte.
Lezte Verwendung 1792
Ab 1424 in Nürnberg aufbewahrt, wurde sie 1800 vor Napoleons Truppen nach Wien und 1938 von Hitler nach Nürnberg geschafft. Die Nazis waren übrigens entsetzt, als sie auf der Krone jüdische Königsbilder entdeckten. 1945 wurden die „Reichskleinodien“ Wien zurückgegeben. Zum letzten Mal wurde die Krone 1792 bei der Krönung des Habsburgers Franz II. verwendet.
Einige alte Theorien konnte man mit modernem 3D-Digitalmikroskop, Spektometrie und Isotopenanalyse widerlegen. „Wir sind uns aber bewusst“, sagen KHM-Chefrestauratorin Helene Hanzer und Kirchweger, dass wir „mit neuen Erkenntnissen Bausteine für die weitere Forschung schaffen“. Die Crown-Ergebnisse erscheinen als Buch mit etwa 1000 Seiten Umfang.
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